Rezension: Wasser für die Elefanten von Sara Gruen

Der Roman Wasser für die Elefanten von Sara Gruen wurde ein großer internationaler Erfolg. Er wurde herausgegeben im DUMONT Buchverlag,  schaffte es, die Nr. 1 der New York Times Bestsellerliste zu werden und gewann zahlreiche Preise, wie 2007 den Book Sense Book of the Year Award, den Cosmo Fun Fearless Fiction Award, den Bookbrowse Diamond Award for Most Popular Book, den Friends of American Literature Adult Fiction Award und den ALA/Alex Award. Das Buch wurde in 44 Sprachen übersetzt und kam 2011 in die Kinos mit Reese Witherspoon, Christoph Waltz und Robert Pattinson.

Sara Gruen wurde 1969 in Vancouver, British Columbia geboren. Sie wuchs auf in London und studierte an der Carleton University in Ottawa englische Literaur, was sie für die ersten zehn Jahre nach ihrem Abschluss dort unterrichtete. Im Jahr 1999 ging sie von Ottawa in die USA, um einen technischen Schreibjob anzunehmen. Zwei Jahre später wurde sie gekündigt und entschied sich, es mit dem Schreiben von Büchern zu versuchen. Im Jahr 2007 erschien ihr dritter Roman Water for Elephants. Das Buch lehnte ihr ursprünglicher Verlag ab, es wurde aber dennoch schnell ein Erfolg.
Sara Gruen lebt jetzt mit ihrem Mann, drei Kindern, zwei Pferden, zwei Hunden, vier Katzen und einer Ziege in der Nähe von Chicago.

Die Autorin erzählt in Wasser für die Elefanten die Geschichte von Jacob Jankowski und bewegt sich dabei auf zwei Zeitebenen. Anschaulich schildert sie sein gegenwärtiges Leben im Altenheim. Er sagt von sich „Ich bin neunzig. Oder dreiundneunzig. So oder so.“, er hasst die tägliche Routine dort, ist nicht mehr sehr gut zu Fuß, wartet oft vergebens auf den Besuch seiner Angehörigen, das Essen dort ist mies und wenn er sich dagegen auflehnt, so bekommt er nur eine zusätzliche Tablette, die ihn ruhigstellt. Keiner der Pfleger möchte sich mit den alten Leuten auseinandersetzen, auf ihre wirklichen Bedürfnisse und Befindlichkeiten gehen sie nicht ein. Einziger Lichtblick für ihn ist Rosemary. Sie behandelt ihn respektvoll, wie einen Menschen. Als dann ein Zirkus gastiert in der Stadt, blickt Jacob zurück und er erinnert sich an seine Jugendzeit, als er noch Teil einer Zirkustruppe war und selbst mittendrin stand im glanzvollen Zirkusleben.

 

Und erlebt hat er in dieser bewegten Zeit um die 1930er Jahre in den USA, also in den Jahren der Großen Depression, so einiges. Das Land ertrug eben da Bankenkrisen, die Zahlungsunfähigkeit vieler Unternehmen und massenhafte Arbeitslosigkeit, die soziales Elend zur Folge hatten. Seine Eltern verunglückten tödlich, gerade an dem Tag, als er seine letzte Prüfung ablegen wollte zum Verterinärmediziner. Doch eine zu erwartende Erbschaft blieb aus, sie hinterließen nichts als Schulden. So stand er plötzlich vor dem Nichts, packte seine Sachen und zog los auf gut Glück bis er auf einen fahrenden Zug aufsprang – mitten hinein in die schillernde, kunterbunte Zirkuswelt des Zirkus “Benzini Brothers”, einer Welt voller Möglichkeiten, aber auch eine harte und brutale Welt, in der es an der Tagesordnung war, um seinen Platz im Zug zu kämpfen. Nicht selten kam es vor, dass nutzlos gewordene Leute einfach aus dem Zug geworfen wurden, um die ausstehende Gage zu sparen. Jacob durfte bleiben, da er seine Nützlichkeit unter Beweis stellen konnte und Heilung für ein krankes Pferd in Aussicht stellte. Als das Kunstreitpferd der Artistin Marlena aufgrund einer tödlichen Krankheit doch erschossen werden muss, erwirbt der Zirkus einen Elefanten: Rosie. Sie soll die drohende Pleite abwenden, dabei ist sie eigentlich unzähmbar und gilt als dumm. Nur Jacob erkennt Rosie’s Geheimnis und so bleibt er weiterhin wertvoll für den Zirkus. Brutalität gab es ebenso im Umgang mit den Tieren. Besonders grausam geht August vor, der Zirkusdirektor und Dompteur der Tiere, ein gebieterischer, jähzorniger Choleriker, und das nicht nur mit Tieren. Auch seine Frau Marlena leidet unter seiner zerstörerischen Art. Jacob möchte Marlena beschützen und sie verlieben sich ineinander. So nimmt ein Drama seinen Lauf, das Jacob erst nach 70-jährigem Schweigen aufklären wird.

Fazit:

Der Roman von Sara Gruen vermag es, für uns eine vergangene Zeit wieder aufleben zu lassen mit ihrem schlimmen Elend, aber auch den daraus resultierenten, berechtigten Hoffnungen auf ein besseres Leben. Gerade in dieser kunterbunten Zirkuswelt ist es der Autorin gut gelungen bei aller Exotik auch die gegebenen Realitäten treffend einzufangen. Die Personen, einschließlich Elefantendame Rosie, der eigentlichen Heldin der Geschichte, sind stimmig dargestellt, ihre Beziehungen untereinander komplex herausgearbeitet. Besonders passend ist auch der Schluss der Romans, in dem sich der Kreis wieder schließt. Jacob Jankowski kehrt an den Zirkus zurück und damit zu seinen eigenen Jugenderinnerungen, um noch einmal den besonderen Duft der Manege einzuatmen und in die so einzigartige Atmosphäre einzutauchen.

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