Rezension: Labyrinth-Trilogie von Rainer Wekwerth

 

In Wekwerths Labyrinth-Trilogie (Das Labyrinth erwacht – Teil 1, Das Labyrinth jagt dich – Teil 2, Das Labyrinth ist ohne Gnade – Teil 3) versuchen sieben Jugendliche einem gnadenlosen „Labyrinth“ zu entkommen, indem sie sechs Welten durchqueren, jedoch in jeder Welt einen von ihnen zurücklassen müssen, der dann dem Tod geweiht ist.

Rainer Wekwerth wurde 1959 in Esslingen geboren. Bereits im Kindesalter schrieb er Kurzgeschichten. Diese Berufung ließ ihn nicht mehr los, er ist Autor aus Leidenschaft. Oft liest man, ein Autor habe sein Hobby zum Beruf gemacht, Wekwerth dagegen bezeichnet das Schreiben als Sucht: er kann gar nicht anders. Mit 35 Jahren verfasste er sein erstes Kinderbuch “Emilys wundersame Reise ins Land der Träume”. Nach weiteren drei Kinderbüchern wurde er im Jahre 1999 für seine Arbeit mit dem Landespreis für Kinder- und Jugendbuch Baden-Württemberg ausgezeichnet. Im selben Jahr begann er mit dem Schreiben von Fantasyromanen. Neben dem Schreiben coacht er Autoren und Schreibschüler, ist Ehemann und Vater einer Tochter. Rainer Wekwerth lebt mit seiner Familie im Stuttgarter Raum.

Der im Arena-Verlag erschienene Roman Labyrinth ist tatsächlich wortwörtlich “ausgezeichnet angekommen” und erhielt die folgenden Preise:

Das Labyrinth erwacht wurde als bestes deutschsprachiges Jugendbuch ausgezeichnet mit:

Segeberger Feder (2013)
Ulmer Unke (2013)
Goldene Leslie (2013)
Die Goldene Leslie ist der Jugendbuchpreis des Landes Rheinland-Pfalz.
Zudem war “Das Labyrinth erwacht” nominiert für den Buxtehuder Bullen.

Das Labyrinth erwacht – Teil 1

7 Jugendliche, 6 Tore, 72 Stunden. Die Jagd beginnt.
Für León, Mary, Mischa, Jenna, Jeb, Kathy und Tian wird dieses Motto im Roman zur kompromisslosen Realität, denn sie erwachen ohne Erinnerungen in einer lebensfeindlichen, fremden Welt. Sie stellen sich Fragen wie: Warum sind wir hier? Warum können wir uns an nichts außer an unseren Namen erinnern? Jeder von ihnen hat einen Rucksack erhalten, in dem sich Kleidung und ein speziell auf ihre Kenntnisse abgestimmtes Werkzeug befindet. Einer von ihnen erhält zusätzlich dazu noch einen Hinweis, eine rätselhafte Botschaft, dass sie sich innerhalb von 72 Stunden durch die erste Ebene kämpfen müssen. Es wird sechs Ebenen insgesamt geben. Jedes Mal müssen sie vor Ablauf der Zeit die Tore erreichen, die sie zur nächsten Ebene bringen – und jedes Mal wird ein Tor zu wenig auf sie warten und in jeder folgenden Welt wird es noch ein weiteres Tor weniger, bis am Ende nur ein einziges Tor übrig bleibt, das in die nächste Welt führt, zurück in die reale, wirkliche Welt – in ihre Welt. Allerdings wird sich nur für einen von ihnen dieser Traum einer Rückkehr erfüllen, alle anderen werden zurückgelassen in einer der ungastlichen Welten, in denen es kein Überleben für sie geben wird.

Im ersten Teil des Buches durchqueren die sieben Jugendlichen zuerst eine ausgetrocknete Steppe mit flirrender Hitze und gleich nach Passieren des ersten Tores gelangen sie in eine weitere Ebene, die Schnee und eisige Kälte in sich birgt. Diese extremen Umweltbedingungen erweisen sich hier als ihre größten Gegener und erschweren es ihnen, ans Ziel zu gelangen, aber zudem sind andere Hindernisse zu überwinden, denn das Labyrinth kennt ihre Ängste und spielt damit. So müssen sie vor Verfolgern flüchten, vor Feuer fliehen, tiefe Schluchten passieren und ihre eigene Furcht immer wieder neu besiegen, um endlich ihrem eigentlichen Ziel, den Transportportalen, näher zu kommen. Nicht umsonst heißt es im Buch: “Fürchtet euch vor euren Ängsten. […] Wen seine Ängste überwältigen, wird zurückbleiben. Ihr seid sieben Suchende, doch es gibt nur sechs Tore zur nächsten Welt. So wird es in jeder Welt sein, immer werdet ihr ein Tor weniger finden, als ihr Suchende seid. Einer von euch wird stets zurückbleiben, einer wird allein seinen Ängsten gehören. Wer leben will, muss kämpfen. Gegen andere, gegen sich selbst. Am Ende wird nur einer von euch überleben. Weil ihr im Labyrinth seid. Weil ihr verloren seid.”

Das Labyrinth jagt dich – Teil 2

Aufgebaut ist “Das Labyrinth jagt dich” ähnlich wie der erste Teil und somit unterteilt in zwei Abschnitte mit je einer zu durchquerenden Ebene und in jedem dieser Parts treffen unsere Hauptfiguren auf eine feindliche andere Welt innerhalb dieses ungewöhnlichen Labyrinths, die sich auch dieses Mal extrem voneinander unterscheiden. In der ersten Ebene stehen die Protagonisten selbst im Mittelpunkt des Geschehens, ihr Verhalten, der Charakter, die Beziehungen, die sie untereinander aufbauen, in der zweiten Welt geht es dann vor allem um den Zusammenhalt innerhalb der Gruppe, auf die Bindungen zwischen den Einzelnen und die Zusammenarbeit und Hilfsbereitschaft. Es ist klar, dass nicht alle diesen zweiten Band überleben werden. Aber wer wird dieses Mal auf der Strecke bleiben …?

Das Labyrinth ist ohne Gnade – Teil 3

Mit sieben hatte es angefangen, nun sind sie nur noch zu dritt und sie sind geschwächt. Aber alle wollen überleben – um jeden Preis. Zweifel überschatten den Kampf gegen das Labyrinth, das mit immer neuen Mysterien für die Jugendlichen aufwartet. Ihr mühsam erworbener Teamgeist scheint nicht zu brechen, doch lohnt sich für das Trio der gemeinsame Kampf, wenn nur einer von ihnen überleben kann? Die entscheidende Frage aber wagt niemand zu stellen: Was erwartet den letzten Überlebenden hinter dem sechsten Tor?

Der Roman schließt nahtlos an den Vorgänger an – natürlich in einer neuen Welt und in einem weiteren, erschreckenden Szenario, in dem die Teilnehmer wieder einmal an die eigenen Grenzen gehen müssen und darüber hinaus, um mitzuhalten und sich den Gefahren zu stellen. Dieser Teil bietet nun die letzten beiden Ebenen und beschäftigt sich außerdem mit dem „Danach“, denn noch weiß keiner der Jugendlichen, was den „Gewinner“ erwartet, sobald er durch das letzte Portal schreitet.

Das Labyrinth ist ohne Gnade” ist der emotionalste Band der Labyrinth-Trilogie und eine geglückte Mischung aus Abenteuer, Spannung, Dystopie und etwas Romantik.

Fazit

Rainer Wekwerth hat mit dem Labyrinth-Zyklus eine spannende Geschichte geschrieben, die die Grenzen der Genres sprengt. Die gesamte Trilogie hat einen deutlichen roten Faden und erscheint somit sehr strukturiert. Das Buch ist vom ersten Moment an packend, denn schon bevor alle sieben Protagonisten vorgestellt wurden, weiß der Leser, dass einer von ihnen in jeder neuen Ebene sterben wird. Gerade diese Jagd ums Überleben gibt dem Roman etwas Dramatisches.

Da die Jugendlichen schnell feststellen, dass sie in diesen scheinbar verlassenen Welten, und ohne Erinnerungen an ihr früheres Leben, den Schutz der Gruppe brauchen, brechen sie gemeinsam auf, um die Tore zu suchen. Sie sind aufeinander angewiesen, auch weil jeder von ihnen ein anderes nützliches Hilfsmittel, wie ein Feuerzeug, ein Seil, einen Verbandskasten oder ein Messer bekommen hat. Dadurch sind sie viel zusammen unterwegs und sie versuchen nun, sich gegenseitig besser kennenzulernen. Das gelingt dem Autor besonders dadurch, indem er ständig die Perspektive verändert. Die Geschichte wird in der dritten Person erzählt, aber der Fokus wechselt dabei auch zwischen den Charakteren. Da das Buch aus allen sieben Perspektiven geschildert wird, lernt man die intimsten Gedanken, innersten Gefühle, ureigenste Erinnerungen und grundlegenste Ängste jeder Figur kennen. Das steigert die Sympathie, man identifiziert sich mit ihnen allen und macht es beinahe unmöglich, nur für einen die Daumen zu drücken, dass es derjenige letztlich schafft. Im Laufe der Handlung entwickeln die Charaktere auch untereinander Freundschaft, Kameradschaft, Respekt, Liebe, aber es entsteht genauso Neid, Hass und Sehnsucht. Alles das ist gut nachzuvollziehen und nicht zuletzt wird gerade dadurch Spannung erzeugt, so dass der Leser sich bestens unterhalten fühlt. Auch die einzelnen Welten sind detailreich beschrieben, einschließlich der stets andersartigen lauernden Gefahren, die sie jeweils in sich bergen.

Man könnte, ohne das Buch gelesen zu haben, zu dem Ergebnis kommen, es wäre immer wieder dasselbe verwendete Schema und es würde mit der Zeit langweilig, aber genau das Gegenteil ist hier der Fall. Langeweile kommt zu keiner Zeit auf und so gab es auch kein Entkommen aus dem Labyrinth für mich, zumindest nicht eher, als bis ich die letzte Seite ausgelesen hatte und nun das überraschende und zugleich auch beängstigende, offene Ende kannte. Der eigentliche Ausgang der Geschichte ist völlig ungewiss. Somit ist ein Spielraum gegeben für viele mögliche Ausgänge und es liegt in der Fantasie eines jeden selbst, den für sich passendenden Schluss zu finden. Das Buch hätte durchaus das Potential zu einer weiteren Fortsetzung…

Bildquelle: nelson gonçalves, thx! (CC0 Public Domain)

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2 Kommentare

  1. Sickborn sagt:

    Hoffentlich hat er wenigstens in den Danksagungen James Dashner erwähnt. Seine Bücher hat er sicher gelesen…

  2. Mundus sagt:

    Wow! Maze-Runner in VÖLLIG neuer Konzipierung, da hat sich wer ein Namen spoliiert, dessen sonderbare Qualität im dem hiersigen hochgetrapten dualität der dexterität zu Maze-Runner, als so verdienlich anzuerkennen muss scheinlich von so Hoher Kompetenz gesegnet sein, so seiner begabenheit des Autors hier sichtlich beschrieben sei.

    Demütig anzuerkennen ist des Autors Mut! Dessen Phantasie unerreicht grenzt.!

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