Provinz Neuschottland: Teenager droht Freiheitsstrafe wegen Computermissbrauchs

Article by · 30. April 2018 ·

Einem 19-jährigen Kanadier droht eine Gefängnisstrafe von bis zu 10 Jahren. Einziger Grund dafür ist, er hat bis zu 7.000 öffentlich zugängliche Dokumente vom Informationsfreiheitsportal der Provinz Neuschottland heruntergeladen. Das Material stand für jedermann frei zugänglich zur Verfügung, berichtet der öffentliche kanadische Rundfunk CBC.

Dafür, dass er nichts anderes angestellt hat, als allgemein zugängliche Daten heruntergeladen zu haben, muss sich ein Teenager nun vor einem Strafgericht wegen „nicht autorisierter Nutzung eines Computersystems“ verantworten. Er selbst war davon überzeugt, er würde ein Archiv mit öffentlichen Informationen herunterladen: „Ich habe mich nicht versteckt. Ich hätte nicht gedacht, dass dies falsch wäre, weil es sich um öffentliche Informationen handelt. Da es öffentlich war, dachte ich, es sei ok, es herunterzuladen und zu speichern“, meinte er. Ein Irrtum, der sich nun als schlimmer Fehler erweisen könnte und der bereits eine Hausdurchsuchung nach sich gezogen hat.

Von der stattgefundenen Hausdurchsuchung waren alle Familienangehörigen betroffen: Nicht nur, dass der 19-Jährige verhaftet und verhört wurde, die 15 involvierten Polizeibeamten durchsuchten das gesamte Haus, beschlagnahmten die elektronischen Geräte der Familie, verhafteten den noch minderjährigen Bruder auf dem Schulweg und nahmen ihm das Laptop weg. Die Mutter sagt, sie, ihr Mann und zwei ihrer Kinder seien im Wohnzimmer eingesperrt gewesen: „Sie haben uns unsere Rechte vorgelesen und uns gesagt, dass wir nicht reden sollen. Unsere Tochter, sie war wirklich traumatisiert.“ Zudem wurden die Eltern und die minderjährigen Geschwister stundenlang verhört, alles ohne Rechtsbeistand. Beamte nahmen die 13-jährige Tochter mit, um sie in einem Polizeiauto zu befragen. In einem Interview mit dem CBC führte die Mutter aus: „Die Leute gingen in die Küche, gingen ins Esszimmer, gingen nach oben. Sie gingen in den Keller. Sie gingen überall durch das Haus. Sie haben alles durchsucht. Sie haben Matratzen umgedreht, Schubladen ausgeleert, persönliche Papiere durchgesehen, Bilder“.

Das Hobby des 19-jährigen Kanadiers ist es, Dinge zu archivieren: „Ich bewahre Dinge, ich archiviere das Internet. Ich habe Geschichte auf meinem Computer und all das sollte gespeichert bleiben und so fortbestehen“, sagt er. So war dies nicht die erste Website, die der Teenager für das „allgemeine Interesse gerettet“ hatte. Er schätzt, dass er rund 30 Terabyte Online-Daten auf Festplatten in seinem Haus hat, was „Millionen“ von Webseiten entspricht. Normalerweise kopiert er Online-Foren, wie 4chan und Reddit, wo Beiträge entweder schnell gelöscht werden oder schwierig zu finden sind.

Das Brisante an diesem Fall ist, dass sich unter dem kopiertem Material auf dem von Unisys betriebenen öffentlichen Server ungefähr 250 Dokumente befanden, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Dabei handelte es sich um nicht redigierte Aufzeichnungen der Provinzregierung mit sensiblen persönlichen Informationen, die keinesfalls für die Veröffentlichung bestimmt waren. Weder waren die Daten passwortgeschützt, noch als vertraulich gekennzeichnet. Ansonsten handelte es sich um Akten über Bürger, die Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz über sie selbst betreffende Daten gestellt haben.

Am Freitag beschuldigte Neuschottlands Premier, Stephen McNeil, die Person, die die Dokumente heruntergeladen habe, die Informationen „gestohlen“ zu haben. Zwar wird dem Jugendlichen nicht vorgeworfen, die vertraulichen Daten an Dritte weitergegeben zu haben, dennoch muss er sich nun vor einem Strafgericht verantworten. Darauf kann es bis zu zehn Jahre Haft geben. Der 19-Järige verteidigt sich: „Ich hatte einfach keine böswillige Absicht und ich sollte dafür nicht angeklagt werden“

Die kanadische IT-Szene reagierte mit Wut und Bestürzung auf das Ereignis. Sie meinen zum Einen, dass vertrauliche Daten nie ungeschützt im Netz stehen dürften, zum Anderen solle die Regierung ihre Fehler eingestehen und sich keinen Sündenbock dafür suchen. Neben einem Appell, die Anklage gegen den 19-jährigen Kanadier fallen zu lassen, weist die Electronic Frontier Foundation (EFF) zudem darauf hin, dass der Server nicht einmal Einschränkungen für Suchmaschinen angab, so dass ein Teil der Dokumente auf Google gecached sowie im Internet Archive gespeichert wurde.

Mit einer Spendenkampagne will Dragos Ruiu, Sicherheitsforscher und Veranstalter der SecWest-Konferenzreihe, genauso wie auch andere Spender dazu beitragen, die Verteidigung des Teenagers zu bezahlen. Vertreten wird er von dem auf Datenschutz spezialisierten Anwalt David Fraser.

Bildquelle: Free-Photos, thx! (CC0 Public Domain)

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