Privatsender fordern Anteil an Rundfunkgebühren

Article by · 1. Juli 2017 ·

ProSieben-Sat1-Chef Conrad Albert fordert mit dem Argument, man leiste schließlich seinen Teil zur Grundversorgung, einen Anteil an den Gebühren des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Das gab Conrad Albert der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ bekannt. Jedes Medienhaus, das gesellschaftlich relevante Inhalte liefere, sollte über öffentliche Gelder gefördert werden – und nicht nur ARD und ZDF, sagte der Manager.

Der Rundfunkbeitrag wird in Deutschland zur Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten erhoben. Der Beitrag wird seit 2013 von jedem beitragsschuldigen Inhaber einer Wohnung erhoben, wobei es egal ist, ob und wie viele Rundfunkgeräte vorhanden sind. Privatsender haben keinen Zugriff auf diese öffentliche Gelder – die sind bisher ausschließlich ARD und ZDF vorbehalten. Conrad Albert, ProSieben-Sat.1-Vorstand, fordert indes einen Systemwechsel und die Auszahlung an Privatsender.

Die Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag lagen im Jahr 2016 bei rund 7,98 Milliarden Euro. Das entsprach einem Rückgang von rund 153 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr, wie der Beitragsservice Ende Juni mitgeteilt hatte. Der Rundfunkbeitrag war mit Wirkung zum April 2015 für die Rezipienten von zuvor 17,98 Euro auf 17,50 Euro gesenkt worden. Bei dieser Höhe soll es bis 2020 bleiben.

„In dem Maße, in dem wir – die privaten TV-Vollprogramme – die Grundversorgung vor allem in jungen Segmenten de facto mitübernehmen, finden wir es sachgerecht, dass diese Inhalte aus öffentlichen Mitteln finanziert oder mitfinanziert werden“, sagte Albert der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung„. Er wünsche sich deshalb einen „Systemwechsel, damit die öffentliche Finanzierung sich nicht länger an der Institution fest macht, sondern am Inhalt.“ Das System der öffentlich-rechtlichen Sender sei zwar wichtig für die Meinungsvielfalt in Deutschland und solle auch weiter bestehen, so Albert weiter. Man könne aber fragen: „Warum leisten wir uns eigentlich zwei Anstalten, ARD und ZDF? Braucht es wirklich acht Milliarden Euro, um den öffentlich-rechtlichen Auftrag zu erfüllen?“ ARD und ZDF müssten sich fragen lassen, ob sie ihren Auftrag überhaupt noch erfüllen, da sie nur noch einen Teil der Gesellschaft erreichen, stellt Albert fest: „Nur fünf Prozent der Zuschauer von ARD und ZDF sind unter 30 Jahre alt. In der Zielgruppe von 14 bis 29 Jahren erreichen wir mit ‚Pro7 News‘ deutlich mehr Zuschauer als Tagesschau und Heute zusammen.“

Das ist bereits der zweite Vorstoß mit Anspruch auf den Rundfunkbeitrag in dieser Woche. So fordert auch der mittelständische Fachverband Rundfunk- und Breitbandkommunikation (FRK) eine Beteiligung lokaler und regionaler Sender an diesen Gebühren im ländlichen Raum in Höhe von 250 Millionen Euro: Die Ausdünnung der lokal-regionalen Berichterstattung von Landesrundfunkanstalten verleihe dem privaten Rundfunk eine öffentlich-rechtliche Ersatzfunktion, die auch finanziell honoriert werden müsse. Der Fachverband Rundfunk- und BreitbandKommunikation (FRK) vertritt die auf dem Gebiet der Empfangsantennen und Kabelanlagen tätigen Fachbetriebe sowie Unternehmen, die solche Anlagen unterhalten oder unterhalten lassen.

Bildquelle: geralt, thx! (CC0 Public Domain)

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12 Comments

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    Tatiana

    Kann es nicht auch einfach sein, dass grad die grossen Privaten mit der kostenpflichtigen DVB-T2-Umstellung reichlich auf die Nase geflogen sind und sich nun nur anderweitig ein Stück vom Geldkuchen sichern wollen?
    Ich lebe nun zwar nicht in Deutschland, habe aber von für mich erstaunlich vielen Deutschen gehört, dass sie dabei einfach gar nicht mitziehen würden (69 Ocken pro Jahr und pro Gerät ergeben letztlich ja auch eine ziemliche Stange Geld, vor Allem, wenn die Kinder in ihren Zimmern dann auch alle noch einen eigenen Fernseher stehen haben) und künftig nur noch die ÖR nutzen wollen oder mitunter sogar die Umstellung als Anlass genommen haben, das eigene TV-Konsumverhalten zu überdenken, und daraufhin den Fernseher kurzerhand komplett abgeschafft zu haben.

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    Lingen

    Ich habe einen Youtubekanal. Damit leiste ich einen wertvollen Beitrag zur Informationsgrundversorgung und verlange eine jährliche Förderung von 500 Millionen € jährlich zu zahlen aus den Rundfunkgebühren.

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      Probiere einfach mal Dein Glück, ich sehe aber keine Chance! 500 Mio ist eh viel zu wenig… ;-)

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    slim.tim

    Wenn Pro7 einen relevanten gesellschaftlichen Beitrag darstellt, fange ich an, an die NWO-Verschwörung zu glauben. Volksverdummung im Staatsauftrag, das können sich doch nur Die-Da-Oben ausgedacht haben, damit sie uns besser kontrollieren können. Aluhüte auf!

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    ursuladieschoene

    Gier, Gier, Gier und nochmals Gier…Gier hier, Gier da. Giiier giier wieder Giiiiier, dieser Albert Kl*ppi hat wohl den **** offen. RTL, ProSieben & Co. sind Sender für Abschaum, geistig Behinderte und Bückstücke. Punkt.

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    Michael

    Prinzipiell ist die Forderung gerechtfertigt, denn die Rundfunkgebühr ist eine ganz üble Marktverzerrung. Als Anbieter von privaten Kanälen wäre ich auch angepisst. Aber dennoch: Ich hoffe die kommen damit nicht durch, denn das Angebot der ÖR ist schon zu 90% unterirdisch schlecht.

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      Ichbins

      Es heißt PRIVAT, weil es eben PRIVAT ist und nicht staatlich.

      Wenn die Geld wollen, müssen die natürlich erst einmal beweisen, dass sie einen guten Willen haben – sprich KEINERLEI Werbung mehr in laufenden Sendungen.

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        Michael

        Ich will denen ja auch kein Geld geben ;-) Viel lieber wäre mir, wenn jetzt gerichtlich erkannt wird, dass die privaten Sender durch die Zwangsabgabe benachteiligt werden und sie daher in dieser Form ungültig ist.

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    Kunstsoldat

    Dann müssen aber, wie bei den ÖR auch, die Werbeunterbrechungen innerhalb von Sendungen bzw. Filmen entfallen!

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      Es ist und bleibt eine Marktverzerrung, das stimmt. Und es wurde von den Landtagen im Eiltempo durchgewunken. Ob das Angebot irgendwie auch nur ansatzweise den Bedürfnissen der Zuschauer gerecht wird, spielt dabei keine Rolle. Mal von den ganzen Tochterfirmen abgesehen, die sowohl die öffentlich-rechtlichen als auch die Privatsender unterhalten. Da gibt es eine regelrechte Medienindustrie, die teilweise von Steuergeldern aufgebaut wurde und die für die Chefetagen perfekt funktioniert.

      Ich schaue mir selbst gerne die Nachrichten an, bei denen bei den Privaten wird mir echt schlecht. Ich will nicht wissen, ob die Katze eines Promis gestorben oder ein Sternchen fremdgegangen ist. Aber ist deswegen die Haushaltspauschale als Zwangsabgabe gerechtfertigt? Nein, das auf keinen Fall. Aber wer will schon etwas dagegen machen. Alle bisherigen Versuche, sich juristisch dagegen zu wehren, sind AFAIK gescheitert.

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        slim.tim

        Es gibt keinen Wettbewerb zwischen den Privaten und den ÖR. Die Bereiche, mit denen sich kein Geld verdienen lässt, interessieren die Privaten nicht.
        Oder gibt es bspw. einen Privat-Sender, der wichtige Bundestagsdebatten live überträgt?
        Oder private Bildungssender, die abseits von „UFO – Sie sind unter uns“ und „Die tollsten Waffen der USA-Army“ wirklich versuchen Wissen zu vermitteln?
        Sicher finden viele solche Sendungen stinklangweilig, aber sie sind essentliell für die Rolle der Sender als Teil der 4. Gewalt.
        Sich nur die seichte Unterhaltung rauszupicken, mit der sich Kohle machen lässt, und dann dafür noch Staatsförderung kassieren wollen, geht nicht.


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