Orbit: Politikerhack zog Bewährungsstrafe nach sich

Orbit, der massenhaft sensible Daten von Prominenten und Politikern veröffentlichte, ist zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

0rbit, Orbit, G0d, Twitter, Screenshot

Das Amtsgericht Alsfeld urteilte am Mittwoch, dem 23. September 2020, in einer nicht-öffentlichen Verhandlung zum Fall des Hackers G0d (Orbit). Dieser veröffentlichte u.a. bei Twitter über die Weihnachtsfeiertage des Jahres 2018 persönliche Daten von über 1.500 Prominenten und Politikern. Insgesamt gelangten Daten im Umfang von rund 11 Gigabyte ins Netz. Infolge ist Orbit nun zu einer Jugendstrafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Seine Bewährungszeit beträgt zwei Jahre. Das Urteil sei rechtskräftig.

Adventskalender-Veröffentlichung sorgte für Schlagzeilen

Der Fall hatte Anfang 2019 für bundesweites Aufsehen gesorgt. Orbit publizierte vom 20. bis 28.12. sensible Promi-Daten in Form eines Adventskalenders via Twitter. Google reagierte zeitnahe und entfernte seinen persönlichen Blog mit den gleichen Informationen aus dem Angebot von blogger.com. Auch Pastebin löschte zügig einige von ihm veröffentlichte Seiten. Zur Tatzeit war der Angeklagte noch ein bei seinen Eltern lebender Schüler. Aus diesem Grund fand der Prozess ohne Presse und Zuschauer statt. Zudem verbot das Gericht Ton- und Bildaufnahmen im Gerichtsgebäude. Der nunmehr 22-Jährige aus Homberg (Ohm) räumte die Vorwürfe vollumfänglich vor dem Jugendschöffengericht ein. Zum einen warf man ihm das Ausspähens von Daten und Datenhehlerei, aber auch versuchte Erpressung vor. Das Amtsgericht hat Orbit zudem wegen Daten-Veränderungen, Fälschungen, falscher Verdächtigungen und Verstoßes gegen das Datenschutzgesetz in gleich mehreren Fällen verurteilt.

Passwortdatenbank Weleakinfo ermöglichte Promi-Hack

Als Motivation für die Tat gab er an, sich über öffentliche Äußerungen seiner Opfer empört zu haben. Durch die Daten-Veröffentlichung wollte er die Menschen bloßstellen, über die er sich geärgert hatte. Ein politischer Hintergrund der Tat war nicht festzustellen. So habe Orbit schon im Jahr 2015 damit begonnen, extrem umfangreiches Material über seine Zielpersonen zu sammeln. Gemäß Anklage besorgte er sich dabei Passwörter zu E-Mail-Konten und Online-Profilen. Er kaufte aber auch gestohlene Daten im Netz. Gemäß Angaben von Spiegel Online nutzte Orbit dafür die Dienste der Webseite Weleakinfo.com. Staatsanwältin Julia Bussweiler von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt informierte darüber, dass die Seite eine „wichtige Rolle“ für die Angriffe von „Orbit“ spielte. Gegen einen Abopreis von zwei Euro pro Tag ließen sich darüber zwölf Milliarden Datensätze mit Zugangsdaten für fremde Onlinekonten abrufen.

Sowohl stellte Orbit Adressen, Bankverbindungen, Festnetz- und Handynummern, Dokumente, Privatnachrichten, aber auch Scans von Ausweisen und in Einzelfällen komplette E-Mail-Verläufe von Politikern ins Netz. Vom Hack betroffen waren u.a. konkret Jan Böhmermann, LeFloid, Sido, Til Schweiger. Weiterhin traf es aber auch zahlreiche Politiker auf Bundes- und Landesebene, Journalisten, Rapper, Youtube-Stars und andere Prominente. Die Daten lud Orbit bei Anonfile.com, Bayimg.com, Pastebin, Pastefs.com, MEGA, Forumfiles.com und bei diversen anderen Bilder- und Sharehostern hoch.


Orbit verfügte über keine technischen Kenntnisse

Benjamin Krause, Oberstaatsanwalt von der Frankfurter Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT), äußerte sich zum Fall am Mittwoch in einer Verhandlungspause. Er gab an:

„Es war offensichtlich so, dass der Angeklagte keine besonderen technischen Kenntnisse hatte und angewendet hat. Für uns als ZIT ist das ein sehr wichtiges Verfahren. Aus meiner Sicht hat sich am Ergebnis des Ermittlungsverfahrens keine Änderung ergeben.“

Weiterhin führte Krause aus, das Verfahren sei mittlerweile mit über 70 Ordner umfassenden Akten sehr umfangreich. Man hat allein über 400 Ermittlungsverfahren aus dem ganzen Bundesgebiet zusammengezogen. Von der Rechtssprechung erhoffe man sich, dass sie auch für künftige, ähnliche Fälle Bedeutung habe.

Tarnkappe.info

Ich bin bereits seit Januar 2016 Tarnkappen-Autor. Eingestiegen bin ich zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibe ich bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, greife aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Meine Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.