Fake-Shop Betreiber ergaunerte rund 440.000 Euro

Der Münchner Mark-Thomas E. soll zwischen 2010 und 2015 mit 21 verschiedenen Fake-Shops rund 750 Kunden um 440.000 Euro geprellt haben.

Fake-Shop
Fake-Shop Foto bykst, thx! (CC0 1.0 PD)

Der 35-jährige Mark-Thomas E. aus München betrog rund 750 Kunden um ca. 440.000 Euro. In über 21 Fake-Shops bot er angesagte, hochpreisige Produkte an. So etwa Kaffeemaschinen, Handys, Solarmodule oder Spielekonsolen. Er nahm die Bezahlung auch gerne entgegen, auf die Lieferung jedoch konnten seine Käufer dann lange warten. Bei Prozessbeginn vor dem Landgericht zeigte er sich geständig, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Fake-Shop Betreiber kassierte im großen Stil ab

Allein in seinem Online-Webshop „kaffeetraum.at“ verkaufte Mark-Thomas E. an 219 gutgläubige Konsumenten Kaffeemaschinen. Auch bei diesem Fake-Shop lieferte er keinen einzigen Artikel. In dem Zeitraum zwischen 2010 und 2015 eröffnete der Münchner insgesamt 21 verschiedene Fake-Shops und prellte mit bezahlten, nicht gelieferten Waren rund 750 Kunden um ca. 440.000 Euro. Zudem hat er in ganzseitigen Zeitungsannoncen für die eigenen Fake-Seiten geworben. Er hat dabei obendrein die Zeitungsverlage um ihr Geld betrogen.


Nun muss sich der 35-Jährige vor dem Münchner Landgericht verantworten. Die Auflistung seiner 750 Transaktionen umfassten eine 47 Seiten lange Anklageschrift. Die Verlesung dauerte rund vier Stunden. Der Angeklagte hat die Taten gestanden. Mark-Thomas E. gab an, bereits sein erster Fake-Shop 2010 sei schon so erfolgreich gewesen, dass ein Kunde bei ihm Solarmodule für 63.000 Euro bestellte habe. Doch das sei ihm zu heiß geworden. Er versicherte vor Gericht: „Dann habe ich aber sofort mit Fake-Shops aufgehört“.

Krimineller in Geldnot

Später jedoch, als er auf Mallorca in einem Teufelskreis aus Drogen, Alkohol, schiefgelaufenen Geschäften, Geldproblemen und Angst vor Rocker-Repressalien geraten sei, habe er 2015 in Marbella seine alte Masche wieder aufgegriffen, um an das schnelle Geld zu kommen. Er agierte dabei unter dem Namen des bekannten Sängers Mark Forster: „Auf diesen Namen lief der Mietvertrag für das Haus in Spanien“, räumte der 35-Jährige ein.

Finanzagenten für seine Fake-Shops habe ihm ein Komplize im Darknet besorgt. Das waren Strohmänner, über deren Konten die Zahlungseingänge der Internetbestellungen liefen. Von den über 400.000 verdienten Euro habe er lediglich zwischen 20.000 und 30.000 Euro bekommen, sagte Mark-Thomas E. aus. Den Löwenanteil der Beute habe sein Komplize aus dem Darknet einkassiert. Nicht nur deshalb haben die Gläubiger wahrscheinlich schlechte Karten, ihr Geld jemals zurückzubekommen. Denn der Angeklagte gab weiter an, was er an Geld in die Finger bekam, „versoffen und verkokst“ zu haben.

Bis zu zehn Jahre Freiheitsentzug

Am Ende der Verhandlung offenbart der angeklagte Fake-Shop Betreiber. „Ich bereue das wirklich und entschuldige mich“. Er kämpfte nach Medienangaben sichtlich mit den Tränen. „So will ich mein Leben nicht weiterleben.“ Auf gewerbsmäßigen Betrug steht für jeden einzelnen Betrugsfall ein Strafrahmen von sechs Monaten bis zehn Jahren Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft forderte hier in einem Vorgespräch eine Haftstrafe von mindestens sieben Jahren. Hinzu kommt noch, dass jedes einzelne Opfer des Betrügers eine Zivilklage einreichen und das veruntreute Geld zurückfordern kann. Kommende Woche wird der Prozess fortgesetzt.

Fazit

Auch dieser Fall zeigt deutlich, wie gutgläubig doch viele Kunden sind. Oberstaatsanwalt Matthias Huber von der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg, die den Fall Mark-Thomas E. übernommen hat, empfiehlt Verbrauchern, niemals bei Anbietern, die man nicht kennt, in Vorkasse zu gehen. Auch wenn Produkte deutlich unter Marktpreis angeboten werden, sollten beim Online-Shopping die Alarmglocken läuten. Wie man Fake-Shops noch erkennen kann, hat die Verbraucherzentrale Niedersachsen in einer übersichtlichen Broschüre zusammengestellt.

Tarnkappe.info

Ich bin bereits seit Januar 2016 Tarnkappen-Autor. Eingestiegen bin ich zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibe ich bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, greife aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Meine Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.