Österreich: Einsatz von Gesichtsscannern in Apotheke

Article by · 25. November 2017 ·

Ab sofort starten zwei österreichische Apotheken ein dreimonatiges Pilotptojekt im Auftrag von Pharmakonzern Bayer Austria. Es werden Gesichtsscanner installiert, mit dem Ziel, an Kunden zielgruppengerechte Werbung anzuzeigen, berichtet Futurezone.at.

ORF-Journalist Patrick Gruska machte zuerst per Tweet darauf aufmerksam: In zwei österreichischen Apotheken, darunter in der Linzer Schutzengel-Apotheke, setzt Pharmakonzern Bayer Austria testweise Gesichtsscanner ein. Der Testlauf solle zunächst auf zwei Standorte beschränkt sein und es sind jeweils zwei Scanner und drei Werbedisplays im Einsatz. Laut Bayer wurde die Technologie bereits auf datenschutzrechtliche Unbedenklichkeit geprüft und mit dem ePrivacy-Siegel zertifiziert.

Die Kameras sollen die Gesichter der Kunden scannen und sowohl Geschlecht, als auch Alter einer Person bestimmrn. Je nach Ergebnis wird Werbung für ein bestimmtes Produkt eingespielt. Derzeit werden laut Angaben vom Inhaber der Schutzengel-Apotheke, Jörg Mayrhofer, vier Produkte von Bayer auf diese Weise beworben: Iberogast, Bepanthen, Aspirin Complex sowie Supradyn vital 50Plus. Für jüngere Kundinnen wird Iberogast-Werbung eingespielt, ältere Frauen bekommen Supradyn eingespielt. Bei Männern wäre die Werbung altersunabhängig. Es wird pauschal Aspirin beworben, berichtet m.apotheke-adhoc.

Eine Sprecherin des Pharmaherstellers Bayer, Daniela Winnicki, betont, Bilder würden „nicht gespeichert und keinesfalls weitergegeben werden“. Lediglich das ungefähre Alter und das Geschlecht würden mittels Gesichtsscan erhoben, Erkennungs-Algorithmen liefen lokal und arbeiteten in Echtzeit. Auch eine Verknüpfung mit anderen Daten erfolge selbst dann nicht, wenn der Kunde in der Folge Produkte kauft. Aus den erfassten Daten werde in Sekundenbruchteilen ein sogenannter „Hash-Wert“ generiert, bei dem keinerlei Personenbezug mehr vorliege. „Die Bilder werden sofort nach dieser Verarbeitung gelöscht und es besteht keine Möglichkeit, die Person zu identifizieren“, garantiert die Bayer-Sprecherin.

Für die deutsche Bürgerrechtsorganisation Digitalcourage ist die Gesichtserkennung in Apotheken ein eindeutiges No-Go und gleichbedeutend mit einem ungefragten Eindringen in die Privatsphäre: “Bayer informiert zwar darüber, aber von einer Einwilligung kann nicht die Rede sein”, sagte eine Sprecherin. Wer nicht überwacht werden wolle, müsse woanders einkaufen, das sei eine “Friss-oder-Stirb-Mentalität”, berichtet Spiegel Online.

In Deutschland werden Gesichtsscanner noch eher selten eingesetzt. Versuche wurden bisher bei der Supermarktkette Real und der Deutschen Post gestartet. Digitalcourage hatte auch hier im Sommer mit Verweis auf das Bundesdatenschutzgesetz Anzeige erstattet. Wenig später hatte Real den Test für beendet erklärt. Eine Entscheidung über den Einsatz des Apotheken-Gesichtsscan-System in Deutschland sei noch nicht getroffen, teilt ein Sprecher von Bayer Deutschland mit. Die Erfahrungen in Österreich würden allerdings in die Entscheidung mit einfließen.

Update vom 28.11.2017:

Bayer erklärt diesen Pilotversuch mit Gesichtserkennung zu Werbezwecken in zwei Apotheken Österreichs auf seiner Webseite für beendet. Als Grund geben sie an:

“Wir wollten einen innovativen Weg gehen, haben aber gesehen, dass das Thema kontroversiell wahrgenommen wird. Daher möchten wir aktiv – auch in Abstimmung mit unseren Kunden – das als Pilot geplante Projekt heute beenden.”

Bildquelle: 445693, thx! (CC0 Public Domain)

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7 Comments

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    Mr. A

    Boah sind Sie häßlich! Hier ne Gesichtscreme ^^

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    Hiafla

    Der Spuk ist schon wieder vorbei.
    http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/Apotheke-beendet-Gesichtsscans;art4,2747403

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    Andreas

    Nunja, man kann sich ja auch einen Motorradhelm aufsetzen um nicht erkannt zu werden. Jedoch sollte man dann auch mit anderen Konsequenzen rechnen müssen ;)

    Auch ich würde hier das Geschäft meiden und woanders hin gehen oder im Netz bestellen was ja eh bequemer ist weil die Ware bis an die Haustür geliefert wird.

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      Pharmalobbyist

      Medikamente im Netz bestellen? Na, good luck!

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    1984

    Immer wenn ich so etwas lese, frage ich mich, ob das Management in diesen Geschäften eigentlich Hirn in der Birne hat. Die Konkurrenz aus dem Internet ist gross genug, warum vergraulen sie die verbliebenen Kunden mit unangekündigter Verletzung des Datenschutzes?

    Soweit es mich betrifft: sobald ich weiss, dass sowas läuft, kaufe ich in diesen Läden nicht mehr ein und schreibe der Geschäftsführung auch eine entsprechende email, dass sie grade erfolgreich einen Kunden vergrault haben. Dann eben einen kleinen Umweg in einen anderen Supermarkt oder eine andere Apotheke und mehr Lieferservice (von anderen Anbietern).

    Man kann auch Bayer kurz anschreiben und künftig von anderen Konzernen kaufen (für allgemeine Medikament Generika).

    Solange 1984 und die allumfassende Überwachung noch nicht Realität ist, hat man Wahlmöglichkeiten und sollte sie nutzen. Und seine Meinung direkt äussern.

    In den USA haben die Käuferinnen auch erreicht, dass Bekleidungsketten Ivanka Trump Klamotten aus dem Sortiment genommen haben, als die Kunden mit Boykott begannen. Die Menge an verärgerten Kunden machts.

    Der Konsument ist nicht ganz so wehrlos wie er gemeinhin annimmt.

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      Pharmalobbyist

      Generika sind auch nicht so einfach das selbe wie das Originalmedikament in billiger. Es kann der selbe Wirkstoff, vielleicht sogar in der Dosierung, sein, aber da gibt es noch so Dinge wie etwa die Galenik, also die Art und Weise, wie Tabletten aufgebaut sind und wie sie dann ihre Wirkstoffe abgeben.

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        Anonymous

        Stimmt. Man kann sich aber auch kundig machen –
        im sogenannten Internet-Neuland – und dann, wenn es geht, zu Alternativen greifen. Also bei relativ ‘einfachen Medikamenten’ wie Schmerzmitteln etc.


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