Österreich: Einsatz von Gesichtsscannern in Apotheke

Der Pharmakonzern Bayer Austria hat derzeit in zwei österreichischen Apotheken Gesichtsscanner im Einsatz für zielgruppengerechte Werbung. .

Österreich: Einsatz von Gesichtsscannern in Apotheke
Foto 445693, thx! (CC0 1.0 PD)

Ab sofort starten zwei österreichische Apotheken ein dreimonatiges Pilotptojekt im Auftrag von Pharmakonzern Bayer Austria. Es werden Gesichtsscanner installiert, mit dem Ziel, an Kunden zielgruppengerechte Werbung anzuzeigen, berichtet Futurezone.at.

Apotheken setzen Gesichtsscanner auf

ORF-Journalist Patrick Gruska machte zuerst per Tweet darauf aufmerksam: In zwei österreichischen Apotheken, darunter in der Linzer Schutzengel-Apotheke, setzt Pharmakonzern Bayer Austria testweise Gesichtsscanner ein. Der Testlauf solle zunächst auf zwei Standorte beschränkt sein und es sind jeweils zwei Scanner und drei Werbedisplays im Einsatz. Laut Bayer hat man die Technologie bereits auf datenschutzrechtliche Unbedenklichkeit geprüft. Die Prüfung ergab das ePrivacy-Siegel.


Werbeauslieferung abhängig von den biometrischen Daten der Gesichter

Die Kameras mit den Gesichtsscannern sollen sowohl Geschlecht, als auch Alter einer Person bestimmen. Je nach Ergebnis wird Werbung für ein bestimmtes Produkt eingespielt. Derzeit bewirbt man laut Angaben vom Inhaber der Schutzengel-Apotheke, Jörg Mayrhofer, vier Produkte von Bayer auf diese Weise. Nämlich Iberogast, Bepanthen, Aspirin Complex sowie Supradyn vital 50Plus. Für jüngere Kundinnen wird Iberogast-Werbung eingespielt, ältere Frauen bekommen Supradyn eingespielt. Bei Männern wäre die Werbung altersunabhängig. Es wird pauschal Aspirin beworben, berichtet m.apotheke-adhoc.

Eine Sprecherin des Pharmaherstellers Bayer, Daniela Winnicki, betont, Bilder der Gesichtsscanner würden „nicht gespeichert und keinesfalls weitergegeben werden“. Lediglich das ungefähre Alter und das Geschlecht würden mittels Gesichtsscan erhoben, Erkennungs-Algorithmen liefen lokal und arbeiteten in Echtzeit. Auch eine Verknüpfung mit anderen Daten erfolge selbst dann nicht, wenn der Kunde in der Folge Produkte kauft. Aus den erfassten Daten generiert man in Sekundenbruchteilen den sogenannten „Hash-Wert“. Dabei liegt angeblich keinerlei Personenbezug mehr vor. „Die Bilder werden sofort nach dieser Verarbeitung gelöscht und es besteht keine Möglichkeit, die Person zu identifizieren“, garantiert die Bayer-Sprecherin.

Ungefragtes Eindringen die Privatsphäre der Konsumenten

Für die deutsche Bürgerrechtsorganisation Digitalcourage sind die Gesichtsscanner in Apotheken ein eindeutiges No-Go. Es sei gleichbedeutend mit einem ungefragten Eindringen in die Privatsphäre. „Bayer informiert zwar darüber, aber von einer Einwilligung kann nicht die Rede sein“, sagte eine Sprecherin. Wer die Überwachung ablehnt, müsse halt woanders einkaufen. Das sei eine „Friss-oder-Stirb-Mentalität“, berichtet Spiegel Online.

In Deutschland werden Gesichtsscanner noch eher selten eingesetzt. Versuche wurden bisher bei der Supermarktkette Real und der Deutschen Post gestartet. Digitalcourage hatte auch hier im Sommer mit Verweis auf das Bundesdatenschutzgesetz Anzeige erstattet. Wenig später hatte Real den Test für beendet erklärt. Eine Entscheidung über den Einsatz des Apotheken-Gesichtsscan-System in Deutschland sei noch nicht getroffen, teilt ein Sprecher von Bayer Deutschland mit. Die Erfahrungen in Österreich würden allerdings in die Entscheidung mit einfließen.

Update vom 28.11.2017:

Bayer erklärt diesen Pilotversuch mit den Gesichtsscannern zu Werbezwecken in zwei Apotheken Österreichs auf seiner Webseite für beendet. Als Grund geben sie an:

„Wir wollten einen innovativen Weg gehen, haben aber gesehen, dass das Thema kontrovers wahrgenommen wird. Daher möchten wir aktiv – auch in Abstimmung mit unseren Kunden – das als Pilot geplante Projekt heute beenden.“

Tarnkappe.info

Über den Autor

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.