„Mannheimer Weg 2.0“: Intelligente Kameras im Einsatz gegen Kriminalität

Article by · 17. Februar 2018 ·

Das Konzept „Mannheimer Weg 2.0“ ist das Produkt einer Zusammenarbeit zwischen dem Erste Bürgermeister und Sicherheitsdezernent Mannheims, Christian Specht und dem Polizeipräsident Thomas Köber. Ziel des Projektes ist es, dass ein Computerprogramm künftig über 71 Kameras selbstständig Straßenkriminalität erkennen und Polizisten alarmieren soll. Nach langer Planung steht der Start des Pilotprojekts bevor: Mannheim wäre die erste Kommune Deutschlands mit einem solchen Programm.

So soll erstmalig ein „intelligentes Kamerasystem“ zur Anwendung kommen. Es werden dazu 71 Kameras an 28 Standorten aufgestellt. Die dort aufgefangenen Bilder werden verschlüsselt durch ein Glasfaserkabel zum Lagezentrum der Polizei geschickt. Ein vom Fraunhofer-Institut in Karlsruhe entwickeltes Computerprogramm wertet diese empfangenen Bilder elektronisch mittels Algorithmus aus. Alarm wird ausgelöst in Form einer blinkender Lampe bei untypischen Bewegungsmustern, wie Schlagen, Rennen, Treten, Fallen oder einer plötzlichen Rudelbildung. Dann schaut sich ein Polizist die Szene am Bildschirm an. Auf diese Weise soll ein Computerprogramm in Mannheim für weniger Straßenkriminalität sorgen, denn im Bedarfsfall wird dann eine Streife in gut zwei Minuten vor Ort sein.

Christian Specht ist überzeugt: „Im Zeitalter der Digitalisierung müssen auch Optionen zur Verbesserung der Sicherheit im öffentlichen Raum mitgedacht werden. […] Wir haben die Öffentlichkeit von Anfang an informiert und werden absolut transparent arbeiten.“ Die Aufnahmen würden ohne Ton erfolgen und sollen nach 72 Stunden gelöscht werden. Zudem würden Schilder auf die Überwachung hinweisen und Kriminelle im besten Fall schon präventiv abschrecken. Die veranschlagten Kosten belaufen sich auf 1,1 Millionen Euro. Specht hält das für gut investiertes Geld, denn auch „andere Kommunen schauen mit Spannung auf dieses Pilotprojekt“, meint er. Für Gegner des Systems würde das jedoch nach Überwachungsstaat und „Big Brother“ aussehen, sie befürchten, dass der Staat unbescholtene Bürger bespitzeln und Bewegungsprofile erstellen könnte. Für Specht jedoch steht fest, dass sich nur Kriminelle fürchten müssen: „Es geht um das Erkennen atypischer Bewegungsmuster. Gesichtserkennung oder Tonaufnahmen finden definitiv nicht statt.“

Polizeipräsident Thomas Köber ist ebenso überzeugt von dem Projekt. Bereits von 2001 bis 2007 hatte die Kommune einige Plätze mittels analoger Technik mit Erfolg überwacht. Kober sieht das auch als Grund an, weshalb das Pilotprojekt gerade in Mannheim an nachgewiesenen Kriminalitätsbrennpunkten, wie Paradeplatz, dem Marktplatz, der Breiten Straße und dem Alten Messplatz, startet: „Wir haben Routine und reden nicht wie der Blinde von der Farbe“. Wobei er kritisch anmerkt: „Videoüberwachung ist ein Werkzeug von vielen, die Kamera allein rettet es nicht.“, wobei dem System gerade beigebracht wird, „bei schädlichem Verhalten Alarm zu schlagen. Vieles klingt kompliziert, aber die Message ist eigentlich ganz einfach: Einer schaut hin, und im Bedarfsfall tut der auch was.“ Sein Ziel wäre es zudem, Polizeipräsenz vor Ort zu zeigen: „Ich will die Beamten auf der Straße – nicht vor dem Bildschirm.“

Bei den Mannheimer Grünen stießen bereits die Pläne zum Projekt auf heftige Kritik. Die sicherheitspolitische Sprecherin Nuran Tayanc sagte, mit Investitionen in dieser Höhe könne man viele Polizeibeamte und Sozialarbeiter auf der Straße aktiv werden lassen. Damit würde nachhaltig und langfristig Sicherheit geschaffen. Denn, so Tayanc weiter, der beste Schutz gegen Kriminalität sei Prävention im Sozial- und Bildungsbereich sowie eine gute Integrationsarbeit. Kameras verdrängten die Kriminalität „außer Sichtweite“. Selbst in Städten mit hohem Kameraaufwand habe Terror und Kriminalität stattgefunden, und nicht immer seien dadurch Kriminelle und Terroristen ausfindig gemacht worden, so Tayanc. Es könne auch nicht um Bilder von Kriminellen gehen, es müsse um Prävention, um Verhinderung von Kriminalität gehen.

Bildquelle: Photo-Mix, thx! (CC0 Public Domain)

6 Comments

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    Edekanindianer


    Junge bekomme mal deine Aggressionen in Griff und arbeite an deiner Wortwahl. Polizisten sind Beamte ! Und tun nur ihren Dienst ! Genauso wie Soldaten sind sie nur Befehlsempfänger !
    Wenn du zusammen getreten oder geschlagen wirst, schreist du auch danach, das man den / die Täter findet. Dann bist du froh wenn es eine Kamera gibt. Ich bin auch gegen Verfolgung. Aber, in Zeiten wo es immer mehr Kriminalität, Attentate usw. gibt. Bleibt doch keine andere Wahl um diese Brut zu fangen.

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      Anderer Anonymous


      Der Ausbau der Überwachung dient ganz anderen Zwecken. Europa ist so sicher wie nie. Es ist wahrscheinlicher in der eigenen Badewanne tötlich zu verunglücken als einer „Brut“ auf unseren Straßen zum Opfer zu fallen. Installieren sie sich lieber eine Kamera im Bad, damit ihnen schnell geholfen werden kann.

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        Edekanindiander


        „Europa ist so sicher wie nie. „

        Ja, das erzählen uns, unseren so geliebten Politiker auch ständig.
        Erzählen sie das doch einmal den ganzen Frauen und Kindern, die Sexuelle Übergriffe und / oder Vergewaltigungen über sich ergehen lassen mussten..
        Die Männer und Frauen die U-Bahntreppen hinuntergestoßen wurden, an Bahnsteigen vor Zügen gestoßen wurden, Diese Menschen, die man einfach mal aus der Laune heraus zusammen geschlagen hat.. usw. usw. usw.
        Vielleicht sollten sie einfach mal die Augen öffnen, Europa / Deutschland / die Welt ist nicht mehr so Friedlich wie sie es uns weis machen wollen.

        Nein, ich habe keinen Verfolgungswahn !!!! Ich bin nur Realist genug, um das Kind bei Namen zu nennen und nicht alles zu verschweigen.

        Ich finde Gewalt, jeglicher Art verabscheuungswürdig, wer Gewalt gegenüber Anderen / Schwächeren ausübt ist für mich „Brut „ .Basta

        „Installieren sie sich lieber eine Kamera im Bad, damit ihnen schnell geholfen werden kann“

        Finde ich eine Frechheit sonder Gleichen.

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          Anonymous


          So ein Unfug, diese dümmlichen Taten wurden doch vor laufenden Kameras begangen, was also haben sie genützt? Präfentiv gar nichts! Dafür richten sie sehr viel Schaden an den Verhaltensweisen der Gesellschaft an. Viellecht mal weniger Fernsehen gucken und sich nicht von den Medien blöd labern lassen. Nichts für ungut. ;)

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          Anonymous


          Doch, wahrscheinlich leiden Sie unter „Verfolgungswahn“… :-) … und sympatisieren wahrscheinlich mit der netten Partei mit dem großen „A“ … statistsch gesehen (und die Statistik beschreibt nun einmal die ‚Realität‘) geht die Anzahl der Körperverletzungsdelikte seit Jahren zurück (trotz einer erheblich gestiegenen Bereitsschaft innhalb der Bevölkerung solche Delikte anzuzeigen).

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    Anonymous


    Wenn Bullen was im Kopf hätten, wären es keine Bullen. Das diese Versager Derartiges immer schön reden ist klar. Vielleicht solle man denen, sowie dem ach so gebildetem Herrn Specht, mal 2 Minuten lang immer wieder in die Fresse schlagen, dann wüssten sie, wie lang 2 Minuten sind und was man in der Zeit alles machen kann.


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