Live Eye Surveillance: Überwachungskamera mit virtueller Aufsichtsperson

Das in den USA ansässige CCTV-Unternehmen Live Eye Surveillance bezahlt Remote-Arbeiter in Indien dafür, Geschäfte in den USA zu überwachen.

Bildquelle: denisismagilov

Das CCTV-Unternehmen Live Eye Surveillance mit Sitz in Washington plant, weitere Mitarbeiter einzustellen. Diese sollen Geschäfte in den USA von Karnal, Indien, aus überwachen. Das Neue an der Idee ist, dass die entfernt agierenden Operatoren dann auch live eingreifen, sobald sie verdächtige Aktivitäten entdecken. Das Kamerasystem von Live Eye Surveillance wurde entwickelt, um einerseits Diebstahl zu verhindern und andererseits durch Personalüberwachung die Produktivität zu verbessern, berichtet Motherboard.

Eine diesbezügliche, von VICE eingesehene Verkaufs-E-Mail, lässt durchblicken, dass eine Person in Karnal, Indien, rund um die Uhr den Video-Feed des zu überwachenden Unternehmens ansehen wird. Die Monitore „fungieren als virtuelle Vorgesetzte für die Standorte, um die Sicherheit der im Ausland ansässigen Mitarbeiter zu gewährleisten. Auch werden sie dazu aufgefordert, zugewiesene Aufgaben zu erledigen“, heißt es in einer Stellenausschreibung auf der Website des Unternehmens. Für eine solche Stelle bezahlt das Unternehmen bis zu 399 Dollar pro Monat (ca. 30.000 Rupien).

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Live Eye Surveillance, ein in Seattle ansässiges Sicherheitstechnologieunternehmen, stellt die Kameras laut ihrer Website für Lebensmittelgeschäfte, Hotels, Restaurants und Tankstellen her. Das Unternehmen stattete bereits große Ladenketten mit dieser Technologie aus, inklusive dieser speziellen Innovation. Das betrifft beispielsweise Shell, 7-Eleven, Dairy Queen, Food-Mart, und Holiday Inn. So bietet die Firma eine ständige Überwachung des Arbeitsplatzes in Form eines echten, lebenden Menschen. Den bezahlt sie dafür, den geschäftlichen CCTV-Feed anzuschauen sowie aktiv in das Geschehen einzugreifen und das zu jeder Tageszeit. Live Eye wirbt auf seiner Website damit, dass seine Mission darin besteht, „das Risiko des Geschäftsbetriebs zu reduzieren, wobei man die Mitarbeiter und das Firmenvermögen schützt.

Überwachungskameras observieren auch das Personal

Businessinsider berichtet von einem, von Live Eye Surveillance veröffentlichtem CCTV-Werbe-Video, in dem die „Überwacher“ durch die Kameras sprechen, um eine Mitarbeiterin des Ladens zu befragen. Dieser verlangte demnach von einer Supermarkt-Angestellten eine Bestätigung dafür, dass sie für einen Eiskaffee bezahlt habe, den sie gerade trinke.

„Guten Morgen Kassiererin, das ist Live Eye Surveillance Stream. Könnten Sie mir bitte bestätigen, dass Sie die Flasche gescannt haben, die Sie aus der Kühlbox genommen haben?“

In einem anderen Werbe-Video greift die virtuelle Aufsichtsperson bei einem bewaffneten Raubüberfall ein. Motherboard berichtet von zwei schwarz gekleideten Räubern, von denen einer ein Sturmgewehr trägt. Diese dringen in einen Laden ein und bedrohen den Verkäufer. Gerade als der Angestellte beginnt, die Kasse zu öffnen, meldet sich das Live-Eye-System. Eine Stimme informiert die Räuber, dass die Polizei gerufen wurde. Infolge verlassen diese schnell den Laden.

Ein weiteres Beispiel zeigt einen Kunden in einem Geschäft, der dort den Kühlschrank öffnete und begann, etwas zu trinken. Danach ging er zur Kasse, um alles zu bezahlen, was in seinem Einkaufswagen war. Während der Kunde wartete, fragte eine Stimme aus dem Lautsprecher die Kassiererin, ob sie das Getränk in der Hand des Kunden gescannt und berechnet habe.

Ferner zeigt ein anderes Video, wie sich eine Kassiererin hinter dem Tresen mit jemandem unterhält. Die Person ist scheinbar nicht im Bild. Sofort ertönt ein Klingelgeräusch und die Stimme fragt die Kassiererin, mit wem sie spricht. Offenbar war die Person jemand, den die Kassiererin kannte und der sie nach Hause fahren wollte. Als die Mitarbeiterin dies mit der virtuellen Aufsichtsperson klärte, bat diese die Person, sich auf die andere Seite des Schalters zu stellen.

Live Eye Surveillance-Überwachung erntet Kritik

Eva Blum-Dumontet, leitende Forscherin bei Privacy International, betonte in einem Gespräch mit Motherboard, dass Unternehmen die Angst vor Raubüberfällen als Ausrede benutzen, um Mitarbeiter zu überwachen. Tatsächlich erlaube die Überwachung den Arbeitgebern, sicherzustellen, dass die Angestellten ihre Erwartungen an die Produktivität erfüllen, während es toxische Auswirkungen auf die psychische Gesundheit hat.

Ein ehemaliger Außendienstmitarbeiter von 7-Eleven meldete sich in dieser Sache zu Wort. Er war für die Überwachung mehrerer Filialen verantwortlich und zeigte sich besorgt darüber, dass ein solches Eingreifen in Fällen von Ladendiebstahl oder Raub tatsächlich Schaden anrichten könne. Schließlich gäbe es einen Grund, warum der stille Alarm bei Banken und anderen Unternehmen stumm wäre.

Tarnkappe.info

 

Antonia Frank

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.