LGBT: ägyptische Polizei missbraucht Dating Apps zur Verfolgung

Auf der Suche nach Mitbürgern, die sich sexuell auffällig verhalten könnten (LGBT), setzt die Polizei von Ägypten gezielt Dating-Apps ein.

Auf der Suche nach Mitbürgern, die sich sexuell auffällig verhalten könnten, setzt die Polizei von Ägypten gezielt Dating-Apps ein. Der aktuelle Bericht von Human Rights Watch zeigt eindrucksvoll die unmenschlichen Methoden, die man in Ägypten gegen Personen einsetzt, die schwul, lesbisch, bi- oder transsexuell (LGBT) sind. Man lockt sie mittels der Dating Apps in eine Falle, um sie zu verhaften.

Menschen der LGBT-Gemeinschaft leben in Ägypten sehr gefährlich

human rights watch

Die Behörden in Ägypten verfolgen alle Menschen, die zur LGBT-Gemeinschaft gehören. Gemeint sind Personen, die im englischen Sprachgebrauch Lesbian, Gay, Bisexual oder Transgender sind. Die Polizisten benutzen dafür z.B. die App der mobilen Dating Plattform Grindr. Mit selbst erstellten aber gefälschten Profilen lädt man Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle zu einem Treffen ein.

Die Personen verhaftet man dann auf der Straße ohne jegliche Begründung. Laut Human Rights Watch (HRW) durchsucht die Polizei dann unrechtmäßig den Inhalt ihrer Smartphones, um ihre Inhaftierung nachträglich zu rechtfertigen und Anklage gegen sie zu erheben.

HRW berichtet von Misshandlungen im Gefängnis und davon, dass man die Festgenommenen zu Geständnissen zwingt. Sie sollen zugeben, dass sie „Ausschweifungen praktizieren“ oder „unnatürliche sexuelle Wünsche“ hegen würden. Beschimpfungen waren dabei noch die harmlosesten Ausschweifungen, denen sich die Ermittler hingegeben haben. Es kam nach Auskunft diverser Befragter neben regulärer Körperverletzung auch zu erzwungenen Anal- oder Vaginal-Untersuchungen und sexuellem Missbrauch durch das Gefängnispersonal.

Foto vom Live-Konzert schon für Verhaftung ausreichend

Manche Verdächtige hat man bereits festgenommen, weil Fotos sie in sozialen Netzwerken mit einer Fahne in Regenbogenfarben auf Live-Konzerten dargestellt haben. Sprecher der LGBT-Bewegung, die öffentlich in Erscheinung treten, müssen in Ägypten sowieso mit einer anlasslosen Verhaftungen rechnen, die jederzeit passieren kann. Sie werden in Ägypten systematisch verfolgt. Homosexualität ist dort nicht explizit verboten. Den Personen sagt man aber nach, sie hätten strafbare sexuelle „Ausschweifungen“ praktiziert.


Im englischsprachigen Bericht von Human Rights Watch kommen unzählige Betroffene der LGBT Gemeinschaft zu Wort. Sie erzählen auch, dass man die Häftlinge gegeneinander aufgestachelt und dazu gezwungen hat, sich im Gefängnis gegenseitig zu misshandeln. Die psychischen Folgen dieser Folter sind kaum absehbar. Eine Betroffene hat sich in der Folge der Misshandlungen Monate später das Leben genommen.


Video: Die falsche Flagge heben reicht für Verhaftung!

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.