„Keine Kleinigkeit“: App ermöglicht Meldungen zu sexueller Belästigung

Article by · 23. Oktober 2017 ·

Mit der App „Keine Kleinigkeit“ sowie auf ihrer neu gegründeten Plattform keinekleinigkeit.de haben Studierende der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin einen Raum geschaffen, auf dem sexuelle Übergriffe anonym gemeldet werden können. Nutzer können auf den Button „Ich wurde belästigt“ klicken, die App zählt dann die Meldungen und veröffentlicht die Zahlen. Das Projekt wird unterstützt vom Verein Mensch, Mensch, Mensch e.V..

Laut einer groß angelegten Studie der Europäischen Agentur für Grundrechte von 2014, für die mehr als 42.000 Frauen in der EU befragt wurden, erfährt jede zehnte Frau in Europa sexuelle Gewalt. Demnach hat jede zehnte Frau seit ihrem 15. Lebensjahr sexuelle Gewalt erlebt, sexuell belästigt wurden sogar 55 Prozent. Deutschland liegt mit 12 Prozent etwa im Durchschnitt.

Die Initiatoren der Initiative heben die Aktualität des Themas hervor, denn: „Sexuelle Belästigung passiert überall und zu jeder Zeit. Sie kann verletzen, verunsichern, einschüchtern, aus der Fassung bringen, beängstigen […] Nur wenige Fälle werden zur Anzeige gebracht und dadurch dokumentiert. Die Dunkelziffer ist sehr viel höher. […] Unsere Gesellschaftbeurteilt sexuelle Belästigung oftmals als eine Kleinigkeit, die es zu überspielen gilt. […] Sexuelle Belästigungen geschehen häufig in diffusen und dynamischen Situationen, in denen die betroffenen Menschen ohne Begleitung sind. Daher bleibt in den meisten Fällen wenig Handlungsspielraum.“ Somit wurde die App „Keine Kleinigkeit“ entwickelt, die es nun völlig anonym ermöglicht, jede Form sexueller Belästigung im Alltag mit nur einem Klick sichtbar zu machen, wobei Belästigung dadurch definiert wird, wodurch man sich belästigt fühlt und das ist keine Kleinigkeit.

Neben der Anzahl der Vorfälle werden auch die konkreten Taten aufgeführt und allein durch die Beteiligung vieler Menschen würde auf diese Weise eine Zahl entstehen, die die große Dunkelziffer von sexuellen Belästigungen im Alltag abbildet. So ist es zumindest beabsichtigt, doch ist es nicht auszuschließen, dass Vorfälle mehrmals gemeldet werden oder Trolle die App mit unsinnigen Angaben fluten. Real gibt die App noch die Möglichkeit, die Art der Übergriffe genauer zu beschreiben, verschiedene Kategorien, wie Belästigung mit Worten, durch Exhibitionismus oder auch körperliche Belästigungen werden dort u.a. aufgeführt. Zudem kann man sich per Notfalltelefon beraten lassen, denn neben dem Meldebutton finden sich auf der Seite eine Reihe von Telefonnummern und weiterführenden Links für Menschen, die einen Übergriff erleben mussten. Weiterhin sind die Polizeidienststellen aller deutschen Bundesländer verlinkt, über die ein Vorfall online angezeigt werden kann.

Seitdem immer mehr Frauen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein der sexuellen Belästigung oder gar Vergewaltigung beschuldigen, wird der Hashtag #metoo immer populärer und diese Tatsache verschafft dem Projekt noch zusätzliche Aufmerksamkeit. Allein eine Woche nach dem Start der App wurden bereits über 16.000 Vorfälle gemeldet. Allerdings sind die Reaktionen keinesfalls durchweg positiv: Auf der Twitter-Seite der App kann man unter dem Hashtag #keinekleinigkeit sowohl sexistische als auch frauenfeindliche Postings lesen. So schreibt ein männlicher User: „Ich sehe nur jammernde Frauen, die unter #keinekleinigkeit demonstrieren, wie weltfremd sie sind“. Ferner hackten Unbekannte die Seite und manipulierten die Zahlen der Übergriffe, die sich von alleine ständig nach oben und unten änderten. Für Mareike Geiling, Mitentwicklerin der App und Dozentin im Studiengang Kommunikationsdesign der HTW Berlin und für ihr Team, kam der Angriff völlig unerwartet. Sie sehen das Projekt lediglich als eine Bestandsaufnahme, nicht als politischen Aufruf. Geiling sagte gegenüber dem Online-Portal „Jetzt“: „Mit sowas hat niemand gerechnet, obwohl ein paar Politikerinnen wie Renate Künast das Projekt geteilt haben. Diese Hater fühlen sich vom Feminismus bedroht, dabei ist das Projekt einfach eine Bestandsaufnahme. Sexuelle Übergriffe passieren außerdem allen Geschlechtern und unsere Seite richtet sich nicht speziell an Frauen.“ Auf die Kritik eines Proffessors, der bei der Präsentation der Web-App den Einwand brachte: „Es besteht die Gefahr, dass Leute bei der großen Anzahl an Meldungen durch die App denken, dass sexuelle Belästigung Normalität ist.“, konterte eine anwesende Studentin: „Wir tun das, weil sexuelle Belästigung für uns Normalität IST.“

Erklärtes Ziel dieser Aktion ist es, den Betroffenen Mut zu machen, bei derartigen Übergriffen nicht weiter zu schweigen, sondern dagegen anzugehen.

Bildquelle: geralt, thx! (CC0 Public Domain)

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6 Comments

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    Jacko

    (…) Männer fangt an zu denken, aber bitte mit dem Gehirn.

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    So. Und wieder einen völlig niveaulosen Kommentar gelöscht.

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    R60

    Ich habe auch das Gefühl das dieses Thema „sexuelle Belästigung“ mittlerweile ein Trend ist. Viele Frauen würden sich so etwas vielleicht wünschen um selbst begehrenswerter zu wirken. Ich arbeite in einer reinen Männerdomäne und konnte hier bei keiner Frau, in Gesprächen, Probleme mit sexueller Belästigung feststellen.
    Mich würden dazu mehr Studien interessieren wann, wo und in welcher Form so etwas auftreten soll. Die einzigen von denen man zu dem Thema ja regelmäßig etwas hört ist die Bundeswehr…

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      Mausi

      Bist du bescheuert? Frauen wollen sexuell belästigt fühlen um sich begehrenswerter zu fühlen? Wundert mich nicht, dass dir Frauen sowas nicht erzählen, wenn du mit so einem Frauenbild hofierst.

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    lel

    Von der „Hochschule“ Berlin kommt diese App also, warum wundert mich das mal so gar nicht?

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    Sigismund_Alzheimer

    Ja, tolle App, genau das Richtige, für alle die unbedingt ein bisschen Aufmerksamkeit benötigen, Ich hab noch altes Smartphone, das
    gebe ich meinen Teppich-Tiger zum Spielen . . . .

    Wieviele von den gemeldeten Belästigungen basieren auf unerklärbaren Ängsten, sind eventuell Wunschdenken oder schlicht und ergreifend Blödsinn . . . ? ?

    Ich lasse meine Katze damit spielen, die denkt sich wenigstens nichts dabei !


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