Italien mit täglich bis zu 20 Netzsperren

Die italienische Aufsichtsbehörde AGCOM gibt pro Tag aufgrund von Urheberrechtsverletzungen bis zu 20 neue Netzsperren bekannt. Domain-Sperren werden aber nicht nur von der AGCOM beauftragt, sondern auch von der italienischen Zollagentur, der Polizei und von Justiz- und Verwaltungsbehörden.

Ein Blick auf die Webseite der AGCOM reicht aus, um einen ersten Einblick von der Sperr-Mentalität unserer Nachbarn zu bekommen. Die Autorità per le garanzie nelle comunicazioni (kurz AGCOM), ist die italienische Aufsichtsbehörde für das Kommunikationswesen.


Neben dem Jugend- und Verbraucherschutz kümmert man sich dort auch um die Wahrung der Urheberrechte im Netz. Am 29. März gab die AGCOM alleine 21 einzelne DNS-Sperren bekannt. Die meisten der betroffenen Seiten sind illegale Streaming-Portale oder MP3-Downloadseiten.

censura Zensur Netzsperren

Überwachungsportal für Netzsperren inaktiv

Leider wird die Beobachtungsstelle für Internet-Zensur in Italien (censura.bofh.it) nicht mehr aktiv betrieben. Die Liste wurde von einem Mitarbeiter eines ISP schon seit mehreren Jahren nicht mehr aktualisiert. Ende 2014 zählte man dort insgesamt 6.419 gesperrte Webseiten, mittlerweile wird die Zahl deutlich höher sein. Bei den Domain-Sperren geht es nicht nur um Urheberrechtsverletzungen. So werden beispielsweise von der Zollagentur Seiten für Online-Glücksspiel und Produktfälschungen gesperrt. In anderen Fällen geht es um die Bekämpfung von Cyberkriminalität oder Missbrauch.

Getroffen hat es aber vor einigen Jahren auch den russischen E-Mail-Anbieter Mail.ru oder den lokalen Ableger von Indymedia. Da fragt man sich schon, womit man das begründet hat.

Kein Aprilscherz

Auch wenn heute der erste April ist, dies ist kein Aprilscherz. Es ist ein Blick in unsere eigene Zukunft. So alltäglich die DNS-Sperren bei unseren Nachbarn in Südeuropa sind, so normal dürften sie in einigen Monaten bei uns in Deutschland sein. Die Sperren von Kinox.to, LibGen, Boerse.to, BS.to, S.to etc. sind folglich nicht das Ende, sie stellen erst den Anfang dar.

Tarnkappe.info

Screenshot von alta-definizione.club: Betreiber fragen nach den Kontaktdaten der Besucher, um Sperren besser zu umgehen.

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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