Gefasst: mutmaßlicher Darknet-Waffenverkäufer des Amokläufers von München

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Am 16.08.2016 wurde ein 31-jähriger deutscher Staatsangehöriger in Marburg (Hessen) aufgrund eines Scheingeschäftes festgenommen, der dringend verdächtig ist, mit Schusswaffen und Munition illegal Handel getrieben und unter anderem die am 22.07.2016 anlässlich des Amoklaufs in München verwendete Tatwaffe und Munition geliefert zu haben, teilte die Generalstaatsanwaltschaft und das Zollfahndungsamt Frankfurt am Main mit.

Der 18-jährige Amokläufer David Ali S. hatte mit einer umgebauten Theaterwaffe am 22. Juli in einem Schnellrestaurant und dem Olympia-Einkaufszentrum im Norden von München neun Menschen und sich selbst getötet. 36 Menschen verletzten sich unter anderem auch während der Flucht. Bei der Tatwaffe, einer Neun-Millimeter-Pistole vom Typ Glock 17 handelt es sich um eine ursprünglich schussunfähig gemachte Theaterwaffe. Diese sei 2014 entsprechend modifiziert worden, später allerdings wurde sie wieder einsatzfähig gemacht.


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Auf die Spur des Beschuldigten ist die bei der Generalstaatsanwaltschaft ansässige Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität gekommen, als sie gemeinsam mit dem Frankfurter Zollfahndungsamt in einem anderen Fall von Waffenhandel ermittelten. Ausgangspunkt für die Festnahme waren Ermittlungen gegen einen 62-jährigen Buchhalter aus Nordrhein-Westfalen und einen 17-jährigen Schüler aus Hessen. Diese beiden hatten die Strafverfolger auf die Spur des Beschuldigten gebracht. Beide sollen Schusswaffen und Munition bei dem Mann gekauft und die Geschäfte über das Darknet angebahnt haben. Die Kommunikation zur Vorbereitung der Geschäfte erfolgte unter Nutzung des Verschlüsselungsprotokolls „Bitmessage“, das einen anonymen Austausch von E-Mail-ähnlichen Nachrichten in einem Peer-to-Peer-Netzwerk ermöglicht.

Die Ermittler stellten dem jetzt gefassten mutmaßlichen Waffenhändler nach eigenen Angaben eine Falle. Sie hatten ein Scheingeschäft mit dem Beschuldigten vorbereitet, um ihn im Zusammenhang mit dem ursprünglichen Ermittlungsverfahren zu überführen. Im Zuge dessen sollte die Lieferung einer Maschinenpistole samt Magazinen und Munition sowie einer Pistole Modell Glock 17 mit Magazinen und Patronen zum Gesamtpreis von 8000 Euro erfolgen. Bei dem fingierten Waffengeschäft nutzten die Fahnder offenbar die Identität des Buchhalters. Der Waffenhändler glaubte demnach, mit einem ihm bekannten Kunden zu verhandeln, obwohl er in Wahrheit mit verdeckten Ermittlern kommunizierte. Dabei hatte sich der Einunddreißigjährige selbst belastet. Noch während das Geschäft abgewickelt wurde, habe der Beschuldigte damit geprahlt, er habe eine solche Pistole Glock 17 auch an den Münchner Amokläufer Ali David S. verkauft. Die Schusswaffe habe er bei einem Treffen in Marburg am 20. Mai David S. übergeben. Bei einem weiteren Treffen am 18. Juli habe er ihm zudem 350 Patronen verkauft. Die Angaben des mutmaßlichen Waffenhändlers seien überprüft worden, so der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. Sie würden durch die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft München I und dem Bayerischen Landeskriminalamt unterstützt.

Als der Marburger die zum Schein erworbenen Waffen nun am Dienstag übergeben wollte, wurde er von Spezialeinsatzkräften des Zolls festgenommen und sollte noch am Mittwoch (17.08.2016) dem Haftrichter in Marburg vorgeführt werden. Die zum Verkauf bestimmte Maschinenpistole und die Glock 17 sowie Munition zum Preis von insgesamt 8000 Euro wurden sichergestellt. Zudem führte der Einunddreißigjährige zu seiner Eigensicherung eine durchgeladene Pistole in einem Schulterholster mit sich. Der arbeitslose Verkäufer habe nach ersten Erkenntnissen seinen Lebensunterhalt mit den illegalen Waffengeschäften finanziert, teilten die Ermittler mit. Zu einem möglichen Strafmaß wollte sich die Staatsanwaltschaft mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern.

Außerdem konnte eine Komplizin, die gleichaltrige Lebensgefährtin des Mannes, ebenfalls dingfest gemacht. Die Lebensgefährtin des Festgenommenen ist inzwischen allerdings wieder auf freiem Fuß. Es habe keine konkreten Anhaltspunkte gegeben, dass sie unmittelbar in das Waffengeschäft eingebunden war.

Fazit:

Die Ermittler aus München erklärten, sie hätten bislang mehr als 3100 Hinweise und Spuren erfasst, eine Vielzahl davon sei noch in Bearbeitung. Rund 250 Zeugen seien vernommen worden.

Klar ist den Ermittlern zufolge, dass der 18-Jährige Amokläufer David Ali S. wohl Sympathien für den rechtsextremen norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik hatte. Auch habe er seinen Geburtstag am 20. April, derselbe wie von Adolf Hitler, als „besonders positives Schicksal“ angesehen. Es gebe aber keine Hinweise, dass er in rechtsextreme Netzwerke verstrickt gewesen war.

„Der Ermittlungserfolg beweist, dass es im Internet keine lückenlose Anonymität und keinen vollständigen Schutz vor Strafverfolgung gibt“, sagte Oberstaatsanwalt Alexander Badle. Dies gilt auch für das sog. „Darknet“.

Bildquelle: VenomousTBag, thx! (CC0 Public Domain)

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5 Kommentare

  1. Tarnleser sagt:

    In diesem Bericht hat sich ein spezielles Zeichen eingeschlichen, welches Feedreader anscheinend daran hindert diesen Feed zu empfangen.

    Das Zeichen steht in folgendem Satz, im Wort „Magazinen“
    sowie einer Pistole Modell Glock 17 mit Magazinen

    Mfg

  2. Simon sagt:

    Und hätte er den Amoklauf nicht zu verantworten wäre es OK Waffen zu verkaufen? Man, man, man…

  3. Maxx sagt:

    das ist echt mehr als leichtsinnig, sich Real mit Leuten zu treffen. Das zeigt aber auch, dass die Ermittlungen im Darknet sehr schwer sind.. Dank proxys etc.

  4. ImbissBronko sagt:

    Wie dämlich muss man sein um sich auf ein Rl treffen einzulassen als Waffenhändler, vorallem Wochen nachdem man einen Amokschützen beliefert hat. Oh mann
    Ich bin mehr oder weniger aus Prinzip pro krypto Märkte, aber wer es immer noch ok findet Waffen zu verkaufen, obwohl er den Amoklauf von München zu verantworten hat, gehört echt weggesperrt.

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