Facebooks Anzeigentool “ethnic affinities” ermöglicht rassistisches Werbe-Targeting

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Die Recherche-Organisation ProPublica hat festgestellt, dass es Facebook ermöglicht, bestimmte “ethnische Zugehörigkeiten” aus ihrem Anzeigenpublikum auszuschließen. Für die Recherchen hat Pro Publica eine Mietannonce bei Facebook aufgegeben und mit “ethnic affinities” die Zielgruppe eingeschränkt. Die Anzeige wurde innerhalb von 15 Minuten von Facebook freigegeben.

Eines der erfolgversprechenden Merkmale von Facebook für Werbekunden ist es, die Werbung zielgenau auf Benutzer, basierend sowohl auf ihren Interessen als auch der Demographie, ausrichten zu können. Zielgruppen werden dabei nach über 50.000 Kategorien definiert. Weiterhin können Anzeigen für bestimmte Benutzergruppen ausgeblendet werden, eine Taktik namens Ausschlussmarketing. Jedoch gerade diese Option kann zu unerwarteten und sogar unerwünschten Ergebnissen führen.

Über die Einstellung “ethnic affinities” erlaubt Facebooks Anzeigen-Buchungstool Werbekunden, ihre Anzeigen auch nach “ethnischer Affinität” einzugrenzen. Damit ist es unter anderem möglich, Immobilienanzeigen vor Nutzern zu verbergen, die Facebook als “Hispanic”, “African American” oder “Asian American” klassifiziert hat. In den USA ist diese Praxis als rassistische Benachteiligung explizit illegal, sowohl für Immobilien- als auch für Stellenanzeigen. Die “ethnic affinities” wurden bereits vor zwei Jahren bei Facebook eingeführt.

Der prominente Bürgerrechtsanwalt John Relman äußerte sich zu den rassistischen Ausgrenzungsoptionen von Facebook gegenüber Pro Publica mit den Worten: “Das ist fuchtbar. Das ist eindeutig illegal. Das verletzt den Fair Housing Act.”.

Der Fair Housing Act ist ein US-Gesetz von 1968, das es verbietet, Werbung und Angebote zu schalten, die mögliche Empfänger auf Basis von ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religionszugehörigkeit oder anderer persönlicher Informationen diskriminieren. Verstöße gegen das Gesetz können mit Geldstrafen in Höhe von mehreren tausend US-Dollar geahndet werden.

Facebook rechtfertigt sich zu Vorwürfen zum Sachverhalt damit, dass es die eigenen AGBs verbieten, die Targeting-Möglichkeiten diskriminierend oder illegal einzusetzen: Steve Satterfield, Privacy und Public Policy Manager bei Facebook bekundete: “Wir stellen uns klar gegen einen Missbrauch unserer Plattform. Unsere Richtlinien verhindern, dass die Targeting-Funktionen in diskriminierender Weise verwendet werden und sind mit den Gesetzen im Einklang. Wenn wir Missbrauch feststellen, ergreifen wir umgehend Maßnahmen.” Die “ethnic affinities” seien wichtig, damit Werbetreibende etwa für Werbeeinschaltungen in Englisch Hispanics ausschließen könnten, um die Wirksamkeit mit Kampagnen in Spanisch vergleichen zu können. Das sei gängige Industriepraxis. “Ethnic affinities” seien nicht dasselbe wie Rassenzugehörigkeit, die vom sozialen Netzwerk überhaupt nicht erhoben würde, sagt Satterfield weiter.

Bildquelle: geralt, thx! (CC0 Public Domain)

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2 Kommentare

  1. ugurano sagt:

    wer mit sowas probleme hat, soll halt kein facebook benutzen, sondern google oder ab ins tor

  2. Diener sagt:

    Meiner Meinung nach ist es bloß Semantik, zwischen ‘ethnic affinities’ und ‘Rassenzugehörigkeit zu unterscheiden. Bleibt nur zur hoffen, dass Facebook entsprechend reagiert und die Möglichkeit entfernt, Zielgruppen danach einzuschränken.
    Ein wenig zum Schmunzeln bringt mich die Angelegenheit aber unter einem anderen Gesichtspunkt: Facebook, ein Unternehmen, dem, wenn ich mich recht erinnere, erst vor wenigen Wochen vorgeworfen wurde, die Wahlen in den vereinigten Staaten unrechtmäßig zu manipulieren und zwar in Richtung einer Partei, die sich selbst auch als die Partei der Gleichheit (party of equality) bezeichnet, bietet den (zahlenden!) Kunden die Möglichkeit, trotz genau dieser angepriesenen Gleichheit Gruppen klar abtrennen zu können, wodurch das ganze irgendwie ad absurdum geführt wird.

    Profit trumpft hier wohl Werte. Oder findet die unbarmherzige Datenkrake in ihrer Gier da Grenzen, wo gar keine sind?

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