Facebook: Tierquälerei ist okay, nackte Haut nicht (Meinung)

Article by · 19. März 2017 ·

Du kennst wohl besser die Regeln von Facebook. Foto von geralt, thx! (CC0 1.0)

Während wiederholte Verstöße gegen erotische Darstellungen Sperren von vier Wochen und mehr nach sich ziehen, bleiben bei Facebook häufig Profile von Personen vor jeglichen Konsequenzen verschont, wo Bilder und Videos gezeigt werden, auf denen Tiere gequält werden. Für Facebook ist es offenbar wichtiger, ihr Publikum vor nackten Brüsten als vor Straftaten nach dem Tierschutzgesetz zu bewahren. Ein Kommentar.

Machen wir uns bitte nichts vor: Prüderie ist in den USA nichts Neues. Das gilt auch für das soziale Netzwerk Facebook, wo man vehement gegen erotische Darstellungen vorgeht. In BDSM- und anderen Erotik-Gruppen bei Facebook wird explizit von den Admins davor gewarnt, Fotos mit zu viel Haut oder weiblichen Brustwarzen zu posten. In erster Instanz wird eine mehrtägige Sperre gegen den Verbreiter der Erotik verhängt, im Wiederholungsfall ist eine vierwöchige Sperre fällig. Hat man es noch immer nicht gelernt, wird der Account dauerhaft deaktiviert. Und zwar nicht von den Betreibern der Gruppen, sondern von Facebook selbst.

So geschehen bei Nutzer I. aus dem Osten der Republik, auf dessen Profil immer mal wieder Frauen in leichter Bekleidung zu sehen waren. Nach seiner vierwöchigen Sperre hat er sich allerdings eines Besseren belehren lassen. Seitdem unterlässt er die Verbreitung erotischer Bilder. Wären die Fotos pornografischer Natur gewesen, hätte Facebook sehr viel härter sanktioniert. Das war aber nicht der Fall.

Warnhinweis explizites Foto bei FacebookDas ist die eine Seite der Medaille (bzw. der Doppelmoral) von Facebook. Die andere Seite ist die mangelnde Bereitschaft, Videos oder Fotos zu verbieten, auf denen Tiere eindeutig gequält werden. Die später von mir gemeldete Person verbreitete beispielsweise ein Foto mit mehreren Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die stolz den Körper und den abgetrennten Kopf einer enthaupteten Katze in die Kamera halten. Einer der Täter, sofern es sich nicht um eine Fotomontage handelt, hat das Messer noch in der Hand. Das Foto wird von Facebook als Motiv drastischer Gewalt eingestuft, weswegen man es den Betrachtern nicht direkt zeigt (siehe Screenshot rechts). Das Foto der vier Katzenmörder wurde nicht weniger als 3.053 Mal geteilt.

Besonders brutale Videos werden zwar von Facebook als solche erkannt. Das heißt aber nicht, dass man sie unterbindet. Sie starten nicht automatisch, sind schwarz unterlegt und werden mit dem Hinweis versehen, dass dort Inhalte gezeigt werden, die die Betrachter schockieren, kränken oder verärgern könnten (siehe Screenshot unten). Auf dem gemeldeten Profil wird ein geschundener Affe im Käfig vorgeführt (mehr als 550.000 Aufrufe, über 310 Likes) und z.B. ein Hund, der in Vietnam über mehrere Minuten hinweg über den Bordstein geschleift wird. Das wollten immerhin fast 100.000 Personen sehen. In Fachkreisen werden derartige Darstellungen als „Animal Crushing“ bezeichnet.

Facebook: Titten streng verboten, Tierquälerei ist okay!

Warnhinweis explizites Video bei FacebookIch habe dann das zweite Mal überhaupt ein Profil gemeldet. Die Antwort fiel selten frustrierend aus. Laut Facebook verstoßen die Inhalte nicht gegen deren Gemeinschaftsstandards. Ich könnte die Dame ja blockieren, um ihre Postings nicht mehr angezeigt zu bekommen. Tolle Idee! Die Videos und Fotos sind noch alle da und können lustig weiter verbreitet werden, weil es Facebook schlichtweg egal ist, ob in ihrem „sozialen Netzwerk“ Darstellungen von Tierquälerei gezeigt werden. Da spielt es auch keine Rolle, dass in den USA und in Deutschland die Darstellung von Brüsten legal ist. Wäre es anders, wären hüben wie drüben jede Menge Fotos aus der Werbung verboten, weil dort oftmals recht viel nackte Haut gezeigt wird. In Deutschland gibt es hingegen das Tierschutzgesetz, was derartige Verstöße regelt. Ist es Zensur, wenn man solche Bilder verbieten will? Ist es wirklich zu viel verlangt, die Beiträge zu löschen, die von einer deutschen Nutzerin gepostet wurden, die ganz offensichtlich gegen das hiesige Tierschutzgesetz verstoßen? Für Facebook schon. Aber wehe ich käme auf die Idee, selbst ein paar zu wenig bedeckte Damen auf meinem Profil zu posten, dann würde auch ich den Zensurhammer von Zuckerbergs Imperium unmissverständlich und zeitnah zu spüren bekommen.

Mir wurde von meinen Freunden dazu geraten, eine Meldeaktion mit vielen Teilnehmern ins Leben zu rufen. Wenn nur genug Beiträge und die Person oft genug gemeldet wird, würde Facebook mittelfristig anders auf die vielen Beschwerden reagieren. Von anderer Seite wurde mir wegen meiner Meldung sogar „Denunziantentum“ vorgeworfen (siehe Zitat unten). Kinder und andere Surfer finden den Warnhinweis der gewalttätigen Bilder und Videos sicher interessant und klicken erst recht darauf. Stellt sich für mich die Frage, ob man anderen Menschen dieses Material allen Ernstes zumuten sollte. Wirklich ekelhaft finde ich aber die Doppelmoral der Facebook-Betreiber. Sie handeln proaktiv bei Erotik und stecken die Grenzen des Möglichen bei fast allen anderen Beiträgen so extrem weit – was soll das? Kommentar eines Facebook-Kontaktes:

Einige lernen es halt nicht. Das Problem mit „Melden durch andere Benutzer“ – böse Zungen könnten es auch Denunziantentum nennen – hat IMMER das Problem des Missbrauchs bzw. dass die Mehrzahl der Meldungen Falschmeldungen sind – meist aus niederen Beweggründen. Wenn dann doch mal jemand eine legitime Meldung macht ist das eher die Ausnahme und geht oft in der Masse der Falschmeldungen unter. (…)

Und was die viel benannten „Titten“ angeht. Nur weil bei einer Sache zensiert wird, ist das keine Rechtfertigung für weitere Zensur weil man sich „betroffen fühlt“. (…)“

facebook: Screenshot vom Support-PostfachLast, but not least erinnert mich der Vorfall daran, dass mein Profil eben nicht mein Profil ist. Es ist das Hoheitsgebiet von Facebook. Sie bestimmen die Regeln, auch wenn mir das in den letzten Jahren nur selten bewusst war. Sofern ich mich juristisch korrekt verhalte, kann ich auf meinem Blog hingegen veröffentlichen, was immer ich mag. Bei Facebook werden die Regeln ausschließlich von Facebook bestimmt. Dahinter steckt natürlich die Grundeinstellung: Wir haben das Monopol, wem die Regeln nicht gefallen, der kann gehen.

P.S.: Tierschutorganisationen wie Peta raten dazu, bei der Polizei eine Strafanzeige gegen Unbekannt zu stellen. Soweit wollte ich allerdings nicht gehen. Wer sich ihr Profil näher anschaut, kommt schnell zu dem Ergebnis, dass die Nutzerin offenbar glaubt, sie könne ihre Mitmenschen zum Tierschutz bekehren, indem sie derartige Gewaltdarstellungen verbreitet. Gewalt als Abschreckung? Dummheit kann man zwar auch anzeigen. Intelligenz und Empathie kann man aber leider nicht erzwingen, auch nicht mit dem StGB. Deswegen habe ich von einer Anzeige abgesehen.

Titten nein, Tierqälerei ja – was haltet ihr eigentlich davon?

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5 Comments

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    slime.time

    Zweischneidige Sache das mit der Darstellung von Gewalt im Allgemeinen… PETA selbst hat in der Vergangenheit immer wieder solches Material als Abschreckung in den Umlauf gebracht. Und in manchen Fällen wirkt das ja auch.
    Ich denke daher, daß eine solche Darstellung IMMER im Kontext zu betrachten ist. Ein Bild von Opfern des Holocaust kann in einenm Fall zur Volksverhetzung und in einem anderen zur Aufklärung und Prävention dienen.
    Dieser Kontext ist aber für einen Internetkonzern nicht leicht herzustellen und mit großem Personalaufwand verbunden. Nun kann man moralisch anmahnen, FB müsse eben diesen Aufwand treiben, um den Gesetzen im Land des Betrachters gerecht zu werden, aber damit wäre der freie Meinungaustausch als solches in Gefahr. Nicht alle Ländergesetze entsprechen unserem Empfinden von Richtig und Falsch.

    In dem Moment, wo FB nicht mehr die Regeln selbst macht, macht sie eben eine Regierung, und das kann nicht im Interesse es freien Internets sein. Oder FB ist schlau genug sich eine Art „Verfassung“ zu geben, um die Regeln in einem demokratisch legitimierten Prozess von den Usern selbst festlegen zu lassen.

    Sorry, jetzt wird das zu einem Essay…

    Was das strittige Video angeht: Vielleicht würde eine Hinweis an die „Teilerin“ reichen, in der Du sie darüber aufklärst, das die Bilder auch eine andere Wirkung haben, als Sie es beabsichtigt? Und ein freundlich gemeinter Hinweis, daß sie sich auf rechtlich wackeligem Boden bewegt, kann vielleicht auch nicht schaden.

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    Vik

    “ Intelligenz und Empathie kann aber leider nicht erzwingen, auch nicht mit dem StGB.“
    Da fehlt ein kleines Wörtchen.

    Ansonsten kann ich mich den Ausführungen nur anschließen.
    FB ist doch geradezu prä­de­s­ti­niert dafür, Straftaten Vorschub zu leisten.

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    Sir

    Frage:
    Titten nein, Tierqälerei ja – was haltet ihr eigentlich davon?

    Antwort:
    Davon halte ich nichts. Besser ist umgekehrt – Titten JA und Tierquälerei NEIN!
    Gewalt als Abschreckung NEIN aber als Doku unter Umständen JA!

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    K.Oma

    „Intelligenz und Empathie kann aber leider nicht erzwingen, auch nicht mit dem StGB. Deswegen habe ich von einer Anzeige abgesehen.“ QFT

    Auf Deine Frage: Ganz klar für mehr „Titten statt Gewalt!“.
    Und „Ficken für den Weltfrieden“ sollten wir vielleicht auch mal wieder aufleben lassen.


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