Amazon – Karten auf den Tisch! ein Kommentar von Spiegelbest.

Amazon muss die Karten auf den Tisch legen. Die Verlage haben die Möglichkeit zu reagieren. Ein Kommentar von Spiegelbest.

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Tarnkappe hat sich im Topthema Boerse.bz ausgiebig und kontrovers mit den dortigen Vorgängen auseinandergesetzt. Das Interesse war und ist riesig. Aber es gibt anderes, was wichtiger ist. Von Uploadern wissen wir, dass die Downloads bei der Boerse im Moment trostlos sind – bei den wenigen Beträgen, die noch ihren Weg dorthin finden. Logischerweise hat Boerse.bz deshalb ihre Besuchszahlen ausgeblendet. Und was ist mit Amazon?

Wenn die Besucher wegbleiben, dann ist es schwer, sie zurückzugewinnen. Diese Erfahrung wird auch die Boerse.bz mit neuer alter Domain machen müssen. Überhaupt sind die Downloadzahlen bei den E-Books über die Boards hinweg schlecht. Das hören wir von verschiedenen Seiten. Entweder lesen die Leute keine geklauten E-Books mehr oder jemand schöpft still und heimlich alles ab. Kann LUL.to – ähnlich wie nach dem Aus von TorBoox – erneut einen Vorteil aus der Situation ziehen?

Aktie von Amazon eingebrochen

In der Zwischenzeit passiert gerade bei Amazon sehr viel. Hintergrund ist bekanntermaßen, dass der Kurs der Aktie stark eingebrochen ist, da Amazon nur Verluste einfährt. Die Hoffnung auf zukünftige Gewinne schwindet. Die Anleger werden nervös. Jetzt muss Amazon die Karten auf den Tisch legen, um die Anleger bei Laune zu halten.

In einem lesenswerten Beitrag erklären sie, warum niedrige Preise bei den E-Books mehr Gewinn bedeuten. Betriebswirtschaft für Vorschulkinder. Ich mache drauf aufmerksam, dass es in all diesen Fragen nur um E-Books geht. (Es scheint, als seien Bücher als Thema der Vergangenheit abgehakt.) Amazon will eigene Preise machen. Im Hintergrund steht ein eigenes Vertriebsmodell – die Flatrate. Amazon will sich auf keinen Fall durch ein Spotify für E-Books überraschen lassen.


Kann der Reader Kindle die Situation retten?

Ich habe in meinem Beitrag diskutiert, was ein Kindle Unlimited für Deutschland bedeuten würde. Gut, unterschätzt werden sollte ein solches Angebot auf keinen Fall. Gleichzeitig aber haben die Verlage noch einige Möglichkeiten zu reagieren. Ein interessanter und machbarer Weg wäre, eine verlagseigene Flatrate einzuführen (zumal eine verlagsübergreifende Anti-Amazon-Flatrate nicht umsetzbar erscheint).

Wir stellen immer wieder in meinem Forum Ebookspender fest, dass die allermeisten Nutzer sich auf ein einziges Genre festlegen. Natürlich gibt es Genres wie ‚Literatur‘, die sich kaum eingrenzen lassen. Aber wenn ich mir die Verlage anschaue – wie Hanser für Literatur – dann hat jeder von ihnen ein recht klares Profil und eine treue Leserschaft. Die Frage stellt sich also, warum sie die E-Books einzeln verkaufen.

Amazon Lager in Bad HersfeldJedenfalls beginnt für die Verlage eine Zeit des Nachdenkens. Amazon muss die eigene Strategie vor den Anlegern offenbaren. Eigentlich wissen die Verlage jetzt, wie Amazon denkt. Sie erfahren, dass es Amazon nur noch um E-Books als Flatbooks geht. Es ist kein Vorteil für Amazon, die eigene Strategie offenlegen, die eigenen Pläne konkretisieren zu müssen. Es ist nicht abwegig, den Vorteil jetzt bei den Verlagen zu sehen.

Die Möglichkeiten, die das digitale Format bietet, sind eben nicht nur die Spinnereien von einzelnen Buchpiraten. Sie liegen im Wesen des E-Books und werden seit längerem offen diskutiert ;)

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