John Deere will Bauern verbieten, ihre eigenen Fahrzeuge zu reparieren

John Deere will den Käufern verbieten, ihre Geräte selber zu reparieren. Man habe lediglich das Recht zum Gebrauch aber nicht mehr erworben.

John Deere
Foto: skeeze, thx! (CC0 1.0)

John Deere, der weltweite Marktführer für Landtechnik, will allen Käufern verbieten, ihre Geräte selber zu reparieren. Man habe lediglich das Recht zum Gebrauch, aber nicht die Geräte erworben. Wer Hand anlegt, muss mit Geldstrafen von bis zu 500.000 US-Dollar und Freiheitsentzug von maximal fünf Jahren rechnen. Da Software in den Landmaschinen verwendet wird, verstoße jede Reparatur gegen gültiges Copyright.

Die eigenständige Reparatur von Landmaschinen und Autos soll angeblich gegen das amerikanische Urheberrecht aus dem Jahr 1998 verstoßen. Auf Anfrage vom United States Copyright Office, einer Unterorganisation der Kongressbibliothek der USA, wurde mitgeteilt, die eigenständige Instandsetzung soll gegen den Digital Millennium Copyright Act (DMCA) verstoßen. Bastler werden nach gültigem US-Recht zu Schwarzkopierern umgewandelt.

Bauern wehren sich

Mehrere Bundesstaaten haben sich bereits im Januar dieses Jahres dagegen aufgelehnt und wollen eigene „Right to Repair“-Gesetze erlassen, um dem Verbot entgegenzuwirken. Diverse PKW-Hersteller (außer Tesla) haben sich dem Wunsch nach einem Verbot der Diagnose, Modifikation und Reparatur ihrer Geräte angeschlossen (siehe PDF). John Deere argumentiert damit, mit dem Kauf der Fahrzeuge habe man auch Software erworben. Da man diese Software lediglich lizenziert und nicht gekauft hat, sei man folglich auch nicht der Eigentümer. Dementsprechend müssen sich alle Käufer an die Lizenzbedingungen halten, die eine Behebung von Problemen oder jegliche Veränderung der Geräte vollumfänglich verbietet. General Motors argumententierte im März 2015 sogar, das Aussperren der Nutzer unterstütze die Innovation.

Wer erstmalig beim Verstoß der Lizenzen erwischt wird, muss bereits mit harten Strafen rechnen. Verstöße können mit Geldbußen von bis zu 500.000 Dollar und maximal fünf Jahren Gefängnisstrafe geahndet werden. Und das, weil man sein eigenes Gerät aus Kostengründen reparieren möchte, statt es bei einer teuren Vertragswerkstatt in Auftrag zu geben. Die Kollegen des Magazins WIRED gehen soweit, dass die Firma John Deere mit diesem Vorstoß die Defintion von Eigentum komplett auf den Kopf stellen will.

Dear John Deere: „If you bought it, you should own it – simple as that.

Derartige Strafandrohungen haben auch Auswirkungen auf die Forschung. Sicherheitsforscher, die Sicherheitslücken oder Fehler in den Landmaschinen oder Autos finden, trauen sich nicht mehr, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Dies könnte sogar Fehler betreffen, die das Leben ihrer Nutzer in Gefahr bringen. Laut Cory Doctorow von boing boing ist es in den USA mittlerweile zu einer „routinemäßigen Selbstzensurder Forscher gekommen. Wenn der Hersteller die Fehler nach Inkenntnissetzung nicht beheben will, sind dem Wissenschaftler die Hände gebunden. Schlecht für den Forscher, praktisch für die Unternehmen, die nicht mehr aktiv werden müssen.


Eigentlich ist es ganz einfach: Wenn man etwas kauft, gehört es einem auch, schlussfolgerte WIRED. Die Zeit sei gekommen, dass die Firmenanwälte von John Deere die Gülle lieber den Bauern überlassen sollten, die sie so dringend benötigen. Im O.-Ton: „If you bought it, you should own it – simple as that. It’s time corporate lawyers left the bullshit to the farmers, who actually need it.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Tarnkappe.info

Über den Autor

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.