Copyright: John Deere will Bauern verbieten, ihre eigenen Fahrzeuge zu reparieren

Article by · 23. April 2017 ·
John Deere

Stellt in den USA alle Eigentumsrechte auf den Kopf: John Deere. Foto: skeeze, thx! (CC0 1.0)

John Deere, der weltweite Marktführer für Landtechnik, will allen Käufern verbieten, ihre Geräte selber zu reparieren. Man habe lediglich das Recht zum Gebrauch, aber nicht die Geräte erworben. Wer Hand anlegt, muss mit Geldstrafen von bis zu 500.000 US-Dollar und Freiheitsentzug von maximal fünf Jahren rechnen. Da Software in den Landmaschinen verwendet wird, verstoße jede Reparatur gegen gültiges Copyright.

Die eigenständige Reparatur von Landmaschinen und Autos soll angeblich gegen das amerikanische Urheberrecht aus dem Jahr 1998 verstoßen. Auf Anfrage vom United States Copyright Office, einer Unterorganisation der Kongressbibliothek der USA, wurde mitgeteilt, die eigenständige Instandsetzung soll gegen den Digital Millennium Copyright Act (DMCA) verstoßen. Bastler werden nach gültigem US-Recht zu Schwarzkopierern umgewandelt.

Mehrere Bundesstaaten haben sich bereits im Januar dieses Jahres dagegen aufgelehnt und wollen eigene „Right to Repair“-Gesetze erlassen, um dem Verbot entgegenzuwirken. Diverse PKW-Hersteller (außer Tesla) haben sich dem Wunsch nach einem Verbot der Diagnose, Modifikation und Reparatur ihrer Geräte angeschlossen (siehe PDF). Sie argumentieren, mit dem Kauf der Fahrzeuge habe man auch Software erworben. Da diese Software lediglich lizenziert und nicht gekauft wurde, sei man folglich auch nicht der Eigentümer. Dementsprechend müssen sich alle Käufer an die Lizenzbedingungen halten, die eine Behebung von Problemen oder jegliche Veränderung der Geräte vollumfänglich verbietet. General Motors argumententierte im März 2015 sogar, das Aussperren der Nutzer unterstütze die Innovation.

Wer erstmalig beim Verstoß der Lizenzen erwischt wird, muss bereits mit harten Strafen rechnen. Verstöße können mit Geldbußen von bis zu 500.000 Dollar und maximal fünf Jahren Gefängnisstrafe geahndet werden. Und das, weil man sein eigenes Gerät aus Kostengründen reparieren möchte, statt es bei einer teuren Vertragswerkstatt in Auftrag zu geben. Die Kollegen des Magazins WIRED gehen soweit, dass die Firma John Deere mit diesem Vorstoß die Defintion von Eigentum komplett auf den Kopf stellen will.

Dear John Deere: „If you bought it, you should own it – simple as that.

Derartige Strafandrohungen haben auch Auswirkungen auf die Forschung. Sicherheitsforscher, die Sicherheitslücken oder Fehler in den Landmaschinen oder Autos finden, trauen sich nicht mehr, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Dies könnte sogar Fehler betreffen, die das Leben ihrer Nutzer in Gefahr bringen. Laut Cory Doctorow von boing boing ist es in den USA mittlerweile zu einer „routinemäßigen Selbstzensurder Forscher gekommen. Wenn der Hersteller die Fehler nach Inkenntnissetzung nicht beheben will, sind dem Wissenschaftler die Hände gebunden. Schlecht für den Forscher, praktisch für die Unternehmen, die nicht mehr aktiv werden müssen.

Eigentlich ist es ganz einfach: Wenn man etwas kauft, gehört es einem auch, schlussfolgerte WIRED. Die Zeit sei gekommen, dass die Firmenanwälte die Gülle lieber den Bauern überlassen sollten, die sie so dringend benötigen. Im O.-Ton: „If you bought it, you should own it – simple as that. It’s time corporate lawyers left the bullshit to the farmers, who actually need it.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

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10 Comments

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    Teckerfahrer

    War das nicht schon vor einer Weile und ist wieder vom Tisch?
    Weil, das hilft der Konkurrenz.
    Sollte das wirklich mal kommen, wären die Auto-, Computervergleiche erheblich zutreffender als jetzt.

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    jack

    Welcher Hirsch wird sich da noch einen John Deere in den Schuppen quetschen?
    Aber wahrscheinlich finden die richtlinienkompetenten Krawattenträger bei der Konkurrenz diese Idee auch so genial, dass sie kopierenswert ist. Werden die dann Lizenzgebühren an John Deere dafür zahlen müssen? Werden die Bauern zukünftig Landmaschinen vor dem Baujahr 1998 kaufen? Fragen über Fragen! Ich werde Gebrauchsmusterschurtz auf Pferde, Ochsen, Esel, Schweine,… und allen denkbaren Derivaten daraus für mich erwirken.

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    test

    Es entwickelt sich doch ehh alles zum Leasing hin. Wird mit Autos heutzutage auch schon gemacht denn keiner hat mehr die Möglichkeit ca. 20.000€ für einen Neuwagen auszugeben und dann kommen noch verschleiß, Reparaturen etc. noch dazu und ab 100.000 km sind die Kisten ehhh nix mehr Wert in Relation zum Kaufpreis…

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      Onkel Hotte

      Leasen ? Machen die (großen) Firmen aber für Privatleute eher uninteressant und Autos werden auf Pump gekauft. Beim Leasen will noch jemand mitverdienen, das muss unweigerlich mit in den Endpreis einfliessen. Zu teuer also und am Ende des Leasingzeitraums weißt du nicht, wieviel man noch drauflegen muss

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        Jeder noch so kleine Kratzer oder Beschädigung am Auto muss dann am Ende des Leasingzeitraums ersetzt werden. Manche Firmen kaufen lieber Gebrauchtwagen und lassen sie bis zum bitteren Ende fahren, statt sich von den Leasingfirmen die Hosen ausziehen zu lassen. ;-)

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          test

          Kratzer und Beschädigungen am Gebrauchtwagen helfen aber auch nicht bei einer Inzahlungnahme.

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          von der Post

          so ein Unsinn was da verzapft wird.
          Seit über 20 Jahren werden Fahrzeuge + Objekte in unsrer Firma geleast.
          Fahrzeuge gehn am Ende zurück oder kaufens zum Restwert am Ende +1 Leasingrate maximal als Kaufpreis.Die Werkzeugmaschinen behalten wir alle selber.
          Und nu Ihr Wirtschaftsexperten von der Laienuniversität ?

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      Armin Pieroth

      Leasen ist für Firmen mit hohem Ertrag und leeren Kassen interessant, für alle anderen ist es zu teuer. In kleinen GMBHs gibt es noch einen Trick: leasen mit hohen Prämien für einen niedrigen Restwert und kurze Laufzeit. Der Geschäftsführer oder ein Angestellter kauft den Wagen zu dem niedrigen Restwert aus dem Vertrag (der Leasingnehmer darf das nicht) und verkauft nach ein paar Monaten zum Zeitwert. Der Gewinn in den Büchern nicht auf.
      Ich habe mir ein Programm zur Nachrechnung von Leasingverträgen gebastelt: die Unterschiede von Zinsangaben der Porspekte und dem effektiven Zins liegt lässig beim 3-fachen der Prospektzahlen. Beispiele: 3,6 zu 16,3 %, 4,6 zu 8% . Das ist in Deutschland leider legal. Ein US-Amerikaner oder Franzose bekäme eine Prozess wegen Betruges.


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