Copyright: Google-Zensur erreicht Höchstwerte

Article by · 6. Oktober 2016 ·

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Google verzeichnet einen rasanten Anstieg von Takedown-Anfragen. Noch vor fünf Jahren erhielt der Konzern 10 Millionen Filter-Anträge pro Jahr, derzeit sind es rekordmäßige 24.119.797 – allerdings nicht mehr pro Jahr, sondern pro Woche, berichtet TorrentFreak.

Damit hat sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Unter Beibehaltung des aktuellen Wachstums wird Google mehr als eine Milliarde Links aufgrund von Urheberrechts-Verletzungen im Jahr 2016 zu verarbeiten haben, eine Hundertfache Steigerung in nur fünf Jahren wäre dann erreicht. Etwa 85 Millionen fragwürdige URLs hat Google allein im letzten Monat gelöscht.

Wer im Netz illegal an urheberrechtlich geschützte Inhalte gelangen will, nutzt oftmals die Googlesuche nach entsprechenden Downloads oder Streams. Damit die URLs zu geschützten Inhalten aus den Suchergebnissen verschwinden und die User dort gar nicht erst fündig werden, stellen die Rechte-Inhaber regelmäßig Filter-Anträge an Google. So sieht die gängige Praxis derzeit aus.

Momentan bewältigt das Unternehmen das hohe Maß an Anträgen noch erstaunlich gut, wie aus ihrem Transparenz-Bericht hervorgeht. Die Rechteinhaber würden es indessen begrüßen, wenn Google in Zukunft sicherstellen würde, dass gefilterte Links auch unter neuen URLs unsichtbar bleiben, indem gleich die ganze Domain gefiltert wird. Bisher ist das nicht der Fall, denn die meisten Links tauchen bereits kurze Zeit später unter neuer URL wieder auf: “Every day we have to send new notices to take down the very same links to illegal content we took down the day before. It’s like ‘Groundhog Day’ for takedowns,” RIAA CEO Cary Sherman said previously.

Eine komplette Domain-Zensur lehnt Google jedoch weiterhin ab, wie sie es bereits im Jahre 2015 darlegten: Sie meinen, ganze Seiten aus den Suchergebnissen zu entfernen, sei nicht nur ineffektiv, sondern könne auch leicht zur Zensur legaler Inhalte führen. Außerdem könnten die Seiten-Betreiber einfach auf eine neue Domain umziehen, wodurch das Problem nur verschoben, aber nicht gelöst würde. Google hat mit der Zeit allerdings so einige Mechanismen eingeführt, um illegalen Content vor den Usern zu verbergen – so erscheinen Piraterie-Seiten in der Google-Suche zum Teil bewusst erst an hinteren Positionen.

Fazit:

Es zeigt sich, dass Google im Kampf gegen Raubkopien eine immer wichtigere Rolle spielt. Inzwischen muss der Suchmaschinen-Gigant soviele Filter-Anträge wie noch nie zuvor bearbeiten. Eines scheint aber klar: Sollten die Filter-Anträge weiter so rasant ansteigen, ist das aktuelle Vorgehen sowohl für die Rechte-Inhaber als auch für die Piraten-Seiten oder Google selbst in höchstem Maße unbefriedigend und somit wohl keine dauerhafte Lösung. Auch TorrentFreak bezeichnet diese Situation als eine Sackgasse.

Bildquelle: Simon, thx! (CC0 Public Domain)

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17 Comments

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    W21 nackt


    Was bringt es überhaupt momentan, dass einige Links entdeckt werden? Wenn man in der Google-Suche nach einem Film oder einer Serie sucht und dabei das Wort „stream“ dranhängt, werden weiterhin illegale Streams gefunden.

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    „Wer im Netz illegal an urheberrechtlich geschützte Inhalte gelangen will, nutzt oftmals die Googlesuche nach entsprechenden Downloads oder Streams.“ – „oftmals“ ist hier zu übersetzen mit einstelliger oder niedrig zweistelliger Prozentbereich. Wer mal LibGen, Yify o. ä. gefunden hat, geht doch nicht mehr über Google! Wozu denn?!

    Auch gibt es Antipiraterie-Firmen, die aktuell vor allem damit beschäftigt sind, z. B. LibGen-Links bei Google herunternehmen zu lassen. Was insofern ulkig ist, als es solche Links bei Google gar nicht gibt (bzw. die Firmen gehen über die Suche von LibGen und generieren daraus vermeintliche Google-Links). Aber Google packt die Anfragen bzw. „Abmeldungen“ trotzdem in Google Transparency: Es macht für Google keine Mühe (sie müssen bei nichtvorhandenen Links ja nichts tun), aber sie können zeigen, wie eifrig sie bemüht sind, auf solche Anfragen zu reagieren. Da sich offensichtlich mancher Verlag gerne verarschen lässt (Hauptsache, man muss sich nicht ernsthaft mit dem Thema beschäftigen!), dürfte es sich bei dieser „Google-Zensur“ zu nicht unerheblichen Anteilen um das Bekämpfen von Phantomschmerzen durch Luft-Amputationen handeln. Dass solche Betrugspraktiken aufkommen, ist kein Wunder, wenn man Antipiraterie-Firmen per heruntergenommenen Link und nicht pauschal bezahlt. Böse Welt!

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    Ewald


    Antonia: Zensur ist nach unserem Rechtsverständnis etwas, was *vor* einer Veröffentlichung passiert, damit es eben nicht veröffentlicht wird.
    Daher ist der Begriff hier falsch verwendet, auch wenn die Netzgemeinde gern sofort Zensur brüllt.
    Es ist ein Buzzword.

    Man kann darüber streiten, ob es sinnvoll ist den Wegweise zu einer Quelle zu verhüllen statt die Quelle zum Versiegen zu bringen. Das Fußvolk hält so etwas schon auf, direkt auf bestimmte Seiten gelenkt zu werden. Dafür gibt es ja Beispiele.
    Wenn ein Dienst wie 4shared in diesem Jahr von 1.200 Rechteinhabern 48 Millionen Löschanfragen aus dem Google Suchergebnis bekommt, dann könnte man doch als Google auch auf die Idee kommen, dass dieser Dienst alles andere als sauber ist, oder?

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      Antonia


      Entschuldige bitte, dass ich dir erst jetzt – so spät – darauf antworte. Ich bin eben erneut darauf gestoßen, darum bietet sich eine Antwort hier auch an:

      Laut Wikipedia gibt es 2 Arten der Zensur, eine Vorzensur und eine Nachzensur. Ich meine hier natürlich die Nachzensur:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Zensur_(Informationskontrolle)

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        Ewald


        Sorry, pastt leider nicht für den Artikel.
        Hast Du den Wikipedia Artikel gelesen?

        „Jeder darf seine Meinung zum Ausdruck bringen, kann aber nachträglich zur Verantwortung gezogen werden, wenn er dabei gegen Gesetze verstößt.“.

        Jetzt noch mal kurz insichgehen und überlegen, was denn das für Links sind und warum der Artikel und die Verwendung Murks ist.
        Du könnest analog bei Polizeikontrollen am Bahnhof auch von Behinderung oder gar Zensur des Drogebhandels sprechen.

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    das Teufelchen


    Ich frage mich ernsthaft, wieso Google hier nicht auf die Idee kommt, von den Antragstellern einen Unkostenbeitrag zu verlangen. Würden die pro zu bearbeitenden Fall einen Beitrag von 5 USD verlangen, wären das immerhin 120 Mio USD in der Woche. Denn dann müssten die Rechteverwerter ihren Mitgliedern erstmal erklären, warum sie deren Geld an Google überweisen statt ihnen zukommen zu lassen.

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      Ewald


      Das ist ein hervorragender Vorschlag. Denn Unkosten sind das Gegenteil von Kosten, also Erlöse.
      Die Antragsteller bekommen also Erlöse von Google.

      Teufelchen: Die rechtliche Komponente für Haftungsprivilgierung für Intermediäre in den USA und der EU in etwa verstanden?

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        das Teufelchen


        Ich denke, Ewald, Du hast exakt verstanden, wie ich das gemeint habe …

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          Ewald


          Genau, Unkosten.
          Google schüttet dann 120 Millionen an die Rechteinhaber aus.
          Die Unkosten halt.

          Kleine Merkhilfe.

          Teufelchen: Untiefe = nicht tief = flach.

          Danach sagst Du bestimmt nie wieder Unkosten.

          Und über DMCA und E Commerce Directive sprechen wir dann später mal, wenn Du das schon mal verstanden hast.

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            Geht’s auch etwas weniger von oben herab? Danke!

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            Ewald


            sehr gern Lars.
            Mir sträuben sich nur die Nackenhaare, wenn jemand von „Unkosten“ spricht.

            Von der rechtlichen Seite sprich DMCA und E Commerce Directive mal ganz abgesehen. Ich befürchte nur, die Diskussion darüber ist bereits dann unnütz, solange jemand tatsächlich solche Forderungen aufstellt.
            Das ist ein wenig wie bei Torrentfreak, wo aus 48 Millionen Löschanfragen die 5 falschen herausgefischt werden und das zum Skandal hochgejazzt wird.

            Der ursprüngliche Artikel ist leider auch etwas eigenartig, allein, was die Wortwahl Zensur angeht.

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            Ja, das ist bei TF schon häufiger passiert. Wenn Microsoft mal wieder OpenOffice.org hat löschen lassen etc. Aber stimmt schon, das steht in keiner Relation zu den vielen gerechtfertigten Löschanfragen…

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            das Teufelchen


            @ Ewald:

            Wenn es Dich dermaßen stört, dann denke Dir einfach statt „Unkostenbeitrag“ etwas Treffenderes wie beispielsweise „Aufwandentschädigung“ oder sonst was, das Dir besser gefällt.

            Google ist keine Behörde, die von Steuergeldern lebt, sondern es ist ein kommerzielles Unternehmen mit dem Ziel, Gewinne zu erzielen. Und bei solchen Unternehmen ist es nun mal üblich, dass man für eine erbrachte Dienstleistung seinen Beitrag zu bezahlen hat. Google tut ja nichts, was ungesetzlich ist. Das wäre so, als ob ein Hausbesitzer einen Malerbetrieb beauftragt, die Graffitis von seinem Haus zu übermalen und die Kosten sollen dann die anderen Kunden des Malers übernehmen.

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            Ewald


            Warum Google die Sachen löschen *muss* ist der schon klar?
            Also der rechtliche Rahmen?!
            Die machen das nämlich nicht aus Spaß an der Freud.

            Und daher wird es auch keine Zahlung geben.

            Metaphern aus der analogen Welt scheitern gern mal in der digitalen.
            Ist beim Maler leider auch so.

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    Diener


    Ich kann bloß sagen, dass ich es schade finde, dass Alternativen zu Google wie DuckDuckGo inzwischen in manchen Kreisen nur noch als die „Piratensuchmaschine“ betitelt werden, weil sie Ergebnisse nicht filtern oder gar ausblenden. Dabei sollte doch allen Nutzern (nicht nur den Piraten) daran liegen, Google den Monopolstatus nicht zu schenken.
    Geschrieben mit Google Chrome ;-)

    P.S: Dass der Kampf gegen „Raubkopien“ bei Google inzwischen solch absurde Maße angenommen hat, verdeutlicht ja wohl die Unsinnigkeit dieser ganzen Vorgehensweise. Was da nur für Ressourcen draufgehen…. Aber sowohl Google als auch den Rechteinhabern scheint es ja wohl wirtschaftlich nicht so schlecht zu gehen, wenn sie noch in der Lage sind, so knallhart durchzugreifen.

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      Obey


      Was da an Energie verschwendet wird, die sehrwohl auch für etwas Sinnvollereres eingesetzt werden könnte! Solche Energie Sünder ;)…..


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