City Hunter: Wenn Netflix selbst zum Piraten wird…

Netflix hat die französische Anime-Community letztes Wochenende mit ganz besonderen Untertiteln beglückt. Dies betraf die Serie City Hunter.

Wenn Netflix zum Pirat wird

Die französische Anime-Community wurde von Netflix über das Wochenende mit ganz besonderen Untertiteln beglückt. Anscheinend hatte Netflix wohl keine Zeit mehr und hat kurzerhand einfach „pirated“ Untertitel im Anime Film City Hunter verwendet. Dies berichtete der P2P-Blog Torrentfreak.


Jeden Tag werden unzählige Werke vervielfältigt und geteilt. Leider auch oft genug von jemandem, der gar kein Recht dazu hat. Viele Filme werden in ihrer Muttersprache konsumiert. Doch was ist, wenn die gewünschte Sprache nicht als Tonspur verfügbar ist? Hier kommen dann die Untertitel ins Spiel. Diese sind für viele Zuschauer eine große Hilfe. Und für manche sogar die einzige Möglichkeit, einen Film richtig verstehen zu können. Daher werden über die normale Tonspur eines Filmes oder einer Serie hinaus, auch Untertitel in vielen unterschiedlichen Sprachen mitgeliefert.

Netflix verwendete schwarzkopierte Fansubs

Doch Untertitel müssen nicht immer nur aus offiziellen Quellen stammen. Diese sogenannten „Fansubs“ sind von der Community erstellte Untertitel und werden oft bei nicht vorhandenen offiziellen Übersetzungen verwendet. Diese haben aber auch den faden Beigeschmack, die Piraterie verschiedenster Werke zu vereinfachen und zu beschleunigen. Vor allem bei sehr frischen Releases ist es eine beliebte Methode, damit Schwarzkopien zu verbreiten. Viele Anti-Piraterie Gruppen haben es sich daher zur Aufgabe gemacht, die Fansubs mit rechtlichen Mitteln zu unterbinden. Natürlich kann man die Aktivität der Fans nie ganz stoppen. Jedoch versucht man soweit möglich, diese inoffiziellen Veröffentlichungen inklusive der selbst gemachten Untertitel zu stoppen.

Wie sich vergangenes Wochenende zeigte, bedienen sich wohl nicht nur Mitglieder des Graubereichs solcher Untertitel, sondern auch größere Konzerne. Die illegal erworbenen Untertitel-Dateien des Films City Hunter stammen allem Anschein nach aus einem totgeglaubten IRC-Chat, welcher sich auf Anime-Inhalte spezialisiert hatte.

Dies zeigte dieser Screenshot auf Twitter:

Werbung für IRC-Kanal inklusive

Der Tweet, welcher in französischer Sprache verfasst wurde, liest sich in etwa: „Offensichtlich sind die Untertitel fan-made. Auf Netflix. Na herzlichen Glückwunsch, Dybex“. Mit Dybex ist ein europaweit aktiver Anime-Distributor gemeint. Der Screenshot, welcher im Post zu sehen ist, stammt von dem 1999 erschienenen Film „City Hunter – Ein Fall für Ryo Saeba“. Der Originaltitel und die übersetzen Titel dieses Filmes weichen jedoch voneinander ab. Was wohl nicht so ganz zu 1999 und noch weniger zu Netflix passt, sind die Inschriften am oberen Bildshirmrand, die auf den Kanal #anime101 auf dem Server Rizon.net verweisen.

netflixRizon.net ist ein ca. 17 Jahre alter IRC- (internet relay chat) Server. Jeder kann sich hier einen Kanal (Channel) anlegen und sich unzensiert mit anderen Teilnehmern austauschen. Wie oben bereits erwähnt, verweisen die Untertitel hier auf den IRC-Kanal #anime101. Dies ist das relativ klares Anzeichen, für die weniger „offizielle“ Herkunft der Untertitel.

Das Interessante an dem Kanal ist, dass dieser eine reine Geisterstadt ist. Bis auf die eine oder andere Ausnahme, scheint der Kanal komplett verwahrlost und leer zu sein. Somit wirft dies die Frage auf, wann man diese Untertitel wirklich veröffentlicht hat.

Die Firma Dybex wird in dem Twitter-Post erwähnt. Diese Mitte der Neunziger gegründete Firma beteiligt sich an der Verbreitung von Animes auf Videokasetten und DVDs. City Hunter war kurz nach der Jahrhundertwende über den Shop des Unternehmens verfügbar. Auch Blu-Ray-Shops und Streaming-Seiten wie Netflix gehören mittlerweile zu ihren Unternehmenspartnern.

Netflix bietet nicht in allen Ländern dasselbe Angebot. Es ist nicht einfach, das besagte Filmmaterial ausfindig zu machen. Netflix hat inzwischen die Hinweise auf Rizon.net und #anime101 entfernt, doch es laufen weiterhin die umstrittenen Untertitel mit.

Weitere Beispiele für fragwürdige Quellen

Tatsächlich war dies auch nicht das erste Mal, dass bei Netflix nicht ganz so legale Untertitel mitlaufen. In 2012 waren in der kanadisch-amerikanischen Serie Andromeda auf Netflix Untertitel der „DivX Finland“-Gruppe zu sehen.

addic7ed.com logoDoch das Phänomen betrifft auch andere Unternehmen, wie zum Beispiel Sky Switzerland. Diese hatten bei der Hit-Serie „Chernobyl“ Untertitel von addic7ed.com angezeigt. Diese Seite sperren die meisten australischen ISPs aufgrund der begangenen Urheberrechtsverletzungen.

Man wird sehen, wann es den nächsten Titel mit den seltsamen Untertiteln zum Anschauen gibt. Und bis dahin heißt es wohl, Netflix n‘ chill und bleibt gesund!

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild von Tina Rataj-Berard, thx! (Unsplash Lizenz)