China verschärft spürbar Zensur im Internet, auch Pu der Bär verboten

Zensur: China will bis 2018 alle VPNs im Land blockieren. Zudem wurde die beliebte Kinderbuchfigur Pu der Bär aus den sozialen Medien Chinas verbannt.

China

Anfang der vorigen Woche berichtete Bloomberg, die chinesische Zentralregierung wolle die „Great Chinese Firewall“ noch weiter hochziehen. Darunter fallen Maßnahmen des Staates, ein nationales Internet zu schaffen und westliche Dienste, wie Google, Facebook, Twitter, YouTube und Wikipedia, für seine Bürgern möglichst unerreichbar zu machen. Die Regierung von China hat die Telekommunikationsanbieter angewiesen, den Zugang von Einzelpersonen zu Virtual Private Networks (VPN) bis zum 1. Februar 2018 zu blockieren.

China verschärft seine Online-Zensur

Anders als hier in Deutschland hat China eine heterogene Online-Landschaft, die vielfältige Plattformen umfasst. Alles beherrschende Anbieter, wie Facebook, gibt es dort nicht. Eigentlich sollte damit eine zentral gelenkte, staatliche Zensur erschwert sein, allerdings hat das Regime doch Wege gefunden.

Aktuell hat dazu die Regierung die staatlichen Telekommunikations-Anbieter, wie China Mobile, China Unicom und China Telekom angewiesen, VPNs zu Beginn des kommenden Jahres zu blockieren. Ausländische VPN-Anbieter können nur dann weiter in China operieren, wenn sie sich dort registrieren lassen. Der Einsatz von VPN-Tunneln erlaubt es den Nutzern, vorzutäuschen, dass sie von einem anderen Land aus auf das Internet zugreifen, denn neben Facebook, Twitter, Instagram und Google sind zudem auch verschiedene westliche Nachrichtenportale für Nutzer in China gesperrt.

Schon seit Jahren ist die chinesische Regierung bestrebt, die Internetnutzung ihrer Bürger und der im Land beheimateten Firmen zu kontrollieren, so kommt auch das Verbot von VPNs nicht gänzlich überraschend. Für Staatschef Xi Jingping allerdings bedeutet diese Zensur „nationale Souveränität im Internet“. Die Wahrung der Souveränität gleicht allerdings einem Balanceakt, denn einerseits sollen kritische Stimmen ungehört bleiben und andererseits will Chinas Bildungselite genügend persönlichen Freiraum. Auch für ausländische Unternehmen im Land wird die Internetzensur zunehmend zu einem negativen Standortfaktor. Sie brauchen ein gutes Geschäftsklima, um im Land agieren zu können.

Pu der Bär ist verboten

Ein weitere Zensur wurde erst heute bekannt. Laut Medienberichten ist aktuell Pu der Bär, eine beliebte Kinderbuchfigur des Autors Alan Alexander Milne, aus den sozialen Medien Chinas fast vollständig verbannt. Fans von Pu wissen: Der kleine Bär ist zwar „von sehr geringem Verstand“, will aber niemandem etwas Böses. Er ist verträumt, etwas begriffsstutzig und doch voller Weisheit. Dennoch ist die Kinderbuchfigur in China in Ungnade gefallen. Der Grund ist einfach. Er hat zu viel Ähnlichkeit mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping. So wurde Präsident Xi Jinping in der Vergangenheit im Internet wiederholt in Montagen abgebildet, in denen er die Position des Bären einnahm.

Bereits 2013 tauchten Bildmontagen, in denen Xi Jinping mit Pu in Verbindung gebracht wurde, in den sozialen Netzwerken auf: Xi wurde zusammen mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama bei einem Spaziergang gezeigt, daneben Pu der Bär in fast identischen Pose mit seinem Kumpel Tiger. Ein Jahr später kam dann eine weitere Montage hinzu, auf der Xi dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe die Hand schüttelt – parallel zu Pu und dem traurig wirkendem Esel I-Aah.

Keine Begründung verfügbar

Eine offizielle Begründung für die Zensur gegen Pu gab die chinesische Regierung nicht bekannt. Anfragen in den Suchmaschinen wurden aber mit einem Error-Zeichen beantwortet. Darin enthalten war ein Hinweis, es handle sich um „illegalen Inhalt“. Im sozialen Netzwerk WeChat haben die Behörden zudem Pu-Sticker aus der offiziellen Sticker-Galerie gelöscht. Offensichtlich soll in diesem Fall die politische Führung nicht ins Lächerliche gezogen werden und hält einen Vergleich mit einem Bär „von geringem Verstand“ wohl eher für unangebracht.

Nach den vorangegangen, umfassenden Zensurmaßnahmen testen nun Internetnutzer in China die noch verbliebenen Spielräume aus. So hat man animierte GIF-Bilddateien bislang noch nicht gelöscht. Ein Weibo-User schrieb öffentlich. „Armer kleiner Pu. Was hat dieser kleine Honigbär je getan, um andere zu provozieren?“



Video: So kommt man dennoch durch die chinesische Firewall!

Bildquelle oben: stevepb, thx! (CC0 1.0 PD)

Bildquelle unten: csekeklari, thx! (CC0 1.0 PD)

Tarnkappe.info

Über den Autor

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.