Chemical Revolution: Prozess um Drogen-Shop geht in zweite Runde

Anfang nächster Woche widmet sich das Landgericht (LG) Gießen erneut dem Fall des Online-Drogenshops Chemical Revolution.

Wie das Landgericht Gießen am Dienstag RTL NEWS mitteilte, beginnt am 10. Januar 2022 ein weiterer Prozess gegen fünf Angeklagte in Sachen Chemical Revolution. Die Beschuldigten müssen sich den Vorwürfen der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt stellen. Man wirft ihnen vor, „als Teil einer bandenmäßig organisierten Gruppierung den Online-Shop zwischen April 2018 und Februar 2019 betrieben zu haben“. Dafür plant das Landgericht bisher 15 Verhandlungstage bis Ende April ein.

Bereits im August letzten Jahres sprach das Landgericht Gießen (LG) ein erstes Urteil im Prozess bezüglich der Hintermänner von Chemical Revolution. In diesem ersten Verfahren beschäftigte sich das Gericht mit den angeklagten Taten zwischen Spätsommer 2017 und Januar 2018 und zudem um einen Tatort in Hessen. Den Tatverdächtigen warf man hier konkret vor, sie hätten bandenmäßig im Clearweb und Darknet Betäubungsmittel im großen Umfang verkauft.

Die Angeklagten hatten im Prozess die Vorwürfe weitgehend zugegeben. Die Vertreterin der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Lisa Zimmermann, forderte für die sieben Angeklagten zum Teil hohe Haftstrafen wegen acht konkret nachweisbarer Taten. Bei vier Angeklagten ging sie von erwiesenen Vorwürfen aus. Demgemäß verhängte das Gericht Haftstrafen zwischen zwei Jahren und acht Monaten sowie neun Jahren und zwei Monaten für den Hauptangeklagten.

Rechtskräftig sei das Urteil allerdings bisher nur im Hinblick auf drei der Männer, teilte das Gericht mit. Einer der im Sommer bereits verurteilten Angeklagten steht gemäß Angaben der Generalstaatsanwaltschaft auch in dieser Verhandlung wieder vor Gericht.

Chemical Revolution war der größte deutschsprachige Onlinehandel für Drogen

Im Sommer 2019 schaltete das BKA den ehemals deutschlandweit populärsten Drogen-Onlineshop Chemical Revolution ab. Gleichzeitig verhaftete die Polizei elf Tatverdächtige. Den früheren Betreiber erwischte man bei seiner Einreise aus Spanien. Bereits im Mai wurden mehrere Läufer und später ein Mitbetreiber hochgenommen. Die Auswertung der beschlagnahmten Asservate dürfte bei der Ermittlung aller Beteiligten entsprechend hilfreich gewesen sein. Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft hatte vor dem LG Gießen Anklage wegen bandenmäßigem Drogenhandel in 320 Fällen erhoben. Zwischen 2017 und 2019 sollen die Angeklagten eine Million Euro in Bitcoin erzielt haben.

Lesen Sie auch

Vier Männer galten als Kern der Bande

Dem Deutschen Daniel B., der unter dem Pseudonym »Joko« agierte, und Arkadiusz D., einem Niederländer mit polnischen Wurzeln, warf man vor, Chemical Revolution im Spätsommer 2017 gegründet zu haben. Über die gleichfalls illegale Plattform, Crime Network, sollen sie sich kennengelernt haben.

Daniel B. ist offenbar sowohl für die Auftragsvergabe, als auch für die Drogen-Bestellung, das Marketing sowie die Internet- und Darknetauftritte verantwortlich gewesen. Ferner hätte er sich auch um die Geldbeschaffung gekümmert. Als Startgeld soll er 10.000 bis 15.000 Euro selbst eingebracht haben. Zudem wären ihm durch bisher noch unbekannte Teilhaber weitere 30.000 Euro in Bitcoin zugegangen.

Drogen-Shop – Geschäftsfeld mit arbeitsteiligem Zusammenwirken

Für den Drogen-Ankauf soll Daniel B. Bitcoins an Arkadiusz D. übermittelt haben. Davon hätte dieser dann gleich kiloweise Betäubungsmittel, wie Amphetamin, Cannabis, Kokain und Ecstasy in den Niederlanden bezahlt. Für die Transport-Organisation von Chemical Revolution an bundesweit verschiedene Orte wäre der Deutsch-Pole Michael G. verantwortlich gewesen.

Die Lagerung in Ferienwohnungen im Bundesgebiet, das Verpacken und den Versand übernahm der Deutsche Matthias B. Den Gewinn haben sich die Vier untereinander aufgeteilt. 35 Prozent erhielt infolge Daniel B. Den gleichen Anteil bekam Matthias B. Die übrigen 30 Prozent teilten sich Arkadiusz D. und Michael G, berichtete die Gießener Allgemeine.

Tarnkappe.info

Antonia Frank

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.