Chelsea Manning: Wikileaks-Informantin will für US-Senat kandidieren

Die Whistleblowerin Chelsea Manning will als Kandidatin der Demokraten im US-Bundesstaat Maryland für den US-Senat zu den Wahlen im November antreten. Mannings Kandidatur wurde am Donnerstag (11.01.2018) bei der Federal Election Commission eingereicht. In einer, im Juni 2018 stattfinden Vorwahl, müsste sie gegen den demokratischen Senator Ben Cardin antreten, der das Amt seit 2007 innehat und als Favorit gilt, berichtet The Washington Post.

Nur ein paar Monate nach ihrer Begnadigung und darauf folgenden Freilassung im Mai 2017, bewirbt sich Chelsea Manning als demokratische Senatorin. Sie registrierte sich am 5. Januar bei der US-Wahlkommission, ihren Antrag zur Kandidatur reichte sie am Donnerstag in North Bethesda in Maryland ein. Manning selbst äußerte sich nicht dazu. Ihre Chancen werden allerdings nur als gering eingestuft. Ihr Gegner, der etablierte 74-jährige Demokrat Ben Cardin, ist bereits seit 2007 im Amt und würde über ein Wahlkampfbudget in Höhe von zwei Millionen US-Dollar verfügen und zudem auf eine Zustimmungsrate von 50 Prozent zählen können, wie Baltimore Sun berichtet.


Als WikiLeaks-Informantin hatte Chelsea Manning mehr als 700.000 geheime Dokumente und Aufnahmen mit Bezug zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan von Militärrechnern heruntergeladen und 2010 der Enthüllungsplattform zugespielt. Sie war damals als Obergefreiter Bradley Manning in der Nähe von Bagdad stationiert. Im Mai 2010 war Manning unter dem Verdacht verhaftet worden, Videos und Dokumente, die amerikanische Militärmissbräuche im Irak und in Afghanistan aufdeckten, an WikiLeaks weitergereicht zu haben. Im August 2013 wurde sie durch ein US-Kriegsgericht zu 35 Jahren Haft verurteilt. Ex-Präsident Barack Obama begnadigte Manning jedoch zum Ende seiner Präsidentschaft. So kam sie im Mai 2017 nach sieben Jahren Freiheitsstrafe aus dem Militärgefängnis Fort Leavenworth in Kansas vorzeitig frei. Während der Gefangenschaft nahm sie eine Geschlechtsumwandlung vor und nannte sich fortan Chelsea Elizabeth. Donald Trump jedoch bezeichnete Manning als „Verräterin“, die das Gefängnis „niemals“ hätte verlassen dürfen. Manning zog nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis nach Maryland. Seit 2015 schreibt sie für den Guardian zu Themen wie Transparenz, freie Meinungsäußerung, Bürgerrechte, Transgender-Rechte und Computersicherheit.

Todd Eberly, Professor für Politikwissenschaft am St. Mary’s College in Maryland, meint, dass Donald Trumps unerwarteter Aufstieg zum Präsidenten die Tür für politische Neulinge wie Manning öffnete: „Mein ursprünglicher Gedanke war buchstäblich: Donald Trump ist Präsident, Oprah Winfrey ist die führende Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten im Wahljahr 2020, warum zur Hölle nicht Chelsea Manning im US-Senat?“.

Bildquelle: Wokandapix, thx! (CC0 Public Domain)

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