#BrusselsLockdown: Katzenbilder helfen der Polizei

#BrusselsLockdown
Eine sechs Wochen alte Katze (André Horvath unter CC-BY-SA 2.5, thx!)

#BrusselsLockdown – Am Sonntag Abend lief in Belgien eine Razzia gegen mutmaßliche Terroristen. Nutzer sozialer Medien unterstützten diese, indem sie weitgehend „Funkstille“ über den Polizei-Einsatz bewahrten und stattdessen eine Flut von Katzenbildern und -videos verbreiteten. Für diese Aktion bedankte sich die belgische Polizei am heutigen Montag auf originelle Art und Weise.

Katzen statt aktueller Nachrichten

Die Polizei hatte Nutzer sozialer Netzwerke am Sonntag Abend gebeten, keine Informationen über die Einsätze zu verbreiten, bei denen auch ein mutmaßlicher Mittäter der Anschläge von Paris gesucht wurde. „Bitte respektieren sie aus Sicherheitsgründen die Funkstille auf den sozialen Medien zu den laufenden Einsätzen der Polizei in Brüssel. Danke“, hieß es.

Viele Social-Media-Nutzer gingen daraufhin sogar noch einen Schritt weiter. Unter dem Hashtag #BrusselsLockdown (Brüssel-Sperrung) begannen sie, eine Flut von (im Internet ohnehin stets beliebten) Bildern und Videos von Katzen zu veröffentlichen. So sollten eventuelle Tweets über den Polizeieinsatz in der Menge flauschiger Vierbeiner untergehen. „Ich glaube, dass ich in einer Stunde mehr lustige Katzen gesehen habe als in meinem gesamten bisherigen Leben“, schrieb der Soziale-Medien-Experte Mateusz Kukulka. Ihm zufolge war ein Kameramann des niederländischen Fernsehens NOS kurz nach 21.00 Uhr derjenige, der die erste Katze getweetet hatte. „Anstatt über die Polizeiaktionen in Brüssel zu tweeten, hier ein Foto unserer Katze Mozart“, schrieb er auf Twitter.

Dankeschön mit Katzenfutter

Für die Hilfsbereitschaft der Social-Media-Nutzer und Katzenfreunde bedankte sich die belgische Polizei heute. „Für die Katzen, die uns gestern Abend geholfen haben… bitteschön!“, schrieb sie auf dem Kurznachrichten-Dienst Twitter, zusammen mit dem Foto eines gut gefüllten Futternapfes, der das Logo der belgischen Polizei sowie die Aufschrift „Polizei“ auf den belgischen Amtssprachen Französisch und Flämisch trägt.

Das scheint bei der Twitter-Gemeinde gut anzukommen: Schon gute 3000 „Likes“ und über 2000 Retweets kann das Dankeschön der Ordnungshüter verzeichnen (Stand: Montag Nachmittag).

Informationsfreiheit versus Polizei-Arbeit

Die lustigen Katzenbilder können indes nicht darüber hinweg täuschen, dass es hier um durchaus ernstere Fragen geht als um die nach dem niedlichsten Haustier oder dem besten Katzenfutter, und auch um mehr als simple Hilfsbereitschaft und gesellschaftliche Solidarität. Auch die Presse- und Informationsfreiheit und das Selbstverständnis sozialer Medien sind Themen, die von diesem Ereignis berührt werden und im Nachgang diskutiert werden sollten.

Es handelt sich hier zweifellos um einen interessanten und relevanten Moment, der auch die Netzpolitik-Debatte nicht unberührt lassen dürfte. Informationsfreiheit versus ungestörte Polizei-Arbeit in Zeiten des Terrors, unpolitische (und doch letztendlich zutiefst politische) Katzenbilder versus Bürgerjournalismus: Wie denken die Tarnkappe-Leser über diese Geschehnisse? Teilt uns unsere Meinung in den Kommentaren mit.

Tarnkappe.info

6 Kommentare

  1. Dani sagt:

    Tja, eure Meinung muss ich euch hier wohl nicht mitteilen… ;-S

    Grundsätzlich bin ich eher für (engagierten) Bürgerjournalismus, aber muss die Berichterstattung denn unmittelbar und sofort in dem Moment stattfinden, in dem etwas berichtenswertes passiert? Früher stand doch auch erst am nächsten, wenn nicht am übernächsten Tag in der Zeitung, was denn „gerade“ passiert war. Ausserdem lässt das Zeit, darüber nachzudenken, was man denn nun eigentlich veröffentlichen will und wie man es erzählen will.

    Das verstehe ich unter Journalismus, Und das behindert dann wohl, mindestens ein Stück weit, auch weniger die Polizeiarbeit. Weniger, als wenn alle Welt weiss, dass an der Lindenallee xy gerade mehrere zivile Einsatzfahrzeuge vorfahren.

  2. Michael sagt:

    Natürlich eine nette Geschichte, aber sie zeigt zunächst zweierlei:

    1. Wenn heute eine staatliche Gewalt eine Aktion unter zeitweiligem „Ausschluss der Öffentlichkeit“ durchführen will, reicht es nicht mehr, ein paar Journalisten zu „vergattern“.

    Das ist erst einmal positiv.

    Die Staatsgewalt muss erst einmal viele Bürger von der Sinnhaftigkeit ihres Bedürfnisses überzeugen.

    2. Auch in den sozialen Netzwerken kann eine (große) Mehrheit das Mitteilungsbedürfnis einer Minderheit unterdrücken. Das ist weniger positiv.

    Es ist zu befürchten, dass die „Falschen“ dereinst versuchen werden, dies für ihre Zwecke zu nutzen. Das digitale Analogon zum „Niederbrüllen“.

    Es bleibt daher zu hoffen, dass eine solche Aktion ein seltener Einzelfall bleibt.

  3. michel sagt:

    ach, wieder eine bestätigung über die grenzenlose dummheit der schafe.
    aber die glauben eh alles, auch diesen ganzen „terror“ lügen quatsch….

  4. blah sagt:

    Furchtbare Generation, anstatt einfach mal nix zu posten und die Fresse zu halten muss Generation Youporn nachtürlich irgendwas posten, und wenn es alte Katzenbilder sind.

    Irgendwer ist das vermutlich auch noch stolz drauf.

    • Annika sagt:

      Wie gesagt, der Sinn war wohl, dass, wenn doch etwas „problematisches“ gepostet wird, das irgendwo zwischen den Katzenbildern versinkt. Gar nicht so eine doofe Idee in meinen Augen. Und die Kids sind meiner Erfahrung nach besser als ihr Ruf, trotz YouPorn, WhatsApp und Katzenbildern.

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