Blockchain: Chancen und Risiken für den Einsatz im Gesundheitswesen

Um die Blockchain im Gesundheitswesen zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, wie sie funktioniert. Wir stellen Chancen und Risiken vor.

Blockchain Gesundheitswesen
Bildquelle: Piqsels

Um zu verstehen wie man die Blockchain im Gesundheitswesen einsetzt, ist es wichtig zu wissen, wie die Distributed Ledger Technology (DLT) überhaupt funktioniert. Und auch, wie man sie konkret anwenden kann. Wir stellen Chancen und Risiken dieser neuen Technologie kurz vor.

Die Distributed-Ledger-Technologie benutzt ein dezentrales Peer-to-Peer-Netzwerk inklusive Kryptografie und verwandte Technologien, um eine Kette von Transaktionsaufzeichnungen zu überprüfen und zu verbreiten. Die Blockchain-Technologie (Analyse der EU aus Februar 2017) basiert auf einem dezentralen Konsens und wird sowohl in öffentlichen, als auch in privaten Umgebungen verwendet. Die bekannteste Anwendung ist bis dato die Blockchain des Bitcoin. Dies ist eine Kryptowährung.

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Ein praktisches Beispiel: Mithilfe der DLT könnte man den Weg eines Arzneimittels vom Hersteller bis zum Endverbraucher aufzeichnen und diesen nachvollziehbar machen. Somit könnte man u.a. die Qualität von Arzneimitteln besser kontrollieren, da man die gesamte Produktionskette von der Herstellung über Temperaturschwankungen und den gesamten Transportweg bis zur Auslieferung an Apotheken überwachen und in der Blockchain speichern würde. Bei einem Bruch der Kühlkette würde man das Medikament nicht mehr an die nächste Stelle ausliefern. Auch die Prüfung der Echtheit des Arzneimittels wäre für die Branche simpler.

Natürlich muss man sich vor Augen halten, dass die Blockchain-Technologie als solches noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung steht. Bis zu einer Einführung im Gesundheitswesen ist noch ein langer Weg zu gehen. Bevor wir auf die Grundlagen dieser Technologie eingehen und erläutern, wie man sie möglicherweise im Gesundheitssystem anwendet, ist es wichtig zu verstehen, was ganz grundsätzlich betrachtet, eine Blockchain ist.


Was ist überhaupt eine Blockchain?

Diesen Begriff haben sicherlich alle schon einmal gehört, die News lesen oder regelmäßig Bitcoin online kaufen. Die Begriffe Blockchain und DLT verwendet man häufig in einem Atemzug. Der Begriff Blockchain beschreibt eine Kette von Daten oder Transaktionen als Blöcke, die durch kryptografische Signaturen miteinander verbunden sind. Diese werden jeweils als Hash ( = Prüfsumme) bezeichnet, in gemeinsam genutzten Ledgern (= Kassenbüchern) gespeichert und von einem Netzwerk verbundener Prozesse unterstützt, die als Knoten bezeichnet werden. Knoten verwalten eine Kopie der gesamten Kette und werden ständig aktualisiert und synchron gehalten.

Anders erklärt ist eine Blockchain eine dezentrale Datenbank, die man chronologisch um Elemente, sogenannte Blöcke (blocks), erweitern kann. Neue Daten werden an vorhergehende „blocks“ angehängt. Sie bauen also aufeinander auf. Mit jeder Transaktion wird die Kette (chain) länger. Nur der letzte Block in der Kette kann verändert werden. Weil ein neuer Block nur dann angehängt werden kann, wenn die Richtigkeit der Kette von mehreren unabhängigen Quellen bestätigt worden ist, ist eine nachträgliche Manipulation oder das Entfernen früherer Informationen unmöglich. Je länger die Blockchain also wird, desto sicherer ist sie. Das macht die Technologie vergleichsweise langsam und das Konstrukt wirkt kompliziert.

Technologie ideal für Grundbuchämter

Blockchain

Die Technik dahinter ist aber vergleichsweise sicher, weil jegliche Manipulationen nur mit sehr viel Aufwand möglich wären. Es gab schon häufiger Überlegungen, die Blockchain beispielsweise für Grundbuchämter einzusetzen, um die Eigentümerverhältnisse von Grundstücken zu verwalten. In dem Fall spielt die Geschwindigkeit keine Rolle, die Eintragungen sind sowieso für eine vergleichsweise lange Zeit ausgelegt.

Abhängig von bekannten und getesteten Technologien wie Netzwerken, Hashes und Verschlüsselung unterscheidet sich diese Technologie stark von herkömmlichen Programmen, Netzwerken, Datenbanken und Webschnittstellen. Die Verwendung einer Blockchain im Gesundheitswesen für einen sicheren Austausch der Patientendaten befindet sich am Anfang ihrer Entwicklung. Frühere Lösungen zeigten jedoch das Potenzial, die Gesundheitskosten zu senken, Geschäftsprozesse zu rationalisieren und den Zugriff auf Informationen für unterschiedliche Interessengruppen zu verbessern. Doch das muss man im Einzelfall prüfen.

Blockchain als dezentrale Lösung

Die Technologie zeichnet sich dadurch aus, weil es eine komplett dezentrale Lösung darstellt. In der Regel handelt es sich um das bereits erwähnte Peer-to-Peer-Netzwerk. Dabei nutzen die Transaktionen alle gemeinsam. Die Technologie ist auf vielen Plattformen und Protokollen verfügbar und bringt Konzepte mit sich, die Aktualisierungen oder Änderungen bestehender Geschäftsmodelle im Gesundheitssystem einführen können. Peer-to-Peer bedeutet, dass wie beim BitTorrent-Filesharing, dass gleichberechtigte Partner (peers) innerhalb eines Netzwerks Daten untereinander austauschen.

Die Technologie erreicht zwar ein gewisses Maß an Demokratisierung von Daten, öffnet jedoch nach außen hin nicht unbedingt den Zugang in vollem Umfang. Die Blockchain kann bestehende Anforderungen erfüllen und könnte neue geschäftliche, administrative und klinische Optionen ermöglichen. Soweit lautet zumindest die Theorie.

Blockchain

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Fokus auf die Transaktionen

Obwohl Transaktionen weit verbreitet werden können, hat nicht alles im Gesundheitswesen auch mit Transaktionen zu tun. Zudem sind nicht alle Transaktionen im Gesundheitswesen für diese Technologie geeignet. Die Blockchain bietet das Potenzial für intelligente Verträge und digitalen Computercode, der die Ausführung von Programmen, Funktionen oder Transaktionen automatisiert. Die Technologie bietet auch die Möglichkeit, durch Token (Zeichen zur Überprüfung) einen Wert für Überweisungen zu erstellen. Diese Tokenisierung hat man auch im Aufbau der Kryptowährungen implementiert.

Stärken und Schwächen des Systems

Bitcoin-Scamming blockchain

Die Technologie ist als Lösung für zahlreiche Anwendungsfälle in verschiedenen Bereichen vielversprechend. Sie birgt jedoch, wie jede neue Technologie, einige Nachteile. Es ist wichtig, sowohl Stärken, als auch Schwächen abzuwägen, um die Eignung für jeden Anwendungsfall zu bestimmen.

– Transparenz und Schutz vor Manipulationen. Der Hauptvorteil dieser Technologie liegt darin, den Parteien, die am Netzwerk teilnehmen, als entscheidende Quelle zu dienen. Da in einer Blockchain alle Knoten einen Konsens erzielen müssen, kann man sicherstellen, dass sich alle Teilnehmer über die Art der im Netzwerk enthaltenen Daten einig sind. Die Fähigkeit, Streitigkeiten beizulegen und ein Verzeichnis aller Aktivitäten im Netzwerk zu erstellen, bietet eine einzigartige Transparenz, die die Notwendigkeit von Zwischenhändlern überflüssig macht. Wegen der Transparenz eignet sich die Blockchain ideal für Branchen, wo Daten regelmäßig überprüft werden müssen. Und für Branchen, wo Daten dauerhaft gespeichert werden sollen.

Sensible Daten muss man schützen

– Fehlender Schutz der Privatsphäre. Blockchains, die öffentlich einsehbar sind, sind für Außenstehende transparent. Private Informationen kann man damit überhaupt nicht schützen. Für die Verwendung einer Blockchain im Gesundheitswesen sind somit Datenschutzaspekte für intime Gesundheitsinformationen von entscheidender Bedeutung, sofern man diese Technologie einsetzen will. Doch es gibt bekanntlich auch Blockchains, bei denen von außen nichts einsehbar ist. Beispielsweise Privacy Coins wie der Monero bieten einen wirksamen Schutz vor der Betrachtung jeglicher Transaktionen an.

– Sicherheitslücken. Diese recht neue Technologie bietet eine Ausfallsicherheit für bestimmte Arten von Angriffen. Sie ist jedoch noch nicht vollständig sicher. Da es sich dabei im Wesentlichen nur um Code handelt, ist die Blockchain noch immer anfällig für Angriffe und technische Fehler. Aus diesem Grund muss man die Technologie in Bezug auf die Informationssicherheit sehr genau prüfen.

Wie kann man die Blockchain im Gesundheitswesen einsetzen?

OpenChaos, Telematik, C4

Derzeit sind private Netzwerke für das Gesundheitswesen ausgereifter als öffentliche Netzwerke. Die Technologie kann traditionell kontroversen Organisationen die Möglichkeit bieten, zusammenzuarbeiten, um neue Geschäftsmöglichkeiten innerhalb eines Konsortiums zu schaffen. Dem könnte aber der Datenschutz und das Kartellrecht in Deutschland entgegen stehen, wenn unterschiedliche Unternehmen in dieser Form kooperieren würden. Es gibt schon einige technologische Überlegungen zum Thema Blockchain im Gesundheitssystem. Bei einer Vielzahl von Legacy-Systemen im Gesundheitswesen kann die Integration all dieser unterschiedlichen Systeme eine echte Herausforderung darstellen. Mit Legacy-System ist hierbei gemeint: die veraltete, bzw. herkömmliche Verwaltungs-Software. Natürlich würde eine mangelnde Bildung ein ernsthaftes Hindernis für die Verwendung dieser neuen Technologie darstellen. Eine Schulung der Mitarbeiter wäre vor einer Umstellung unbedingt erforderlich.

Wie wird sich dies auf die Kosten im Gesundheitswesen auswirken?

Das ist zum jetztigen Zeitpunkt schwer zu sagen. Die Kosteneffizienz hängt von einer Reihe von Faktoren ab, einschließlich der Größe, des Aufbaus und Demografie der an der Umstellung beteiligten Organisationen. Die Umstellung kann sowohl möglicherweise zusätzliche Kosten, als auch Einsparungen mit sich bringen. Das muss man zwingend vorher genau prüfen.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.