HiAnime: Sieben Beschuldigte sollen mit Anime- und Film-Piraterie 12,85 Mio. US-Dollar verdient haben. Jetzt folgt die Anklage in Vietnam.
In Vietnam müssen sich sieben mutmaßliche Beteiligte des HiAnime-Netzwerks vor Gericht verantworten. Sie werden beschuldigt, mit mehr als 100 illegalen Websites 12,85 Millionen US-Dollar durch Werbung eingenommen zu haben. Auch der Vorwurf der Geldwäsche wiegt schwer.
Das Anime-Streamingportal HiAnime war seit März 2024 eine der meistbesuchten Anlaufstellen für Fans, die kostenlos Serien und Filme anschauen wollten. Hinter dem vermeintlich kostenlosen Angebot steckte jedoch offenbar ein äußerst lukratives Geschäftsmodell. Die vietnamesische Staatsanwaltschaft hat sieben mutmaßliche Beteiligte angeklagt. Sie sollen mit einem Netzwerk aus mehr als 100 illegalen Streaming-Websites rund 12,85 Millionen US-Dollar über Werbung eingenommen haben. Ein Teil des Geldes soll dabei in Luxusautos und Immobilien geflossen sein.
HiAnime: Sieben Beschuldigte müssen sich vor Gericht verantworten
Am 30. Oktober 2026 hat die Oberste Volksstaatsanwaltschaft Vietnams Anklage gegen sieben Beschuldigte im Zusammenhang mit der Plattform HiAnime erhoben. Der Fall wird vor dem Volksgericht der Stadt Hanoi verhandelt.
Zu den vier Hauptbeschuldigten zählen Nguyễn Đình Minh Khoa, Nguyễn Trung Anh, Nguyễn Hoàng Thanh und Nguyễn Đình Xuân. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft sowohl Verletzung von Urheber- und verwandten Schutzrechten als auch Geldwäsche vor. Die drei weiteren Beschuldigten Doãn Thành Luân, Nguyễn Khương Duy und Nguyễn Phước Toàn müssen sich ausschließlich wegen Urheberrechtsverletzungen verantworten.
Wie TorrentFreak berichtete, gehörten mehr als 100 Websites zu dem Netzwerk. Neben HiAnime tauchen in der Anklage auch Namen wie Zoro, Aniwatch, Sflix sowie Myflixerz und 9animetv auf. Die Plattformen boten ein umfangreiches Angebot aus Anime, Fernsehproduktionen und Kinofilmen an.
12,85 Millionen US-Dollar durch Werbung und Raubkopien
Zwischen Mitte 2019 und März 2026 sollen die Beschuldigten nach Angaben der vietnamesischen Behörden insgesamt 26.000 Fernsehproduktionen und weitere 7.500 Anime-Titel ohne Zustimmung der Rechteinhaber kopiert und über ihre Websites verbreitet haben. Gesamt gesehen entspricht das 33.500 Produktionen.
Das Geschäftsmodell setzte auf kostenlose Streams, die zahlreiche Besucher anlocken sollten. Die Betreiber verdienten ihr Geld dabei über eingespielte Werbung. User, die sich eine Folge oder einen Film ansehen wollten, bekamen zusätzlich Werbefenster und Anzeigen zu sehen. Je höher die Besucherzahlen ausfielen, desto mehr Geld floss in die Taschen der Beschuldigten.
Nach Angaben der vietnamesischen Staatsanwaltschaft, über die Báo Bảo vệ pháp luật berichtete, erhielt die Gruppe über die Werbeplattform Propeller Ads insgesamt 12,85 Millionen USDT (ca. 1,15 Milliarden Euro) an mutmaßlichen Gesamteinnahmen. Der Betrag entsprach zum damaligen Umrechnungsstand zudem rund 12,85 Millionen US-Dollar und 315,3 Milliarden vietnamesischen Dong.
Nach Abzug der Betriebskosten sollen Nguyễn Đình Minh Khoa, Nguyễn Trung Anh und Nguyễn Đình Xuân jeweils rund 50 Milliarden Dong erhalten haben. Für Nguyễn Hoàng Thanh werden etwa 51,36 Milliarden Dong genannt. Die drei weiteren Beteiligten sollen weitaus geringere Beträge bekommen haben, nämlich 3,7 Milliarden, 1,77 Milliarden und 418 Millionen Dong.
Luxusautos, Immobilien und der Vorwurf der Geldwäsche
Aus den Werbeeinnahmen hätten die Betreiber zunächst den laufenden Betrieb der Streaming-Websites finanziert. Die Staatsanwaltschaft wirft den vier Hauptbeschuldigten vor, die Herkunft der Gelder verschleiert und die Kryptowährungsbeträge über verschiedene Wallets und weitere Zahlungswege in den regulären Wirtschaftskreislauf überführt zu haben.

Dazu sollen die Einnahmen zunächst über mehrere Krypto-Wallets bewegt, danach in vietnamesische Dong umgetauscht und auf private Bankkonten transferiert worden sein. Mit dem Geld sollen die Beschuldigten Immobilien und Fahrzeuge gekauft haben. Für die Staatsanwaltschaft erfüllt dies den Tatbestand der Geldwäsche.
Nguyễn Đình Minh Khoa, der mutmaßliche Initiator des Netzwerks, soll insbesondere einen Porsche Panamera, einen Mercedes-AMG G63 und einen Land Rover Autobiography gekauft haben. Auch bei den übrigen Hauptbeschuldigten tauchen teure Fahrzeuge und Immobilien in den Ermittlungsunterlagen auf.
Über 100 Domains für ein Millionen-Geschäft
Gemäß den Ermittlungen soll Nguyễn Đình Minh Khoa bereits Anfang 2019 die Idee zu einem eigenen Streaming-Portale gehabt haben. Er habe erkannt, dass bestehende illegale Film-Websites eine wenig benutzerfreundliche Oberfläche boten. Mit einem besser zugänglichen Angebot wollte die Gruppe bei den Besuchern punkten und dadurch höhere Werbeeinnahmen erzielen.
Khoa soll dafür mehr als 100 Domains über den Anbieter Namecheap registriert und die Websites für Suchmaschinen optimiert haben. Pro Domain und Jahr zahlte er zwischen 20 und 50 USDT. Die technische Infrastruktur lag nach den Ermittlungen in den Händen von Nguyễn Trung Anh und Nguyễn Đình Xuân. Sie sollen Server angemietet, die Websites programmiert, die Filmdateien verarbeitet und die Streaming-Angebote am Laufen gehalten haben. Nguyễn Hoàng Thanh kümmerte sich ansonsten um Gestaltung, Logos und die finanziellen Abläufe.
Auch die Verbreitung der Inhalte soll systematisch organisiert gewesen sein. Die Gruppe habe Filme ohne Zustimmung der Rechteinhaber kopiert, verarbeitet und auf ihren Websites verfügbar gemacht. Für die Speicherung und technische Bereitstellung kamen laut Anklage angemietete Server und Cloudflare-Dienste zum Einsatz.
Die Websites erhielten dabei wiederholt urheberrechtliche Beschwerden und DMCA-Hinweise von Google. Statt den Betrieb einzustellen, sollen die Beschuldigten jedoch dazu alternativ die Domain-Adressen gewechselt haben, um ihre Angebote weiter erreichbar zu halten. Mit ihrem professionell organisierten Geschäftsmodell haben die Betreiber damit eine umfangreiche technische und wirtschaftliche Infrastruktur aufgebaut.
Propeller Ads: Werbeplattform im Zentrum der Millionen-Einnahmen
Eine zentrale Rolle in dem Verfahren spielt die Werbeplattform Propeller Ads. Wie VietnamPlus berichtete, soll Khoa laut Anklage direkt mit dem Unternehmen kommuniziert haben. Über Skype und Telegram habe er Werbecodes erhalten und diese auf den Streaming-Websites eingebunden. Die Zahlungen sollen schließlich in Form von USDT auf die Krypto-Wallets der Gruppe geflossen sein.
Propeller Ads steht schon länger bei Motion Picture Association (MPA) in Kritik. Der Hollywood-Verband hatte der Werbeplattform schon in der Vergangenheit vorgeworfen, mit seinen Werbediensten auch Piraterie-Websites zu finanzieren. Das Unternehmen wies diese Anschuldigungen entschieden zurück und bezeichnete die Vorwürfe als unbegründet und verleumderisch. Propeller Ads argumentierte, lediglich als Vermittler zwischen Werbekunden und Website-Betreibern zu fungieren und nicht für die Inhalte der Publisher verantwortlich zu sein. Ob das Unternehmen im konkreten Fall HiAnime von den Urheberrechtsverletzungen wusste, ist bisher auch nicht belegt.
Rouse, MPA und ACE: Der Druck auf HiAnime nahm über Jahre zu
Die Rechteinhaber hatten das HiAnime-Netzwerk bereits seit Jahren im Visier. So war auch die Alliance for Creativity and Entertainment (ACE), eine von der MPA unterstützte Anti-Piraterie-Koalition, bereits mehrfach gegen das Portal und verwandte Domains vorgegangen.
Im Oktober 2024 beantragte die MPA in den USA DMCA-Vorladungen, um über Cloudflare und den Domain-Registrar Tonic Informationen zu den mutmaßlichen Betreibern von HiAnime und zahlreichen weiteren Streaming-Portalen zu erhalten. Im Mai 2026 reichte die vietnamesische Kanzlei Rouse Vietnam im Auftrag der MPA eine Beschwerde bei den zuständigen Behörden ein. Sie forderte rechtliche Schritte gegen die mutmaßlichen Betreiber des Netzwerks. Diese Eingabe diente als Ausgangspunkt für das spätere Verfahren.
Anfang Juli 2026 hatten die vietnamesischen Behörden bereits Ermittlungen gegen sieben Verdächtige öffentlich gemacht. Vier mutmaßliche Hauptverantwortliche wurden festgenommen, drei weitere standen unter Hausarrest.
HiAnime verschwand im März – der juristische Druck blieb
Am 13. März 2026 verabschiedete sich HiAnime mit einer knappen Nachricht von seinen Nutzern. Auf der Website erschien lediglich der Hinweis, es sei Zeit, zu gehen. Das Portal bot daraufhin keine Streams mehr an. Zu diesem Zeitpunkt verzeichnete HiAnime nach Schätzungen von TorrentFreak über 150 Millionen monatliche Besuche.
Der Abschied kam in einer Phase zunehmenden juristischen Drucks. MPA und ACE hatten die Plattform bereits ins Visier genommen. HiAnime tauchte in Berichten des US-Handelsbeauftragten über besonders problematische Pirateriemärkte auf. Die USA hatten Vietnam wegen unzureichender Maßnahmen gegen Online-Piraterie als „Priority Foreign Country“ eingestuft. Am 29. Mai 2026 leitete der US-Handelsbeauftragte (USTR) Jamieson Greer offiziell eine Untersuchung gegen Vietnam auf Grundlage von Section 301 des Trade Act von 1974 ein. Diese kann den Weg für handelspolitische Maßnahmen und Zölle ebnen.
Vietnam verwies im Rahmen seiner Stellungnahme gegenüber den US-Behörden wiederum auf Maßnahmen gegen Piraterie-Netzwerke hin, darunter auch das Vorgehen gegen die mutmaßlichen Betreiber von HiAnime.
Das Ende von HiAnime könnte teuer werden
HiAnime ist nun offline. Die juristische Aufarbeitung des Millionen-Geschäfts hat gerade erst begonnen. Für die Rechteinhaber ist die Anklage gegen sieben mutmaßliche Beteiligte ein wichtiger Erfolg. Ob daraus allerdings tatsächlich abschreckende Strafen folgen, bleibt abzuwarten. Ein Verhandlungstermin wurde bisher nicht bekanntgegeben. Ebenso ist offen, welche Konsequenzen das Verfahren für beteiligte Dienstleister und die Werbebranche haben wird.
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