Die Hersteller der Brother-Imitate haben mit ihren nachgemachten Kartuschen viel Geld verdient, bis man sie vor den Kadi gezogen hat.
Drucker sind Geräte, die man nicht unbedingt haben will, aber trotzdem hat. Man ignoriert sie, bis man sie irgendwann wieder braucht und sie ihren eigentlich einfachen Job „Drucken“ problemlos verrichten sollen. Bei den Zickereien und Problemen, die sie machen, geht es nur selten um Papier, sondern fast immer um das Zeug, das man am liebsten exklusiv beim Hersteller des Geräts nachkaufen soll. Patronen und Toner. In Berlin ist daraus eine Verurteilung geworden. Das Urteil wegen der Brother-Imitate stammt vom 01. Juli 2025, 14 Fälle sind rechtskräftig. Vier befinden sich noch in der Berufung.
Es ging um gefälschte Brother-Tonerkartuschen, die über den Amazon Marketplace als Originalprodukte verkauft wurden. Das Landgericht Berlin verurteilte 18 Personen und Firmen. Der Hersteller Brother erhält 500.000 Euro Schadenersatz sowie Unterlassung, Vernichtung, Herausgabe und Auskunft über Bezugsquellen und Verkaufszahlen. Der Streitwert lag bei ca. 2,2 Millionen Euro.
Brother-Imitate: Nur in der Optik original
Das war kein Billig-Fake, den man schon am billig zusammengeklebten Karton und zusätzlich am penetranten Patronengeruch erkennt. Laut Amazon und Brother lief es über Leerkartuschen, die neu befüllt wurden. Verpackung und Sicherheitslabel hatten die Täter perfekt kopiert, um den Anschein eines Originals zu erwecken. Der Toner ist dafür perfekt. Niemand kauft Toner und achtet auf jedes noch so kleine Detail beim Kauf. Die Kartusche muss einfach funktionieren und irgendwann, wenn sie leer ist, tauscht man sie gegen eine neue Kartusche aus.
Natürlich ist das kein neues Spiel. Das Urteil verweist auf Beschlagnahmen in Berlin im Jahr 2019. Im Februar 2024 gab es erneut eine Razzia in Berlin und dem Umland. Damals war von Umsätzen von rund 3,5 Millionen Euro pro Quartal die Rede. Die Geldflüsse liefen laut damaligen Mitteilungen über Strohleute in Ungarn und deutsche Konten. Aufgeflogen ist die Sache auch durch Testkäufe und Anzeigen von Brother und Amazon.
Wenn die Verkaufsplattform mitklagt
Amazon war nicht nur die Verkaufsfläche im Internet, sondern auch Mitkläger. Das Unternehmen spricht nicht nur von Markenschutz, sondern auch von eigenen Ansprüchen aus dem Händlervertrag. Wer glaubt, er diskutiere nur mit dem Hersteller, kann sich da schnell verschätzen.
Leerkartuschen sind eine wertvolle Ressource, besonders für Fälscher, aber auch für die legitimen Refiller. Brother hat deshalb ein als Umweltprogramm getarntes Rückführungsprogramm von alten Kartuschen und Patronen ins Leben gerufen, um den legitimen Markt mit nachgefüllten Patronen, aber auch den mit gefälschten Patronen, auszutrocknen.
Offline ist fürs Gefühl nett
Viele halten nach vorangegangenen Geschichten lieber den Drucker dauerhaft offline. Das heißt: WLAN aus, Ruhe im Haus. Das ist verständlich. Das Resultat: keine Cloud, kein „nach Hause telefonieren” und weniger böse Überraschungen, die passieren können.
WLAN aus ist nett fürs Gefühl. Sicher ist das aber immer noch nicht. Sobald der Drucker wieder im LAN hängt, kann er auch nach draußen telefonieren. Wenn er es nicht macht, übernimmt das womöglich die Druckersoftware auf dem Rechner. Die Sicherheitsforscher von Rapid7 haben 2025 bei Brother ein Paket an Schwachstellen offengelegt, die viele Modelle betreffen. Und da steckt auch Zeug drin, das nicht sauber ist, weil es an der Grundlogik rund um Standardzugänge und Passwortableitungen hängt.
Das läuft nicht nur im Labor so, sondern auch in der freien Wildbahn. Wer wirklich auf Sicherheit bedacht ist, für den heißt das: kein Internetzugang für das Gerät. Und auch keine Portfreigaben und ein eigenes Netzsegment. Admin-Passwort neu setzen, Dienste runter. Updates gezielt installieren und nicht blind. Aber wer macht das denn bitte so? Am besten und sichersten wäre echt nur ein alter Offline-Rechner, an den der Drucker per USB angeschlossen ist, oder ein AiO-Gerät, das komplett offline gehalten wird. Das Dokument, das man ausdrucken möchte, würde man per Stick an den Drucker weiterreichen, damit er es sicher ausdruckt und aufgrund möglicher Sicherheitslücken keinen Quatsch macht.
Brother und der Firmwarekrach 2025
Im März 2025 war Brother erneut Thema, dieses Mal jedoch ohne Fälscher. Auslöser war ein Video von Louis Rossmann, in dem es um Firmware-Updates und Drittanbieter-Verbrauchsmaterial ging. Bei Farbgeräten hängt der Ärger nicht nur davon ab, ob das Gerät das Verbrauchsmaterial annimmt oder nicht, sondern auch von der Kalibrierung. Wenn die „Color Registration“ nicht mehr sauber durchläuft, ist das nicht „ein bisschen schlechter“. Dann ist der Drucker im Alltag blockiert. Da hilft nur der Kauf einer originalen Patrone, um das Problem zu beheben. Wer hätte es gedacht?
Brother sagt, Updates würden Drittanbieter angeblich nicht blockieren. Das ist der offizielle Standpunkt der Japaner. Trotzdem bleibt bei Brother ein ungutes Gefühl zurück. Du kaufst den Drucker, aber bei den Verbrauchsmaterialien läuft immer noch die Software mit und entscheidet, was du darfst und was nicht. So einfach lässt es sich halt auch nicht ändern. Natürlich entgeht dem Hersteller beim Verkauf der Druckerpatronen viel Umsatz aufgrund der Brother-Imitate.
HP macht das ohne Fälschung
Dafür braucht es bei HP keine Fälscherbande. Es reicht eine legale Drittanbieterpatrone und ein Update, nach dem das Gerät seinen Job einfach nicht mehr macht, ohne dass man weiß, dass es ein Update gab. Dynamic Security ist der Begriff, den HP selbst dafür nutzt. 2025 gab es dazu in den USA einen Vergleich. Und dies inklusive der Option, bei bestimmten Geräten Updates mit Dynamic-Security-Effekt abzulehnen.
Vor Gericht kann man sich an so etwas festbeißen. Im Alltag ändert sich für uns wie so oft einfach nichts. Die Probleme bleiben in Europa weiterhin bestehen, da das Urteil leider nur auf die USA abzielt und hier keinerlei Relevanz hat. Der Drucker spielt mit, solange das Verbrauchsmaterial so läuft, wie der Hersteller es vorgibt.
Fazit
Der Berliner Fall der Brother-Imitate zeigt, wie professionell Fälschung heutzutage abläuft, wenn die Gewinnmarge stimmt. Und die Firmware-Debatten zeigen, warum sich das Thema selbst ohne Fälschung wie das gleiche Problem anfühlt.
Toner und Patronen sind längst kein Zubehör mehr. Sie stellen eine zusätzliche Abhängigkeit vom Hersteller dar. Früher hat Standard Oil gratis Öl-Lappen verschenkt, um seine Kunden vom Öl abhängig zu machen, dass sie uns teuer verkauft haben. Heutzutage sind es halt die Druckerhersteller. Selbst wenn man nicht vom Hersteller abhängig ist, ist man es von Fälschern oder Drittanbietern. Aber die Frage bleibt bestehen: Kann man am Ende einfach nur drucken, wenn man mal etwas drucken muss?
Ich bitte zu entschuldigen, dass der Beitrag verspätet erscheint. Eine ordentliche Recherche und Einblick in das System kostet seine Zeit. Das gilt vor allem, da viele von euch ja statt HP Brother empfohlen haben, wo es die Probleme in anderer Form und anderem Label trotzdem genauso gibt. Ihr könnt euch darüber natürlich gerne bei uns im Forum austauschen, dafür ist es ja da.



















