Love Scam
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Love Scam-Betrug: Spielsüchtiger „Millionär“ ergaunert 590.000 Euro

Mit der Love Scam-Betrugsmasche soll ein Welser Bekanntschaften innerhalb von zwei Jahren um viel Geld gebracht haben.

Die Staatsanwaltschaft Wels hat am 11. Februar 2022 Anklage beim Landesgericht Wels gegen einen 37-jährigen mutmaßlichen Love Scam-Betrüger erhoben. Der Beschuldigte sieht sich infolge mit Vorwürfen wegen gewerbsmäßig schweren Betruges konfrontiert. Auf Datingplattformen köderte er ahnungslose Opfer und spiegelte ihnen dann persönliche Notlagen vor, um an deren Geld zu gelangen. Darüber berichtet die Landespolizeidirektion Oberösterreich, Bezirk Grieskirchen in einer Pressemitteilung.

Nach mehreren Monaten intensiver sowohl nationaler, als auch internationaler Ermittlungen, gelang es Kriminalisten der Polizeiinspektion Grieskirchen, einen 37-jährigen mutmaßlichen Betrüger auszuforschen. Im August 2021 erfolgte daraufhin dann seine Festnahme. Nach einem missglückten Fluchtversuch mit dem Auto klickten für ihn die Handschellen. Der Love Scammer soll in einem Zeitraum zwischen Mai 2019 bis Juli 2021 seine weiblichen Opfern um insgesamt 590.000 Euro erleichtert haben. Mit dem Geld hätte er sich seinen Lebensunterhalt und zudem seine Spielsucht finanziert.

Der mutmaßliche Täter ging bei den Geschädigten hier stets nach dem gleichen Muster vor. Seine potenziellen Opfer lernte er über verschiedene Datingplattformen kennen. Einige traf er auch persönlich während seiner Besuche in Spielcasinos, vor allem in Deutschland, Luxemburg und in den Niederlanden. Dabei gab er sich stets als reicher Geschäftsmann oder als Millionär aus und mimte einen ausschweifenden Lebensstil.

Vermeintliche Schicksalsschläge hinterließen angeblich hohe Kosten

Schon nach kurzer Bekanntschaft schützte er dann entweder akute Geldnot vor oder er verwies auf lukrative Geld-Investments. Unter Vortäuschung falscher Tatsachen entlockte er seinen Opfern innerhalb von nur zwei Jahren mehr als eine halbe Million Euro. Kein Vorwand für Geldforderungen war ihm dabei zu abgedroschen. Als Ausreden mussten hierbei herhalten, er benötige dringend Geld für:

„den Aufbau einer Gastronomie, Autohandel, Investment in Immobilien, Kautionshinterlegung, Begleichung von Strafen, Finanzamtsprüfung & offene Steuerforderungen, Therapie- und Krankenhauskosten aufgrund schwerer eigener Erkrankung, Begräbniskosten für den vorgetäuschten Tod seiner Familienangehörigen etc.“.

Beschuldigter köderte Frauen mittels Love-Scam, Männer mit vielversprechenden Gewinnaussichten

Staatsanwalt Christoph Weber informierte weitergehend darüber, dass man den Beschuldigten verdächtige, insgesamt sechs Opfer, darunter vier Frauen und zwei Männer, abgezockt zu haben. Die höchste Summe von 350.000 Euro kassierte er bei einer 42-Jährigen aus Grieskirchen ab. „Diese hat sich dann schon aus ihrem gesamten Verwandten und Bekanntenkreis Geld ausgeborgt.“, so der Staatsanwalt. Auch zu den beiden Männern baute er ein freundschaftliches Verhältnis auf. „Mit guten Geschäftsideen oder vermeintlich lukrativem Investment wurden dann dementsprechende Geldübergaben erreicht.“

Am 03. August 2021 um 23:00 Uhr gelang es den Beamten der Polizeiinspektion Grieskirchen schließlich, den Beschuldigten trotz versuchter Flucht mit seinem Fahrzeug anzuhalten und festzunehmen.

Nigeria Connection tritt auch als Love Scam-Betrugsmasche in Erscheinung

Der hier aufgetretene Betrug erlangte unter dem Namen Nigeria Connection einige Bekanntheit. Allerdings beschränkt er sich aktuell keineswegs mehr auf verschickte Massenmails mit absurden Gewinnversprechen. Wie auch dieses reale Beispiel wieder zeigt, tritt die Masche in vielfältiger Form in Erscheinung. Beim Love- oder Romance-Scamming suchen Täter in Online-Partnerbörsen oder auch in sozialen Netzwerken potenzielle Opfer.

Ist ein Kontakt erst einmal hergestellt, folgen Aufmerksamkeitsbekundungen nur mit dem einzigen Ziel, ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Erfundene Geschichten sollen infolge ahnungslose Opfer dazu bringen, Geld zu überweisen. Romance-Scammer punkten häufig mit ungewöhnlichen Lebensgeschichten und hinterlassen damit einen seriösen Eindruck. Im täglichen Leben ihrer Opfer schaffen sie es oftmals, sich unverzichtbar zu machen.

Aufgrund der Vielzahl der möglichen Betrugsmaschen sollte man es grundsätzlich vermeiden, an Menschen, die man nie persönlich oder nur oberflächlich kennengelernt hat, Geld zu überweisen. Auch auf sonstige ihrer Forderungen sollte man keineswegs eingehen.

Tarnkappe.info

Kategorie: Online-Betrug
Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.