Wir stellen mehrere Discord-Alternativen auf Open-Source-Basis vor, die keine Gesichtsscans verlangen und den Nutzern mehr Kontrolle geben.
Discord steht unter Druck. Nachdem die Plattform in mehreren Regionen damit begonnen hat, Nutzer über Gesichtsscans oder Ausweisdokumente zu verifizieren, suchen viele Anwender nach Alternativen. Offiziell soll die Maßnahme dem Jugendschutz dienen. Kritiker sehen darin jedoch einen weiteren Schritt hin zu einer umfassenden Identifizierung der Nutzer.
Die Diskussion berührt einen grundlegenden Konflikt der digitalen Welt: Wie viel Privatsphäre müssen wir Anwender opfern, um an modernen Online-Communities teilzunehmen?
Während Discord mittlerweile mehr als 200 Millionen aktive Nutzer erreicht, versuchen zahlreiche Konkurrenten, mit Datenschutz, Open Source und Selbstbestimmung zu punkten. Die Frage bleibt aber, wie erfolgsversprechend die Projekte auf Dauer sein werden?!?
Guilded hat Roblox gekauft
Guilded hatte man ursprünglich als Gamer-Plattform entwickelt und wurde im Jahr 2021 von Roblox übernommen. Der Käufer hat kurz vor Weihnachten 2025 den Online-Dienst abgeschaltet.
Vorteile
- Es gibt viele Ähnlichkeiten mit Discord
- Bietet auch umfangreiche Community-Funktionen
- Kalender, Foren, Wikis und eine Eventplanung ist schon integriert
- Kostenlose Funktionen, die bei Discord teilweise kostenpflichtig sind
Nachteile
- Roblox integrierte die Software komplett in das eigene Angebot
- Proprietär, Quellcode nicht öffentlich
- Gehört inzwischen Roblox
- Datensammelrisiken ähnlich wie bei Discord
- Relativ kleine Community außerhalb des Gaming-Bereichs
Fazit: Wer Discord ersetzen möchte, aber auf Komfort nicht verzichten will, findet hier den wahrscheinlich ähnlichsten Dienst. Dafür gibt man sich der nächsten Datenkrake hin. Man würde also vom Teufel zum Beelzebub wechseln. ;-)
Wire
Wire stammt ursprünglich aus der Schweiz und richtet sich an Unternehmen sowie datenschutzbewusste Anwender. Früher haben auch wir Wire dafür kritisiert, weil sie Telemetrie- und Analysedienste wie Mixpanel verwendet haben. Diese Diskussionen stammen allerdings überwiegend aus den Jahren 2017 bis 2021. Es ist unklar, ob die Daten von Wire aktuell noch an Dritte gehen. Auch die Beteiligung an Wire durch eine US-Holding-Firma sorgte für viel Aufsehen.
Vorteile
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
- Europäischer Anbieter
- DSGVO-konformer Betrieb
- Gute Audio- und Videoqualität
- Große Teile des Quellcodes sind Open-Source
- Betrieb eigener Server möglich, doch das ist kompliziert
Nachteile
- Fokus auf Business-Nutzer
- Betreiber kontrolliert die Infrastruktur
- Wenig Community-Funktionen
- Teilweise kostenpflichtig
Fazit: Wire ist eher ein Ersatz für Slack oder Microsoft Teams als für Discord. Oder für private Chats, doch in dem Punkt würden wir eher Signal oder andere Clients empfehlen.
Revolt (Stoat): die Discord-Alternative aus der Open-Source-Welt
Zu den bekanntesten Herausforderern Stoat, die Software hieß zuvor Revolt. Die Plattform orientiert sich optisch und funktional stark an Discord.
Nutzer finden dort:
- Server und Kanäle
- Text- und Sprachchats
- Dateifreigaben
- Bots
- Rollen- und Rechteverwaltung
Eigentlich fast alles an Features, was man vom Marktführer gewohnt ist. Der wichtigste Unterschied liegt jedoch unter der Haube: Der Quellcode ist offen einsehbar. Wer möchte, kann sogar einen eigenen Server betreiben und die Kontrolle über sämtliche Daten behalten. Gerade für Communities, die Discords Bedienkomfort schätzen, aber den zunehmenden Datensammelwahn ablehnen, dürfte Stoat die naheliegendste Alternative sein.
Vorteile:
- Open Source
- Discord-ähnliche Bedienung
- Selbsthosting möglich
- Keine Gesichtsscans oder Ausweispflicht
Nachteile:
- Deutlich kleinere Nutzerbasis
- Weniger Bots und Integrationen
- Teilweise noch experimentelle Funktionen
Matrix und Element: Das Mastodon-Prinzip für Chats
Wer die maximale Unabhängigkeit sucht, landet früher oder später bei Matrix. Matrix ist kein einzelner Dienst, sondern ein dezentrales Kommunikationsprotokoll. Ähnlich wie E-Mail oder Mastodon können verschiedene Server miteinander kommunizieren. Hintergründe zu diesem Kommunikationsprotokoll findet man hier. Unseren Chatraum für Matrix, den wir im Februar 2024 eröffnet haben, mussten wir mangels Beteiligung leider wieder schließen. Für viele war das Protokoll offenbar einfach zu exotisch. Der bekannteste Matrix-Client heißt Element und ist sehr komfortabel und weit fortgeschritten, was die Entwicklung betrifft.
Das Konzept bietet mehrere Vorteile:
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
- Föderation zwischen Servern
- Betrieb eigener Server möglich
- Keine zentrale Kontrollinstanz
Wer einen Matrix-Server betreibt, entscheidet selbst über Regeln, Moderation und Datenspeicherung. Für Datenschutzaktivisten und technisch versierte Nutzer gilt Matrix seit Jahren als das Maß der Dinge. Doch abgesehen von der mangelnden Verbreitung ist dies für Freunde von Multiplayer-Spielen keine geeignete Discord-Alternative.
Vorteile:
- Vollständig dezentral
- Hohe Datensouveränität
- Open Source
- Keine zentrale Nutzerüberwachung, keine Prüfung der Identität
Nachteile:
- Höhere technische Komplexität
- Weniger intuitiv als Discord
- Sprachchats und Videokonferenzen teilweise weniger komfortabel
TeamSpeak: Der Veteran der Gaming-Szene
Lange vor Discord war TeamSpeak die Standardlösung für Online-Gamer. Das aus Deutschland stammende Projekt konzentriert sich bis heute auf Sprachkommunikation mit möglichst geringer Latenz. Damit ist die Verzögerung gemeint von dem Moment, bei dem man etwas ausspricht, bis der Satz bei den anderen Kommunikationsteilnehmern ankommt. Anders als Discord steht nicht das soziale Netzwerk im Vordergrund, sondern die Kommunikation selbst.
Kein Open Source! Weil TeamSpeak eigene Server erlaubt, galt es lange als Gegenmodell zu zentralisierten Plattformen wie Discord & Co. Der Quellcode von TeamSpeak Client und Server ist jedoch proprietär und wird vom Unternehmen TeamSpeak Systems GmbH kontrolliert.
Besonders beliebt ist TeamSpeak weiterhin bei:
- E-Sport-Teams
- Clan-Strukturen
- Rollenspiel-Communities
- Simulationsspielern
Wer mag, kann eigene TeamSpeak-Server betreiben oder diese anmieten.
Vorteile:
- Sehr gute Sprachqualität
- Eigene Server möglich
- Geringe Systemanforderungen
- Keine Identitätsprüfung
Nachteile:
- Weniger moderne Community-Funktionen
- Kaum Social-Media-Elemente
- Fokus primär auf Voice-Chats
- Verbreitung geringer als bei Discord
Jami: Datenschutz first, doch leider keine Discord-Alternative!
Deutlich weniger bekannt ist Jami. Diese Software verfolgt einen radikalen Ansatz. Es gibt schlichtweg keine zentralen Server. Die Kommunikation erfolgt direkt zwischen den Teilnehmern.
Vorteile
- Vollständig dezentral
- Open Source
- Keine zentrale Datenspeicherung
- Keine Registrierung notwendig
Nachteile
- Kleine Nutzerbasis
- Weniger komfortabel
- Teilweise Verbindungsprobleme hinter Firewalls
Fazit: Eine der datenschutzfreundlichsten Lösungen überhaupt. Doch Gamer werden sich damit sicher nicht anfreunden können.
Mumble: Die kompromisslose Open-Source-Lösung
Mumble verfolgt einen ähnlichen Ansatz wie TeamSpeak, geht beim Datenschutz aber noch weiter. Die Software ist vollständig Open Source und konzentriert sich nahezu ausschließlich auf die Sprachkommunikation. Mumble war früher das Mittel der Wahl für Voice-Chats der Piratenpartei oder andere Datenschutzaktivisten.
Besonders geschätzt werden:
- Extrem niedrige Latenzen
- Hohe Audioqualität
- Keine kommerziellen Interessen
- Eigene Serverinfrastruktur
Mumble eignet sich vor allem für Nutzer, die auf Chat-Features, Sticker und Community-Gimmicks verzichten können.
Vorteile:
- Open Source
- Sehr ressourcenschonend
- Hervorragende Sprachqualität
Nachteile:
- Kaum soziale Funktionen
- Veraltete Benutzeroberfläche
- Wenig Komfortfunktionen
Rocket.Chat: Der Slack- und Discord-Konkurrent
Die Software Rocket.Chat richtet sich eher an Unternehmen, Vereine und größere Organisationen.
Die Plattform bietet:
- Gruppen-Chats
- Sprach- und Videoanrufe
- Dateifreigaben
- Integrationen für Drittanbieter
Der große Vorteil liegt in der vollständigen Kontrolle über die Infrastruktur. Viele Unternehmen setzen Rocket.Chat inzwischen als Alternative zu Microsoft Teams oder Slack ein. Es gibt auch eine kostenlose Community Edition (CE), die man als Open-Source-Software unter der MIT-Lizenz veröffentlicht hat. Private Endnutzer können sie auf einem eigenen Server installieren und ohne Lizenzkosten betreiben.
Vorteile:
- Open Source
- Selbsthosting
- Umfangreiche Verwaltungsmöglichkeiten
Nachteile:
- Für Gaming-Communities weniger geeignet
- Einrichtung aufwendiger
- Primär kommerziell ausgerichtet für zahlende Nutzer
Tox / qTox
Tox existiert bereits seit vielen Jahren und entstand damals als Reaktion auf die Snowden-Enthüllungen. Auch Filesharing kann man damit betreiben.
Vorteile
- Open Source
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
- Keine zentrale Infrastruktur
- Keine Telefonnummer oder E-Mail nötig
Nachteile
- Aktivität der Entwicklung schwankt
- Wenig moderne Funktionen
- Kleine Community
Fazit: Interessant für Puristen, aber nicht wirklich als Discord-Alternative für große Communities geeignet. In der Gaming-Community wird sich dieses Tool sicher nicht durchsetzen. Wer auf Datenschutz achten will, sollte sich die Software trotzdem einmal anschauen.
Mattermost: Kommunikation ohne Big-Tech-Abhängigkeit
Mattermost verfolgt ein ähnliches Konzept wie Rocket.Chat. Die Software wird unter anderem von Unternehmen, Behörden und Forschungseinrichtungen eingesetzt.
Besonders interessant ist Mattermost für Organisationen, die:
- sensible Daten verarbeiten
- keine Cloud-Dienste nutzen möchten
- eigene Sicherheitsrichtlinien umsetzen müssen
Dadurch eignet sich die Plattform eher für professionelle Teams als für klassische Discord-Communitys. Mattermost ist im Business-Bereich besonders beliebt bei Entwicklungs- und DevOps-Teams. Das ist aber nichts für Gamer!
Vorteile
- bei eigenen Servern volle Datenhoheit
- Open Source
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für bestimmte Anwendungsfälle möglich
- Slack-Benutzer finden sich zurecht, ähnliche Bedienung
- Import der Daten von Slack möglich.
Nachteile
- beim eigenem Hosting hat man viel zu tun!
- weniger Entwickler als bei Slack oder Teams
- Mattermost bietet inzwischen Telefonate auch mit Video an, doch das ist nicht so ausgereift
- einige Funktionen sind den zahlenden Kunden vorbehalten.
Session will mit Features punkten, die kaum jemand braucht
Session basiert auf der Infrastruktur des Loki-/Oxen-Netzwerks. Den Hauptsitz verlegte man im Herbst 2024 absichtlich in die Schweiz.
Vorteile
- Keine Telefonnummer erforderlich
- Keine zentrale Benutzerverwaltung
- Open Source
- Hoher Fokus auf Anonymität
Nachteile
- Langsamer als klassische Messenger
- Wenige Community-Funktionen
- Kein echter Discord-Ersatz
Fazit: Das ist eher ein Signal-Konkurrent als eine Community-Plattform. Es gibt eher unnütze Funktionen wie die Krypto-Integration. Das Netzwerk nutzt eine eigene Kryptowährung (SESH), die für Staking, Belohnungen und Premium-Funktionen eingesetzt wird.
Zulip – funktioniert ganz anders als Discord
Zulip kombiniert klassische Chats mit einem E-Mail-ähnlichen Themensystem.
Vorteile
- Open Source
- kostenloses Selbsthosting möglich
- Hervorragend für große Diskussionen
- Gute Suchfunktionen
Nachteile
- Weniger für Gaming geeignet
- Sprach- und Videochat nicht Schwerpunkt
- Gewöhnungsbedürftige Oberfläche
Fazit: Besonders interessant für Entwickler-Communities und Open-Source-Projekte. Doch leider ist dies keine empfehlenswerte Discord-Alternative.
Nextcloud Talk – leider keine Discord-Alternative
Wer bereits einen Nextcloud-Server betreibt, kann Talk direkt integrieren.
Vorteile
- Volle Datenkontrolle
- konform mit der DSGVO
- Open Source
- Selbsthosting
- Integration mit Dateien und Kalendern
Nachteile
- Weniger ausgereift als Discord
- Für große Communities ungeeignet
- Hoher Administrationsaufwand
Fazit: Die Software ist ideal für Vereine, Teams oder kleine Communities. Die Gamer werden daran nicht so viel Gefallen finden.
Briar, der Sonderfall
Ein echter Spezialist unter den Messengern. Briar kommuniziert über das verschlüsselte Tor-Netzwerk. Die Software kann notfalls sogar ohne Internet über Bluetooth oder WLAN-Direktverbindungen arbeiten. Natürlich befindet man sich aber nicht 24/7 in einem funktionierenden WLAN-Netzwerk. Auch die anderen Kommunikationsteilnehmer befinden sich nicht ständig in der Nähe, um Bluetooth einsetzen zu können.
Vorteile
- Extrem hoher Datenschutz
- Keine zentrale Infrastruktur
- Zensurresistent
Nachteile
- Nur Android, kein iOS!
- Keine Discord-ähnlichen Funktionen
- Geeignet für eine sehr spezielle Zielgruppe
Fazit: Für Aktivisten und Journalisten ist Briar durchaus interessant, aber kein Community-Hub. Und leider ist die Software auch ungeeignet für Gamer.
Ohne die Zentralisierung bräuchte man keine Discord-Alternative
Der aktuelle Streit um diesen Messenger zeigt ein bekanntes Muster. Nutzer verlassen sich über Jahre auf eine Plattform, investieren Zeit in Communities und bauen soziale Netzwerke auf. Anschließend verändert der Betreiber die Spielregeln. Dann steht man mitunter ganz schön blöd da.
Heute geht es um Gesichtsscans und Altersnachweise. Morgen könnten neue Identitätsprüfungen, strengere Inhaltsfilter oder weitere Datenerhebungen folgen. Die Gewalt geht bei zentralen Anbietern von ihnen und nicht von den Nutzern aus. Das ist das Grundproblem. Je zentralisierter eine Plattform organisiert ist, desto weniger Einfluss haben ihre Nutzer auf solche Entscheidungen.
Viele Anbieter, doch die wenigsten sind geeignet
Die zunehmende Popularität von Matrix, Stoat, TeamSpeak oder Rocket.Chat zeigt deshalb vor allem eines: Immer mehr Menschen suchen nach Kommunikationsplattformen, die ihnen die Kontrolle über ihre Daten zurückgeben. Stoat ist momentan noch die beste Alternative. Das Problem wird nicht die Nutzung sein. Das Problem besteht darin, die anderen Mitspieler dazu zu bekommen für die Kommunikation eine andere Software zu benutzen.
Discord mag aktuell noch der Marktführer sein. Doch jede neue Identitätspflicht erinnert die Nutzer daran, dass sie dort letztlich nur Gäste sind. Das zumindest kann man hoffen. Wir haben die Idee zu diesem Artikel bei Tuta geklaut, den Inhalt allerdings stark erweitert.































