Grindr
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Bildquelle: vdovichenko, Lizenz

Grindr: Dating-App führte zu Serien-Mörder

Die Polizei in Bilbao verfolgt einen mutmaßlichen Serienmörder, der es auf Homosexuelle abgesehen hat. Er kontaktierte seine Opfer über Grindr

Er soll seine Dates zu Hause mit Drogen getötet und anschließend ihre Konten geplündert haben. Erstkontakt mit seinen homosexuellen Opfern hat er über die Grindr-Dating-App hergestellt. Aufgrund der Gemeinsamkeiten der Verbrechen gehen die Ermittler von einem Serien-Täter aus. Dieser soll bisher bereits mindestens vier Männer zwischen September und Oktober 2021 umgebracht haben. Davon berichtete die spanische Onlinezeitung El Mundo am Mittwoch unter Berufung auf die zuständigen Behörden, der Ertzaintza, im Baskenland.

Die vier Morde ereigneten sich in der baskischen Metropole Bilbao, in Nordspanien. Als dringend Tatverdächtigen sucht die Polizei einen jungen Mann zwischen 20 und 30 Jahren. Wie 20minutos.es berichtete, nahmen erste Ermittlungen ihren Anfang, nachdem der Bruder eines der Verstorbenen, einem 43-jähriger Mann, der im vergangenen Oktober tot aufgefunden wurde, den Diebstahl von Tausenden von Euro meldete. Tage nach dem Tod seines Bruders befand sich das Geld noch auf dem Girokonto.

Ursprünglich war der Tod des Bruders als natürlicher Tod eingestuft, da keine Anzeichen von Gewalt feststellbar waren. Als die Ermittler jedoch dann Parallelen zu den sich zwischenzeitlich ereigneten Morden fanden, ordneten sie eine Obduktion des Leichnams an. Sie fanden Spuren von Liquid Ecstasy. In Kombination mit Alkohol kann dies tödlich sein.

Alle Taten verliefen nach dem gleichen Schema

Nach diesen Erkenntnissen ordneten die Ermittler die Autopsie von drei weiteren Männern an. Diese waren unter den gleichen Umständen in der gleichen Gegend und an nahe gelegenen Daten, zwischen September und Oktober 2021, getötet wurden. Die Ergebnisse der neuen Tests bestätigten auch hier das Vorhandensein von Liquid Ecstasy.

Laut El Correo, einer baskischen Onlinezeitung, erwägt die Polizei, dass es vier weitere Todesfälle geben könnte, die diesem möglichen Serienmörder zuzuschreiben sind. Der mutmaßliche Mörder nannte sich auf der Grindr-Dating-App Carlos.

Ein Opfer konnte entkommen

Den mutmaßlichen Täter sowie den Tathergang hat ein ihm entkommenes Opfer genauer beschrieben. Diesem gelang es noch im Dezember letzten Jahres, seinem möglichen Mörder zu entkommen. Der mutmaßliche Täter versuchte damals, ihm Liquid Ecstasy zuzuführen, jedoch ohne Erfolg. Dies führte zu einem Strangulationsversuch, der in einer Schlägerei mündete.

Diese endete damit, dass der Täter ohne seine, sich in einem Rucksack befindlichen Papiere, aus dem Haus flüchtete. Gleichfalls zurückgelassen hatte er das Liquid Ecstasy. Der vermeintliche Täter kam daraufhin zurück, um sich bei seinem Opfer zu entschuldigen und zu versuchen, seine Sachen zurückzuerlangen.

Auch diese geschilderten Ereignisse ermöglichten es der Polizei, Zusammenhänge zwischen den Fällen herzustellen. Offenbar gewann der Mann über die Grindr-App das Vertrauen der Opfer und begab sich infolge zu deren Wohnungen in der Altstadt von Bilbao. Er entlockte ihnen, nachdem er sie unter Drogen gesetzt hatte, die PINs ihrer Bankkonten, um das Geld am Geldautomaten abzuheben.

Mutmaßlicher Grindr-Täter inzwischen identifiziert

Der Verdächtige konnte zudem immerhin anhand seiner zurückgelassenen Papiere identifiziert werden. Allerdings ist sein Aufenthaltsort bisher noch unbekannt. Bei der Person handelt es sich um einen jungen Mann zwischen 20 und 30 Jahren.

Der Bürgermeister von Bilbao, Juan Mari Aburto, räumte in einem Interview ein, dass in seiner Stadt aufgrund der Medienberichte eine “angespannte Ruhe” geherrscht habe. Der Stadtverwaltung sind die Ermittlungen bekannt. Nun müsse alles getan werden, um die Einwohner „nicht zu alarmieren“. Die Gruppen von Schwulen und Lesben im Baskenland haben ihrerseits jedoch bereits Alarm geschlagen wegen der Risiken von Flirtplattformen, wie Grindr.

Tarnkappe.info

Kategorie: Artikel

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Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.