Zira: Telegram soll Urheberrechtsverletzungen blockieren

Ein israelisches Landgericht verlangt von Telegram, unerwünschte Inhalte zu zensieren. Zira verklagt gleich mehrere Internet-Anbieter mit.

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Bildquelle: Dimitri Karastelev

Ein israelisches Landgericht verlangt von der Betreibergesellschaft von Telegram, das Verbreiten von Schwarzkopien sofort zu unterbinden. Der Klage haben sich mehrere Rechteinhaber wie Hot, Yes, United King etc. angeschlossen. Zira verklagt auch diverse ISPs, weil man sie zeitgleich zu einer Sperre von Telegram zwingen will.

Rechteinhaber gehen gegen Telegram vor

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Die Antipiracy-Firma Zira hat vor einem israelischen Landgericht eine Klage gegen Telegram eingereicht. Darin behauptet man, man unterstütze indirekt die illegale Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Inhalten. Mehrere Content-Hersteller haben sich der Klage angeschlossen. Telegram eignet sich tatsächlich aufgrund der hohen Transferraten und programmierbarer Bots ganz hervorragend für die Verbreitung von Schwarzkopien. Das betrifft auch große Dateien von Filmen in einer hochauflösenen Qualität.

Im deutschsprachigen Bereich gab es einen Bot nebst der Gruppe namens TeletransferX, wo bis zur freiwilligen Aufgabe durch den Betreiber massenweise derartige Transfers durchgeführt wurden.

In der Klage bringt Zira nun harte Anschuldigungen gegen die Betreiber der App nebst den eigentlichen Online-Piraten vor. Die Kläger behaupten, die Telegram FZ-LLC verberge aktiv die Identität und den Standort der an der Tat beteiligten Raubkopierer. Den unbekannten Tätern wirft man vor, über Telegram Download-Links aber auch die Spielfilme und Musik selbst zu verbreiten. Das Landgericht (Central District Court) verklagt Telegram dazu, diesem Treiben zeitnah ein Ende zu bereiten. Ob Durows Firma darauf reagieren wird, ist noch unklar. Bisher sah man recht großzügig über Copyright-Verletzungen im eigenen Netzwerk hinweg.

Wenn Telegram nicht reagiert, sollen die ISPs den Zugang sperren

Zira hat schon einen Antrag auf eine landesweite Internet-Sperre der Telegram App in Aussicht gestellt. Das Urheberrecht erlaube es dem Landgericht, eine Anordnung zu erlassen, mit der ISPs angewiesen werden, den Zugang zu Adressen zu beschränken, die gegen das Urheberrecht verstoßen. Um juristischen Druck aufzubauen, fügten die Unternehmen ihrer Klage auch gleich mehrere israelische Internet-Anbieter als Angeklagte hinzu.

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Die Zira (Internet Copyright) Ltd. ist ein israelisches Unternehmen, welches im April 2011 gegründet wurde. Die Content-Unternehmen Rainbow, Network, yes, HOT und United King finanzieren diese Antipiracy-Firma, die ihnen letztlich gehört. Zira setzt in Israel die Rechtsdurchsetzung fast aller TV-Sender des Landes durch. In der Vergangenheit konnte man die Betreiber mehrerer illegaler Webseiten und eines Torrent-Trackers haftbar machen. Sofern man die Identität der Betreiber nicht erlangen konnte, erwirkte Zira stattdessen Internet-Sperren. Das betraf auch Popcorn Time und andere illegale Portale. In den landeseigenen Medien wurde schon vor einigen Jahren Kritik an dieser Vorgehensweise laut.

Teils arbeitet Zira unabhängig von der MPA (US-amerikanischer Film-Verband) oder RIAA (Zusammenschluss unzähliger US-Plattenlabels), teilweise kooperiert man im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen mit diesen Organisationen.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.