Yop von Shrimps Design im Interview: ASCII-Art made in Germany

Yop von Shrimps Design ist wieder aktiv. Seine letzte ASCII-Collection kam vor wenigen Wochen heraus. Dabei begann alles Anfang der 90er.

amiga 500, yop
Foto vom A500 von Marie aka M-Gem @ Flickr, thx! (CC BY-NC 2.0)

Yop von Shrimps Design ist heutzutage wieder aktiv. Seine letzte Collection kam erst vor wenigen Wochen heraus. Der eher zurückhaltende 45-Jährige aus dem Ruhrgebiet hat aber schon in den 90er Jahren für viel Furore mit seiner ACII-Art gesorgt.

yop

Großes ASCII-Logo für Tarnkappe.info von Yop/Shrimps Design. Danke!!

Was ist überhaupt ASCII-Art?

Künstler der ASCII-Art müssen sich ganz anders ausdrücken. Sie können ihre Darstellungen nicht einfach malen. Sie benutzen dafür lediglich 95 verschiedene Zeichen der Tastatur (siehe oben das Beispiel von Yop). ASCII steht für American Standard Code for Information Interchange. Diese plattformübergreifenden Vorgaben hat man schon im Jahr 1963 festgelegt. Statt eines Malprogramms wie Photoshop oder GIMP nutzen ASCII-Künstler lediglich einen Texteditor. Ihre Kunstwerke sind stets in Schwarz-Weiß.

Wenn Farben dazu kommen, ist es ANSI-Art, die abhängig von der verwendeten Computer-Plattform ganz unterschiedlich aussehen kann. ASCII-Art besteht lediglich aus den Zeichen des lateinischen Alphabets in Groß- und Kleinschreibung, den zehn arabischen Ziffern, einigen Interpunktionszeichen (Satzzeichen, Wortzeichen) und aus wenigen anderen Sonderzeichen. Diese Limitierung stellt für die ASCII-Kunst die große Herausforderung dar. Man muss dazu in der Lage sein, etwas Tolles aus den wenigen vorhandenen Ressourcen (Satzzeichen) herzustellen. Das ist schwerer, als es sich anhört… Wer es einmal ausprobiert hat, wird die Schwierigkeit dieses Unterfangens sehr schnell feststellen. Irgendetwas mit den Zeichen des ASCII-Zeichensatzes zu kreieren, ist nicht kompliziert. Aber wenn es gut aussehen soll, wird es richtig kniffelig.

Viel Einfallsreichtum und Kreativität gefragt.

Die frühen Neunziger Jahre dürfen zweifellos als Blütezeit der ASCII-Kunst angesehen werden. Einer der damals im Heimbereich vorherrschenden Computer war der Commodore Amiga. Die ASCII-Art spielte nicht nur bei den illegalen Mailboxen (Bulletin Board Systems = BBSs) eine große Rolle. Damals haben alle Release Groups auf dem Amiga ihre illegalen Veröffentlichungen mit Logos von ASCII-Künstlern versehen. Die beiden wahrscheinlich populärsten und zugleich innovativsten Vertreter dieser Kunstrichtung nannten sich damals sK!N und Amblin. Vor einigen Monaten haben wir den Berliner SK!N in Deutsch und Englisch befragt. Jetzt ist Yop dran, der zwar nicht so früh aktiv war. Aber auch er konnte viele Fans auf seine Kunst vereinen. Leider benutzen die Gruppen der heutigen Release-Szene nicht mehr so häufig die Logos von irgendwelchen Künstlern, die sich in digitaler Form ausdrücken.

Abwechslungsreiche Hobbys: Fitness, Kampfsport und ASCIIs painten

Tarnkappe.info: Vielleicht möchtest Du Dich zunächst kurz vorstellen?

Yop: Erst einmal vielen Dank, dass Du ein Interview mit mir durchführen möchtest, da fühlt man sich direkt irgendwie geehrt. ;)

Ich heiße Mathias und bin jetzt 45 Jahre alt, bzw. bin Jahrgang 75. Ich wohne in Duisburg/NRW, das schon seit dem ich mit meinen Eltern 1989 aus der ehemaligen DDR abgehauen bin.

Meine Hobbys sind Fitness und Kampfsport, ich habe einige Trainerscheine. Ich bin auch selbst als Trainer aktiv.

Beruflich bin ich im Industriesektor tätig und mit der Herstellung von Getrieben für Windkraftanlagen beschäftigt, diese montiere oder demontiere ich.

 

shrimps design logo

Mit dem Brotkasten fing alles an…

Wann und wie bist Du denn damals überhaupt zum Thema ASCIIs gekommen?

Yop: Angefangen hat alles mit dem Commodore 64. 1989 bekam ich meinen ersten C64 zum Spielen. Einige meiner Klassenkameraden hatten aber schon den Amiga und die Grafik der Spiele war einfach viel besser, sodass ich zu Weihnachten 1990 einen Amiga bekam. Von Anfang an fand ich Gefallen an den Cracktros und Trainern, die vor den Spielen starteten. Da ich mich auf dem C64 schon kurz mit BASIC beschäftigte, war es einfach an der Zeit zu schauen, was man mit dem Amiga und ein paar Tools wie Hex-Editor, Disk Monitoren und Demo Makern machen kann!

Yop: „Es war eine tolle Zeit.“

Und jeden Tag konnte man den Amiga besser verstehen anstatt nur zu spielen. Mittlerweile war ich ein regelrechter ‚Fan‘ von Cracktros, Trainern und dieser ‚illegalen‘ Scene. Ich lernte also immer mehr mit speziellen Tools umzugehen und auch mit dem Texteditor ‚Cygnus ED‘. Ich denke, Cygnus ED war der Editor damals, den fast alle Amiga ASCII Leute benutzt haben, ein großartiger Editor!

Irgendwann bin ich auf eine weiterführende Schule gekommen und lernte NEX kennen, der schon in einer Amiga Gruppe war, heute würden wir sagen eine ‚lokale Lamer Gruppe‘ *lach*. Aber es ging weiter, ich jointe schließlich und von da an ging es Schlag auf Schlag! Zu dieser Zeit machte ich meine ersten Versuche in Sachen ASCII und alles was damit zusammen hängt. Ich hatte einen 3D Style, den man auch noch in meinen ersten ASCII Collections sehen kann. Es kam die Zeit der Modems und den Boards. Von Public Domain Boards ging es in kürzester Zeit zu den richtigen BBS’s.

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File_id.diz logo von yop für die Release Group Hoodlum (HLM).

Yop veröffentlichte 46 ASCII-Collections in rund 20 Jahren

Ich lernte Sysops kennen und kannte in kurzer Zeit alle lokalen illegalen Boards. Damals musste man ja noch für jeden ‚call‘ bezahlen, also hatte man seine lokalen oder deutschen Boards, die man ‚callte‘. Ich lernte mehr und mehr Leute von den Boards kennen und wir schlossen uns immer anderen ‚besseren‘ Gruppen an und gründeten schließlich aus einigen Savage Membern ‚Shrimps Design‚ (kurz Shd). Es wurde Zeit für mein erstes Release.

Dann war ich mit einigen Shd Members beim Westside Meeting’94, ein kleines Scene Event in der Nähe. Dort lernte ich Mr. Vain kennen, den ich von seinen ASCII Collections her schon kannte. Er arbeitete gerade an seiner neuen Collection, gab mir viele Tipps und ich machte direkt ein Gast-ASCII in seiner Collection und er eins in meiner zweiten Collection, die ich kurz nach dem Meeting heraus brachte. Dann ging es richtig ab. Ich brachte eine Collection nach der anderen raus. Mit der Zeit war ich dann auch Cosysop in einigen Boards und machte arbeitete viel an den Designs für die Boards (ANSI). Gleichzeitig war ich Swapper, Cosysop, Organizer und ASCII-Artist…

„Seitdem ging es Schlag auf Schlag.“

Ich bin nun seit 1993 in der Amiga-ASCII Scene tätig und habe bisher 46 Collections rausgebracht, die Letzte jetzt im November (2020) und die nächste Collection ist auch schon in Arbeit.

Von 2010 bis 2019 hatte ich eine Pause gemacht, bzw. hatte mich sozusagen abgemeldet, da hier einfach berufliche und private Interessen eine höhere Priorität hatten und es die Zeit nicht zugelassen hatte…

Aber Mitte 2019 habe ich mich wieder mit der ASCII Scene gewidmet und erst einmal wieder einige alte Kontakte reaktiviert, z.b. mit Ghandy und Dipswitch, zu denen ich damals schon immer guten Kontakt pflegte. Ich werde auch weiterhin in der ASCII-Scene aktiv sein und hier und da mal etwas rausbringen, aber ganz entspannt.

ASCIIs painten – die richtige Musik am Start und schon geht es los…

Und warum auf dem Amiga? Nutzt Du ihn heute noch, oder ab und zu einen Emulator?

Yop: Ich bin halt auf den Amiga ‚hängengeblieben‘ und es war die beste Zeit. Einen Amiga habe ich nicht mehr, ich habe irgendwann meinen A1200 verkauft, weil er nur herumstand und ich die Zeit nicht mehr hatte. Schade, wie ich heute finde.

Einen Emulator benutze ich tatsächlich nur selten. Meine Collection schreibe ich mit dem Editor von Windows mit Topaz Font. Ich mache mir Chiptunes, Cracktunes oder Keygen-Musik an und los geht’s. Dann ist es fast wie damals auf dem Amiga mit Cygnus Ed und den Lieblings-Chiptunes ;)

harikazen

Nerds können auch modisch gekleidet sein. Harikazen: Screenshot der Website vom Kölner T-Shirt-Shop für ASCII- und ANSI-Fans!

Wer waren damals Deine Vorbilder und warum?

Yop: Die Top Leute bei Art-Core, DeZign und Divine Stylers haben damals (93-96) immer richtig fette Collections raus gehauen, da kam über Jahre nur Top Qualität! Es gab auch noch andere Top Gruppen wie Twisted und Aerosol. Das war einfach eine Klasse für sich! Das Schöne zu der Zeit war, dass echt viel herausgekommen ist und man hatte immer etwas zum Anschauen. Das waren sozusagen meine Vorbilder. Jemand Bestimmten hatte ich nicht.

Prof. Ulrich Kelber

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Kontakte zur Szene bestehen bis heute

Hast Du noch Kontakt zu ehemals Aktiven? Warst Du nochmal auf einer Party etc.?

Yop: Ja, ich habe wieder zu einigen Leuten Kontakt, einige sind auch noch, oder wieder, aktiv.

Ich habe mir dieses Jahr sehr viele Partys online anschauen müssen, da wir ja mitten in der Corona Pandemie stecken. Somit konnte ich nicht physisch an einer Party teilnehmen. Eigentlich wollte ich zur Evoke dieses Jahr und auf eine holländische Party, die nicht weit von mir stattfindet! Ich schaue mir meistens alle Partys online über Twitch an, meistens zusammen mit meinem Kumpel ’nEx/shd‘. Nun ja, wir hoffen, dass wir 2021 wieder eine Party besuchen können. Schön wäre wieder die Evoke oder die Under Construction, egal Hauptsache wieder ’ne Party! Aber definitiv wird man mich wieder auf einer Party sehen!

Yop freut sich über jegliches Feedback

Skin schreibt an seiner Autobiographie, Zaner hat vor Jahren seinen T-Shirt-Shop HarikaZen aufgemacht, welche Projekte hast Du vor Augen?

Yop: Ich habe eigentlich nichts diesbezüglich vor. Es bleibt einfach ein Hobby bei dem ich sehr gut abschalten kann und bei dem ich mich künstlerisch etwas entfalten kann, wenn man das so nennen darf. Ich freue mich, wenn mich Leute von damals, oder Sysops anschreiben, ob ich ASCIIs oder ANSIs für sie machen kann. Und wenn denen meine Arbeit dann gefällt, um so besser. Das ist meine Motivation.

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Yop in Köln auf der Evoke 2007. Ausschnitt eines Fotos von Slengpung, thx!

Die Favoriten von Yop sind der A500 & A1200

Die Amiga-Demoszene konzentriert sich vermehrt auf die alten ECS-Geräte wie den A500, A1000, A3000 etc. Was hältst Du davon? Was ist dein Favorit? ECS, AGA ? Oder sogar PPC?

Yop: Meine beiden Favoriten sind ganz klar der 500er und der 1200er. Leider kam der Amiga 1200 etwas zu spät, weshalb es dann zu wenig AGA Coder gab. Ganz allgemein betrachtet fehlte es in meinen Augen an Support. Der Amiga 500 ist und bleibt für mich der Klassiker. Ich verbinde mit dem A500 eine tolle Zeit und ohne meinen A500 wäre ich nicht in der Amiga Scene.

Ich denke, das ist ein gutes Schlusswort. Yop, vielen Dank für das Ausfüllen der Antworten für unser Interview! Eine englischsprachige Version des Interviews ist hier verfügbar.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.