Xtream Codes IPTV-Razzia: Folgen umfangreich, Situation verwirrend

Xtream Codes – Black IPTV: Die von der EU-Behörde Eurojust koordinierte polizeiliche Aktion in mehreren Staaten hinterlässt viele Fragezeichen. Auch die Pressemitteilung nebst der Pressekonferenz der italienischen Behörden waren nicht dazu und der Lage, für die Betroffenen für mehr Klarheit zu sorgen.

Die internationale Strafverfolgung richtet sich gegen die Betreibergesellschaft von Xtream Codes nebst den vielen illegalen Anbietern, die diese Software in Anspruch genommen haben. Allerdings konnte man bei Xtream Codes selbst nur die Software mieten. Es gab dort schlichtweg keine illegalen Inhalte. Die Software ist legal, allerdings wird sie zumeist zu illegalen Zwecken eingesetzt. Trotzdem gingen die Behörden konzentriert gegen die Betreibergesellschaft vor, weil die Spur weiter zu den vielen Portalbetreibern führen soll, die an den bezahlten IPTV-Streams gut verdient haben dürften.


Xtream Codes: Behörden folgen der Spur des Geldes

xtream codesAm Mittwoch soll mindestens ein IPTV-Anbieter vom Netz genommen worden sein. 181 Server wurden heruntergefahren, 800.000 Benutzer hat man vom Xtream Codes-Dienst getrennt. Anfangs war nur von 700.000 Personen die Rede, wo der Bildschirm plötzlich schwarz wurde. Nach eigenen Angaben hatte das Unternehmen 50 Millionen Nutzer weltweit. Wenn jeder Nutzer 12 Euro aufwärts pro Monat gezahlt hat, gibt es einige Geldwege, die man daraufhin überprüfen kann. Laut Pressekonferenz waren die Finanzinformationen der Betreibergesellschaft wohl sehr mangelhaft, weil unvollständig. Die Beteiligten der Durchsuchungen sind mit ihrer Aktion vollauf zufrieden. Man habe damit ein „klares Signal an die Kriminellen ausgesendet“, dass die Behörden dazu in der Lage seien, auch auf derart spezialisierte kriminelle Aktivitäten angemessen zu reagieren.

Fokus liegt nicht bei den kleinen Schwarzsehern

Dennoch habe man den Fokus auf die Betreiber der Software und nicht auf die vielen IPTV-Schwarzseher gelegt. Man wolle nicht die Endkunden verfolgen, sondern die Verantwortlichen dingfest machen, hieß es. Zur Offenlegung des Signals habe man physischen Zugriff auf die Server der Hosting-Provider ausgeübt. Das Signal ging vom Server aus in alle Welt an die zahlende Kundschaft. 93 Server hat man alleine in den Niederlanden deaktiviert. Von dort aus gingen die IPTV-Signale vor allem nach Italien. Den Hosting-Provider habe man missbraucht, niederländische Bürger wären keine Kunden gewesen. Man wolle es schlichtweg nicht, dass diese technischen Dienste für irgendwelche kriminellen Zwecke genutzt werden, sagte der niederländische Kollege bei der Pressekonferenz.


Operation Black IPTV – Video von den Beschlagnahmungen.

Wie umfangreich sind die Informationen, die man erlangen konnte?

iptv panel professional xtreme codesEs gibt viele Fragen, die in den einschlägigen IPTV-Foren gestellt werden. Interessant wäre es natürlich zu wissen, ob und welche Informationen die Behörden über die Kunden der Software (also die illegalen Anbieter) erhalten konnten. Die Kundenliste ist die eigentliche Goldgrube, die man anzapfen wollte. Sollte man die vielen illegalen Anbieter anhand der Kontonummern und anderen Daten identifizieren können, so wird dies zweifellos auf die Piraterie Auswirkungen auf globaler Ebene haben.

Die Lage ist besonders prekär, weil Xtream Codes extrem populär war. Zwar besitzt die Software kein Alleinstellungsmerkmal. Dennoch wird es einige Zeit dauern, bis der Wettbewerb diese große Lücke schließen kann. Und die Razzia beweist, dass man gar keinen illegalen Dienst anbieten muss, um dennoch in den Fokus der Behörden zu gelangen.

xtream-codes.com ist und bleibt down

Die Webseite des Anbieters unter der URL xtream-codes.com leitet seit heute früh teilweise auf eine Spyware-Seite um. Teilweise wird Werbung für bezahlte Links angezeigt. Die Betreiber der Xtream Codes LTD. hatten ja am Mittwoch bei Telegram (siehe unser Update bzw. Screenshot im Artikel) angekündigt, dass die Downtime angeblich nur eine Folge ihrer Software-Umstellung sei. Für viele Beobachter sah es hingegen so aus, als wenn man mit der Ankündigung vor allem die zahlende Kundschaft beruhigen wollte. Das hat sich jetzt wohl bewahrheitet.

Tarnkappe.info

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Fotos von der Serverbeschlagnahmung: © Polizia di Stato (IT)

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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