Wolfenstein 3D auf einem Gameboy Color

castle wolfenstein 3d gameboy color Anders Granlund
Dem schwedischen Programmierer Anders Granlund gelang es, mithilfe einer eigenen Cardridge die ersten 10 Level des Ego-Shooters Wolfenstein 3D auf einem Gameboy Color (GBC) umzusetzen. Da man das Spiel nicht portieren kann, musste die Umsetzung von Hand geschehen. Auf der Spielecardridge sind nur 5 Kilobyte Arbeitsspeicher vorhanden, um den Innhalt des Spieles von id Software zu speichern. Der Gameplay ist flüssig.

Der Bastler Anders Granlund beschreibt die einzelnen Schritte der Entstehung von Wolfenstein 3D auf seinem Blog Happydaze.se. Im Prinzip ist die Umsetzung ein Schwindel, denn die Cardridge ermöglicht die Hardware von Nintendo zu Fähigkeiten, die sie sonst nicht bietet. Der Gameboy Color wird lediglich als Ein- und Ausgabegerät genutzt, die eigentliche Berechnung der dreidimensionalen Level dieses Ego-Shooters geschieht mithilfe der Cardridge selbst.


Probleme hatte Granlund vor allem mit der Farbgebung des GBC. Auf seinem Blog schrieb er: „The Gameboy has a clunky way of handling colors. Especially if you try to do anything other than rendering tiles. It has a total of 8 palettes of 4 colors each, and each 8×8 tile can be assigned to one palette.“ Nachdem er die Farbpalette einschränkte und dafür Grautöne verwendete, konnten die Texturen angezeigt werden. Die minimalistische Ausnutzung der Hardware erlaubte den Einbau weiterer Objekte und Gegner, die versuchen, das Leben des Spielers zu erschweren. Nachdem 10 Level realisiert wurden, sind noch immer 3 KB vom Arbeitsspeicher frei. Der Ablauf des Spieles ist trotz der uralten tragbaren Spielkonsole überraschend flüssig, Granlund ist mit seiner Portierung ein echter Meilenstein gelungen. Mithilfe mehrerer Videos seines eigenen YouTube-Kanals kann man die Entwicklung des Spieles recht gut nachvollziehen.

nintendo game boy color gbc yellowHintergrund: Der Vorläufer des Spieles war Castle Wolfenstein, das erstmals von Muse Software im Jahr 1981 auf dem Apple II und später auf dem C64 und anderen Homecomputern veröffentlicht wurde. Wolfenstein 3D erschien zunächst im Jahr 1992 auf dem Betriebssystem MS DOS. Der Klassiker unter den Ego-Shootern erzählt die Geschichte eines amerikanischen Soldaten, der sich im Zweiten Weltkrieg gegen den Willen der Nazis aus der Burg Wolfenstein befreien will. Wegen der Verwendung verbotener nationalsozialistischer Symbole wurde das Spiel 1987 in der Bundesrepublik Deutschland indiziert und erst 2012 wieder vom Index genommen.

Auf den unterschiedlichsten Plattformen wurden diverse Fortsetzungen dieses Klassikers veröffentlicht. Nach Wolfenstein 3D entwickelte die Firma id Software übrigens den Verkaufsschlager Doom. 2005 kam davon sogar eine Videospielverfilmung in die Kinos.

Alte Hardware, flüssiger Klassiker: Wolfenstein 3D auf dem GBC.

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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Ein Kommentar

  1. Jens sagt:

    Ich finde solche „Portierungen“ sehr gelungen, und machen Lust darauf, mal selbst alte Titel auszupacken.
    Davon abgesehen steckt doch recht viel Arbeit dahinter, erstmal die Cardridge zu Bauen, und dann auch noch die Software entsprechend anzupassen. Also nix für mich :D

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