WhatsApp darf nicht an Schulen eingesetzt werden

Article by · 10. April 2017 ·


Die Berliner Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk hält den Einsatz des Messenger-Dienstes WhatsApp an Schulen für rechtswidrig. Ein Vater hatte sich über die Eröffnung einer WhatsApp-Gruppe eines Lehrers beschwert. Dadurch sollte der Informationsfluss erleichtert werden. Die zuständige Senatsverwaltung widerspricht aber ausdrücklich der Nutzung sozialer Netzwerke und Chatdienste für derartige Zwecke.

Ein  Klassenlehrer eröffnete die Gruppe mit den Handynummern aller Schülerinnen und Schüler, um Informationen über Hausaufgaben, Übungen, Terminverschiebungen etc. leichter weitergeben zu können. Der Vater eines Schülers beschwerte sich über die Nutzung der privaten Mobilfunknummer seines Schützlings. Nach Meinung der Berliner Datenschutzbeauftragten handelt es bei den WhatsApp-Chatverläufen um eine Übermittlung von personenbezogenen Daten, die nur im Rahmen des Schulgesetzes Berlin zulässig sei. So wird im Gesetz festgeschrieben, dass vor der Übermittlung personenbezogener Daten sich alle Betroffenen damit einverstanden erklären müssen, was hier aber nicht der Fall war. Auch fand keine ausreichende Unterrichtung der Betroffenen statt.

Frau Smoltczyk bemängelt zudem in ihrem Jahresbericht 2016, dass WhatsApp dem US-amerikanischen Recht unterliege und seinen Nutzern somit kein angemessenes Datenschutzniveau anbiete. Das Unternehmen könne dazu gezwungen werden, Daten an US-Behörden und andere Einrichtungen zu übermitteln. Nach Eingang der Beschwerde wurde die Schulleitung in dieser Angelegenheit „entsprechend beraten“. Die WhatsApp-Gruppe der Klasse wurde zeitnah aufgelöst und eine Datenschutzschulung für alle Lehrkräfte angesetzt.

Hintergrund: Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft hatte Anfang 2016 den Entwurf einer „Ausführungsvorschrift zur Nutzung sozialer Medien durch Dienstkräfte an Schulen“ vorgelegt, der allerdings wieder zurückgezogen wurde. Bedenken von Schulleitungen wurden laut, dass das Verbot die pädagogischen Freiräume der Lehrkräfte im Umgang mit sozialen Medien zu sehr einschränke. „Damit wurde eine Chance vertan, vor Ort in der Schulpraxis für rechtsklare Verhältnisse zu sorgen“, fasst Maja Smoltczyk die Situation in ihrem Jahresbericht zusammen.

 

Foto: Jan, thx! (CC0 1.0)

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10 Comments

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    HaHaHausmeister

    Mal ne doofe Frage, das mit der Schule ist bei mir schon eine Weile her: Was gibt es denn in der heutigen Zeit so wichtiges, dass mich mein Lehrer bzw. meine Lehrerin via Handy rund um die Uhr kontaktieren können muss? Und welcher Schüler hat da nach Schulscluss denn noch Bock drauf?

    „Hausaufgaben, Übungen, Terminverschiebungen etc“ ist doch jetzt nichts, was man nicht auch in der regulären Schulzeit abklären kann und falls doch nicht, was steht dem im Weg?

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    rethmann

    In unserer Firma (möchte ich hier nicht nennen) gibt es iPhones mit vorkonfigurierten Whatsapp Gruppen als Firmenhandy. Die Händler sind sogar angewiesen darüber zu kommunizieren weil es so praktisch ist. Dort sind auch alle (weit über 1.000 Deutschlandweit) internen Kontakte bereits hinterlegt, aka v.nachname@xxx.eu immerhin auch der Nachname als E-Mail Adresse. Den meisten (oder sogar allen?) ist die private Nutzung erlaubt, was natürlich fast alle nutzen. Ich weiss gar nicht wieso eine Europaweit (und im kleineren Bereich auch Weltweit) agierende Firma so etwas tut, es gibt immerhin eine Riesen IT-Zentrale die bestimmt auch Kapazitäten für ein eigenes sicheres Messenger System über hätte.

    Ich kanns mir nicht erklären wieso die Mitarbeiter, Manager, IT´ler, Nutzer sich da eigentlich keine Gedanken drüber machen. Entsetzt mich jedes mal aufs neue. 1984 ist echt schon zu lange her, kennt wohl keiner mehr.

    Eine klare gesetzliche Ansage bezüglich Whatsapp im Gewerblichen Bereich würde ich fast genau so befürworten wie im Schulbereich, wo es immerhin um „unmündige“ Kinder geht. Vielleicht machen sich dann auch die Privatmenschen bzw. Schüler mal Gedanken warum sie es nicht nutzen sollten.
    Morgens in den Öffis haben viele (fast alle) Schüler ihr Smartphone in der Hand, bei den meisten blitzt der WA Bildschirm auf, ganz selten spielt mal einer irgendein Jewel Quest. Traurig, wofür wir diese Technologie nutzen, bzw. unsere Kinder dazu erziehen sie nur so zu benutzen.

    p.s.
    Eine Monitoring App oder Mobile Device Managment, weiss nicht genau wie man sie nennt bzw. welche genau, ist auch vorkonfiguriert auf den Firmenhandys mit drauf.

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    Anderer Lars

    Immerhin wissen wir jetzt, woher Jugendliche ihren unbeschwerten Umgang mit Daten haben.

    Es ist doch einfach absurd, die Lehrer-Schüler-Kommunikation über Dienstanbieter im Ausland mit fragwürdigen AGB abzuwickeln.

    Wenn man das Smartphone unbedingt in den Unterricht integrieren will bzw. muss (Kapitulationserklärung), dann doch bitte mal die Informatik AG fragen. Oder eine Ausschreibung für ein eigenes Portal in die Wege leiten. Oder einen eigenen Server aufsetzen.

    In welche Röhre schauen eigentlich Kinder, deren elterliches Budget kein Raum für techn. Schickschnack hergibt? Schul-Handys? Wohl kaum.

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    Eberhard Blocher

    Ein Klassenlehrer eröffnete die Gruppe mit den Handynummern aller Schülerinnen und Schüler.

    Und was ist daran eine Nachricht? Soweit ich weiß, gibt es eigentlich in fast jeder Klasse in Deutschland eine solche WhatsApp-Gruppe.

    Man kann das durchaus kritisch sehen. Aber dann soll Frau Smoltczyk auch sagen, welche Alternative es gibt.

    Der Einsatz von sozialen Medien wie „WhatsApp“ zur dienstlichen Kommunikation von Lehrkräften mit Dritten (z. B. Schülerinnen und Schülern, Eltern) ist rechtswidrig, behauptet sie.

    Das ist schön. Aber dennoch wird das halt überall gemacht, weil es praktisch ist.

    Merke: nicht alles, was rechtswidrig ist, verschwindet.

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      Wenn die Lehrer die Anweisung bekommen, wird das natürlich sehr wohl aufhören. Es gibt genug alternative Messenger, deren Server nicht in den USA stehen. Die Schüler untereinander können ja gerne WhatsApp-Gruppen gründen, bis der Arzt kommt, das ist etwas ganz anderes. Sobald der Dozent dazukommt, sieht die Rechtslage einfach anders aus, die Gründe dafür wurden ja hinreichend ausgeführt.

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        Eberhard Blocher

        Juristisch ist das alles völlig richtig. Es ändert nur eben nichts an der Realität.

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      Provokant

      Die Frage, ist wie haben die das nur vor Whatsapp gemacht.
      Eventuell sollte man Historiker und Archäologen mit der Erforschung dieser hochinteressanten Frage betrauen um evidente Antworten zu erlangen.
      Da ja mal jemand an unsere Kinder denken sollte, sind aus meiner Sicht mindestens fünf Milliarden und eine Forschungsgruppe die von von der Leyen geleitet wird angemessen.
      Eine eigene Forschungsgruppe welche sich mit den Folgen einer solchen Umstellung auf das Seelenleben der Kleinen beschäftigt darf auf keinen Fall vergessen werden. Auch hier sollte man nicht kleckern sondern klotzen.
      Sollte das aus nicht nachvollziehbaren Gründen nicht moglich sein, muss man wohl auf Brain zurückgreifen und ca eine Minute googeln.

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        Es gab auch ein Leben vor dem Handy, wir haben damals nur mit Festnetz überlebt, kaum zu glauben. ;-)

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          Man hat sich gegenseitig (vergebens) zurückgerufen bis man sich dann irgendwann mal nach ein paar Fehlversuchen zuhause erreicht hat :)

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    Nicht mehr als richtig WhatsApp aus dem Schulgebrauch zu verbannen. Überhaupt sollte der Einsatz in allen öffentlichen Einrichtungen untersagt werden. Auch Unternehmen sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie nicht wissen, welche Daten letzten Endes verarbeitet werden und was mit diesen Daten geschieht. Sie können im Zweifel aber dafür haftbar gemacht werden.


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