Unter dem Radar: Der satirische Monatsrückblick (Januar/2018)

Ist der Beginn eines neuen Jahres auch sonst ein Zeitpunkt des Neuanfangs? Wir hatten es gehofft – nur um, wie so oft, bitterlich enttäuscht zu werden. Statt schöner neuer Welt gab es wieder einmal viel, womöglich zu viel vom Altbekannten. Überzeugt euch selbst in unserem Monatsrückblick.

Subversives von der Fiffi-Front

Zu denjenigen, die sich vermutlich so schnell nicht ändern werden, gehört US-Präsident Donald Trump. Auch im Jahr 2018 ist er weiterhin sein übliches charmantes, eloquentes, weltoffenes Selbst. Das führt natürlich dazu, dass auch Trumps Gegner weiterhin ihrer Agitation gegen den Großmeister des Toupets treu blieben. So veröffentlichte Michael Wolff ein viel beachtetes Trump-Enthüllungsbuch namens “Fire and Fury”. Das allerdings wurde nicht nur in Buchhandlungen in aller Welt verkauft – sondern auch ganz subversiv auf den Enthüllungsplattformen WikiLeaks und Cryptome veröffentlicht. Warum, weiß keiner so genau, denn eigentlich sind diese Plattformen ja eher für Geheimpapiere zuständig. Ein Buch, dass sich mit zwei Klicks beim Online-Buchhändler der Wahl bestellen lässt, ist ja dann eher… nicht so geheim. Womöglich war die “gefühlte Subversivität” des Machwerks allein durch die Tatsache, dass es gegen Trump ging, hoch genug…

Dass die Plattformen unbekanntes Terrain betraten, zeigte sich allerdings an ihren Schwierigkeiten, den schwer gefährlichen geheimen Leak auch verfügbar zu halten. Während Cryptome dabei durchaus Erfolg hatte, war der WikiLeaks-Download schon nach kurzer Zeit wegen Problemen mit dem Webspace wieder offline. Wahrscheinlich waren geheime US-Behörden schuld, die auf diese Weise die Verbreitung des geheimen… ähm, whatever. Nach den Details müsst ihr vermutlich Julian Assange persönlich fragen. Der weiß zum Thema “das ist keine Inkompetenz, sondern eine Verschwörung” eigentlich immer etwas zu sagen.

Apropos Julian Assange: dessen Rolle in dieser Geschichte ist der einzige wirklich überraschende und mysteriöse Teil. Jahrelang sah es immerhin so aus, als sei der Australier getreu dem Motto “der Feind meines Feindes ist zumindest keinen Leak wert” durchaus bereit, sich mit Trump gegen die beiden zutiefst verhasste Hillary Clinton zu verbünden. Nun allerdings wirkt es so, als sei er bereit, zumindest pro forma gegen den New Yorker Haarteilhalter vorzugehen. Wir dürfen gespannt sein, wie es weiter geht. Trump seinerseits war ja Assange von Anfang an nicht allzu zugetan, war er doch auf dem Standpunkt, dass WikiLeaks eine Horde von Verrätern sei. In Trumps Weltbild sind eigentlich alle Verräter außer Mutti (oder Leuten, die ihren Wahlkampf von den Russen unterstützen lassen), aber dennoch dürften die Damen und Herren der Enthüllungsplattform das nicht allzu gerne gehört haben. Womöglich zeichnet sich hier ein interessanter neuer Konflikt ab.

Out of London?

Grafik von Shamantrix, thx!

Auch in anderer Hinsicht sorgte Julian Assange im vergangenen Monat für Schlagzeilen. Der seit Jahren in der Botschaft Ecuadors in London ausharrende Aktivist schaffte es, sich einen ecuadorianischen Pass zu besorgen. Das heizte wieder einmal Spekulationen darüber an, ob er bald schaffen könnte, sein Exil zu verlassen. Noch sitzt er allerdings dort fest, spielt mit seiner Katze und twittert. Gelegentlich twittert auch die Katze. Wir dürfen gespannt sein, wie es weiter geht.

Skype: Auf zu neuen alten Ufern

Ein weiteres alt bekanntes Phänomen: wenn es um Features, die jeder haben will, oder um Sicherheit geht, kommt Microsoft grundsätzlich zu spät zur Party. Auch dieser alt bekannten Tatsache blieben wir im Januar treu. Nur zwei Jahre nach einem Großteil der Konkurrenz erhielt nun auch Microsofts Kommunikations-Tool Skype eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Damit allerdings verlor Skype sein wichtigstes Alleinstellungsmerkmal. Bisher war Hangouts “das für Google-Angestellte und Ingress-Spieler”, WhatsApp “das für alle einschließlich Oma”, Signal “das für Aktivisten und Paranoide” und Skype “das für diejenigen, denen der Gedanke gefällt, dass immer die Regierung zuhört”. Wir dürfen gespannt sein, ob sich nun eine neue Nische findet oder Skype den Weg alles Irdischen, konkreter von Windows Phone geht.

Das Pferd auf meinem Smartphone

Wer jetzt allerdings glaubt, bei einem der Skype-Konkurrenten unbedingt besser aufgehoben zu sein, wird ebenfalls enttäuscht. Dank Staatstrojaner können auch verschlüsselte Chats direkt auf dem Gerät des Verdächtigen abgehört werden. Medienberichten zufolge wird das auch schon fleißig praktiziert. Gute Nachrichten für Exhibitionisten, CDU-Politiker und die Anbieter von berittenen Botendiensten. Bei allen anderen dürfte sich die Begeisterung eher in Grenzen halten.

Was man sich allerdings unweigerlich fragt: Wo nehmen die Behörden einen funktionsfähigen Trojaner her? Nach wie vor sind ihnen die nötigen Kenntnisse zum Selbst-Programmieren kaum zuzutrauen. Sie werden doch nicht schon wieder verbotenerweise extern eingekauft haben…?

Wenig Neues

Traditionalisten können ganz beruhigt sein: auch 2018 scheint alles beim Alten zu bleiben. Kuschelt euch getröstet in die Decke des Vertrauten und genießt das Schauspiel von Donald Trump, Julian Assange und allen Anderen, die uns so tapfer mit ihren aberwitzigen Eskapaden unterhalten. Wir werden ebenfalls für euch dranbleiben und lesen uns im Februar wieder. Bis dahin bleibt gesund und skyped nicht zu viel!

Vielleicht gefällt dir auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.