Unter dem Radar: Der satirische Monatsrückblick (Februar/2018)

Der Februar, das weiß jedes Kind, hat im Gegensatz zu anderen Monaten nur 28 Tage. Das gab den Ton an für die Geschehnisse dieses Monats, denn auch neben dem bedauernswerten Februar selbst gab es in den letzten vier Wochen so einiges, das hinter den Erwartungen zurück blieb. Doch lest selbst im satirischen Monatsrückblick.

Lücken in Trojas Mauern

Nehmen wir zum Beispiel die Sicherheitspolitik der Bundesregierung. Diese hat zwar kürzlich einen Staatstrojaner namens “FinSpy” für den Einsatz auf den Geräten Verdächtiger freigegeben. Berichte, denen zufolge das Pferdchen schon auf Mobiltelefonen zum Einsatz gekommen ist, erwiesen sich aber als arg übertrieben.

Wo, liebe Leserinnen und Leser, soll das hinführen? Da entstehen doch eklatante Schutzlücken. Die Nutzung moderner Technologie ohne Bundestrojaner sorgt dafür, dass Polizeiarbeit nicht mehr wie gewohnt durchgeführt werden kann. Stellt euch mal vor, ihr könntet eure Briefe einfach in Umschlägen verschicken und niemand würde sie lesen. Oder ihr geht mit dem oder der Liebsten spazieren und niemand hört euren Gesprächen zu. Oder ihr singt gar unter der Dusche, ohne dass jemand GEMA-Gebühr dafür verlangt. Wir hätten in kürzester Zeit Chaos und Anarchie und mindestens einen Terroranschlag pro Stunde.

Aber in der digitalen Welt müssen wir dergleichen anscheinend dulden, nur aufgrund der Inkompetenz unserer Behörden. Schlimme Zeiten…

Brüder und Schwestern im Geiste

Die Bundesregierung, so wurde im Februar ebenfalls bekannt, kann sich aber mit ihrer Abscheu gegen Verschlüsselung in guter Gesellschaft fühlen. Während hierzulande mit wechselndem Erfolg am Staatstrojaner gebastelt wird, ist man in China schon einen Schritt weiter. Auf der Plattform “Sina Weibo” wurde kurzerhand sämtliche Werbung für Krypto-Themen untersagt.

Da können sich unsere Politikerinnen und Politiker doch richtig gut fühlen. Nichts erweckt so viel Vertrauen in das eigene demokratische Bewusstsein wie Zustimmung aus der Volksrepublik. Womöglich sollte die Regierung endlich Nägel mit Köpfen machen und eine eigene große Firewall in Erwägung ziehen. “Berliner Mauer” klingt doch irgendwie geschichtsträchtig…

 

Der Narr oder der Narr, der ihm folgt?

glosse

Wo wir gerade bei internationaler Zusammenarbeit sind: Deutschland hat noch immer eine Vorbildfunktion für die europäischen Nachbarn. Leider, und jetzt kommt die Enttäuschung, geht es dabei weder um unser Bier noch um die großartige Leistung unserer Eishockey-Mannschaft. Anlass zur Nachahmung bietet vielmehr das Netzwerkdurchsetzungsgesetz.

Jetzt könnten optimistische Menschen noch hoffen, dass endlich auch Franzosen, Finnen und Niederländer so tolle zusammengesetzte Substantive bauen wollen wie wir. Netzwerkdurchsetzungsgesetz, Donau-Dampfschifffahrtsgesellschafts-Kapitäns-Patent, Rindfleisch-Ettikettierungs-Überwachungsaufgaben-Übertragungsgetz. Das wäre doch für Leute, die Sprachspiele lieben, ein Experiment wert.

Leider ist das aber auch weit gefehlt. Statt linguistischer Kreativität bewegt die Politikerinnen und Politiker wieder einmal der schlichte Wunsch nach Kontrolle. Sie sind offensichtlich der Ansicht, ein Gesetz, das für eine weiträumige Zensur kontroverser Inhalte sorgt, indem es Plattform-Betreiber (die weder Anwälte noch Richter noch Hellseher sind) mit Strafen für rechtswidrige Postings bedroht, sei eine gute Idee. Wenn das nicht enttäuschend ist, weiß ich es auch nicht.

Meta-Enttäuschung

Mit diesen eher düsteren Beobachtungen verabschiede ich mich von euch. Ich hoffe, der Monatsrückblick hat euch Spaß gemacht, auch wenn es wieder einmal vor allem um Verfehlungen und Unzulänglichkeiten ging. Trösten wir uns damit, dass die Mächtigen immerhin die Erwartung, dass sie uns enttäuschen werden, niemals enttäuschen. In diesem Sinne: bis zum März und somit zum nächsten satirischen Monatsrückblick!

Eure Annika Kremer

 

Quelle Beitragsbild, Trojanisches Pferd, Clown, thx! (CC0 1.0)

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