Unter dem Radar: Der satirische Monatsrückblick (August/2017)

Mitunter heißt es von einer Person, einer Sache oder einer Idee, er oder sie sei einfach seiner oder ihrer Zeit voraus. Aktuell haben wir das zum Beispiel mit dem Herbst. Der Sommer hat gefühlt noch gar nicht richtig angefangen, da ist er auch schon wieder vorbei. Kühle Nächte, Landregen und fallende Blätter sind allerdings nicht die einzigen Dinge, die absolut zum falschen Zeitpunkt kommen. Im Wahlkampf-Chaos ließ es auch so manche Politikerin und mancher Politiker am Gespür für Timing vermissen. Einen Einblick in das Chaos liefert der satirische Monatsrückblick.


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Die Fast-Kryptowährung

Manche Dinge passieren, wie oben erklärt, einfach zum falschen Zeitpunkt und wirken dadurch peinlich, schrullig oder beides. Dann gibt es aber auch Dinge, die passieren, obwohl es für sie schlichtweg keinen richtigen Zeitpunkt gibt. Beispiel gefällig? Eine Firma, die behauptet, eine Krypto-Währung anzubieten, welche die Anonymität schützt, nur um dann auf höfliche Nachfrage der Behörden hin diese Daten auf einem Silbertablett zu überreichen. Der Name des übereifrigen Butlers? Die Bitcoin Deutschland AG. Warum die Betreibergesellschaft schneller umfällt, als die SPD in der Bundestagsdebatte, wird wohl ihr Geheimnis bleiben, aber das Vertrauen der Nutzergemeinde dürfte erst einmal dahin sein. Aber auch das ist ja dann eine weitere Parallele zur SPD…

Übrigens: wer per PaySafeCard anonym bezahlen will, ist auch nicht viel besser dran. Letztendlich bleibt wohl nur wieder, Wolle gegen Getreide zu tauschen oder etwas in der Art…

Per Schneckenpost in die Vergangenheit

Entgegen der generellen Tendenz wüsste ich eine Idee, deren Zeit definitiv gekommen ist: Schnelles Surfen im Mobilfunk-Netz für alle. Leider ist auch das in Deutschland Zukunftsmusik. Manch einer mag nun einwenden, dass das, zumindest in Ballungsgebieten, doch bereits möglich ist. Aber leider schlägt hier der viel zitierte Unterschied zwischen Theorie und Praxis zu Buche.

Viele Mobilfunk-Provider werben mit Surfgeschwindigkeiten von bis zu 500 MBit pro Sekunde im LTE-Netz. Das hört sich durchaus beeindruckend an. Nun stellte sich aber heraus, dass diese Werte in der Praxis kaum jemals erreicht werden. Ein „reiner Werbetrick“ seien diese Aussagen, kritisiert nun ein Whistleblower. Für die Kundinnen und Kunden ist das ein wenig so, als hätten sie einen schnittigen Ferrari gekauft, um dann zuhause unter der Motorhaube nur einen Smart-Motor vorzufinden.

In Deutschland müssen wir wohl auf schnelles LTE noch eine Weile warten. Einzige Alternative wäre womöglich, die Nutzung der Einwahlmasten drastisch zu reduzieren – frei nach dem Motto „hör auf zu telefonieren, ich will ins Internet“… Damit hätten wir zumindest den Kreis geschlossen und wären beim Thema „pure Nostalgie“. Zumindest dürften das AOL-Einwahlgeräusch und der markante Signalton von ICQ den Kindern der 1990er die Wartezeit auf ihr Video verkürzen…

Die Schatten der Vergangenheit

Neben Ideen, die so richtig zu keinem Raum-Zeit-Kontinuum zu passen scheinen, und solchen, die schon lange überfällig sind, aber noch auf sich warten lassen, gibt es auch solche, die eigentlich veralteter sind als ein 56k-Modem. Problematisch wird es dann, wenn die Herrchen und Frauchen dieser eigentlich eher bedauernswerten Geschöpfe das dann nicht merken und ihre Zombie-Missgeburten immer wieder in die Öffentlichkeit zerren. So eine Idee ist beispielsweise die exzessive Überwachung. Dieses Thema wurde in den frühen Nullerjahren nun wirklich schon zur Genüge diskutiert; Ergebnis: bringt nichts und außer der Politik wollen es die Wenigsten wirklich haben. Das allerdings ficht einige Politikerinnen und Politiker nur bedingt an. Jüngstes Beispiel: Zombiedompteur Joachim Hermann, der erst kürzlich wieder eine flächendeckende Videoüberwachung für Bayern forderte. Vielleicht hat er Angst, dass sich irgendwo zwischen den Gipfeln extremistische Cybers verstecken….

Unterstützt wurde Hermann auf Bundesebene sogleich von Thomas de Maizière. Unser Bundesinnenminister hat ja schon lange bewiesen, dass streberhaftes Aussehen leider keineswegs mit der Klugheit und Empathie einer Hermine Granger einhergehen muss – und tritt diesen Beweis in Überwachungsfragen gerne jeden Tag erneut an. Er wünscht sich nicht nur eine Erweiterung der Videoüberwachung, sondern zusätzlich noch die Möglichkeit der Gesichtserkennung – man muss ja wissen, welches extremistische Cyber einem da gerade so über den Weg läuft.

Meine Herren, 1984 hat angerufen. Es will seine dummen Ideen zurück.

Mit Vollgas in den Wahnsinn

Wie diese kleine Auswahl zeigt, beweisen viele Menschen ein wirklich erbärmliches Gespür für den Lauf der Dinge und den richtigen Zeitpunkt. Das dürfte sich in den nächsten Wochen sogar noch verschlimmern, nähert sich doch – so viel lässt sich trotz aller Verwirrung über den zeitlichen Lauf der Dinge sicher sagen – die Bundestagswahl mit großen Schritten. Aber davon lest ihr dann im nächsten satirischen Monatsrückblick. Bis dahin bleibt gesund und kommt gut durch den Wahnsinn!

 

Quelle Beitragsbild, thx! (CC0 1.0)

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