Session Logging: Dänemark will Surfverhalten lückenlos überwachen

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Moderne Überwachung in Skandinavien. Modell im Moderna Museet, Stockholm. Foto: Lars Sobiraj.

 

Die dänische Regierung will das „Session Logging“ wieder einführen. Dabei sollen zuzüglich zur Vorratsdatenspeicherung alle aufgerufenen Webseiten und der Inhalt von IP-Paketen von den dänischen Internetanbietern gespeichert werden. Zudem will man auch die Verbindungen via ICQ, Jabber, Skype & Co. analysieren.

Vertreter der dänischen Telekommunikationsanbieter haben bereits ihre Bedenken bezüglich der geplanten Wiedereinführung des „Session Logging“ geäußert. Die Pläne des dänischen Justizministeriums widersprechen eindeutig der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes aus dem Jahr 2014, wonach die pauschale Erfassung aller Internetaktivitäten verboten ist.

Die neuen Pläne gehen aber über die frühere Protokollierung hinaus. EDRi und die dänischen ISPs beklagen die geplante totale Überwachung aller Online-Aktivitäten eines jeden dänischen Surfers. Justizminister Søren Pind bestätigte gegenüber der Presse die durchgesickerten Pläne, anlasslos jeden Internet-Nutzer zu überwachen. In der Vergangenheit wurde das „Session Logging“ lediglich in wenigen Einzelfällen praktiziert. Zudem soll der dänische Inlandsgeheimdienst Politiets Efterretningstjeneste (PET) Informationen über Verbindungen via Skype, ICQ, iMessage und anderen Messengern erhalten, kündigte der Justizminister an. Sofern die Kommunikation über einen Messenger laufe, würden die Geheimdienste leer ausgehen, sagte der Politiker gegenüber der Nachrichtenagentur Ritzau.

Die Opposition hat bereits ihren Widerstand angekündigt. Dieser Eingriff in die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger sei nicht akzeptabel. In diesem Land gebe es schlichtweg keinen Platz für die massenhafte Überwachung von Einwohnern, die überhaupt keine Straftaten begangen haben, sagte die Politikerin Christina Egelund den dänischen Medien.

Vor zwei Jahren schaffte das Justizministerium die stichprobenartige Überwachung des Surfverhaltens ab, weil es nach eigenen Angaben unnütz, teuer und freiheitseinschränkend war. Die ehemalige Justizministerin Karen Hækkerup ging davon aus, dass es die Strafverfolgung nicht effektiv unterstützt hat. Damals wurde nur jedes 500. Datenpaket gespeichert, künftig soll jedes IP-Paket vorgehalten werden. Jetzt wo die Regierung gewechselt hat, soll das Gesetz noch im Frühjahr dieses Jahres verabschiedet werden.

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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7 Kommentare

  1. Underdog sagt:

    Ich nutze grade mal seit 3j. das netz und bin schon voll auf kotze von der ganzen daten abfuck entwicklung, am liebsten würd ich’s mir ganz schnell wieder abgewöhnen, nur leider ist das schwerer als ich’s zugeben möchte…!
    Schon traurig das man heutzutage erstmal eine crashkurs in netzanonymität braucht und ne halbe hacker ausbildung bevor man sich relativ unbescholten online bewegen kann….kotz…

  2. Kate Morton sagt:

    ach, es könnte auch schlimmer sein…

    wenn die Kamera auf der anderen Seite angebracht wäre..(man nimmt den Datenschutz mal wieder sehr ernst).

  3. Kate Morton sagt:

    Wir hatten das VPN-Thema schon einmal. Wer Tor und Co mit persönlichen Daten füttert (Mail-Abruf, Google-, Paypal-Konto…) verliert seine Anonymität. Zudem werden am Exit-Node auch gerne persönliche Daten abgephisht. Vorsicht, Vorsicht..

    Was aber wieder wundert: Die sozialen Netzwerke loggen eh alles mit. Den eigenen Chat-Verlauf kann / konnte man bei ICQ selbst über Jahre zurückverfolgen / aufrufen.

    Warum nicht direkt dort anfragen? Widerstand zu groß? Die meisten richterlichen Beschlüsse sind wohl nicht wasserdicht genug. Wenn’s darum geht, die eigenen Interessen zu verteidigen, kommen die Datenschutz-Gesetze Facebook sehr gelegen.

  4. Aufmerksame Leserin sagt:

    Hej Lars, ist ja schön, dass du über dieses Thema schreibst, aber vielleicht gibst du beim nächsten Mal auch an, woher du die Informationen & Links aus deinem Artikel hast. Ein Link schadet ja nicht: https://netzpolitik.org/2016/daenemark-plant-ausweitung-von-vorratsdatenspeicherung/

  5. maxxi sagt:

    Echt ne Schweinerei was die vorhaben. Was wollen die gegen VPNs tun?
    Ich gehe ohne Proxy nicht mehr ins Internet. Der PC ist so eingerichtet, das ohne VPN keine Verbindung zum Internet möglich ist (vom PC aus). So kann ich den VPn nie vergessen :)

  6. Spinner die sagt:

    Mögen sie an Datenreichtum ersticken.
    Grins

  7. PiraTz sagt:

    Den ganzen Traffic zu speichern dürfte sündhaft teuer sein ! Damit dürfte es dann wohl bald auch keine bezahlbaren Flatrates mehr geben.

    Mal ganz davon abgesehen wer heute noch ohne TOR/VPN ins Netz geht handelt doch einfach nur unverantwortlich naiv.

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