Russland startet ab August 2018 eigenes DNS mit den BRICS-Staaten

Article by · 1. Dezember 2017 ·

Die BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika wollen ab August 2018 eine eigene Internet-Infrastruktur aufbauen, meldet die Nachrichtenagentur RT (Russia Today). Hierzu wird ein alternatives DNS (Domain Name System) aufgebaut, das euphemistisch als “Backup-System” bezeichnet wird und unabhängig vom bisherigen weltweiten DNS arbeitet, welches die ICANN-Organisation verwaltet. Die ICANN koordiniert weltweit die Vergabe von Domain-Namen und Adressen im Internet. Bei den Domain-Namen handelt es sich um die www-Namen der Webseiten, während die Adressen deren IP-Nummern sind, unter denen sie im Internet angemeldet sind.

Webseiten können nur über ihre IP-Nummern aufgerufen werden. Daher ist das DNS nötig, um Browsern und anderen Programme die IP-Nummern von Webseiten mitzuteilen. Vergleichbar ist das DNS mit einem Telefonbuch, in dem zu jedem Namen die Rufnummer steht, über die der Teilnehmer erreichbar ist.

Tippt man in den Browser den Namen einer Webseite ein (auch Weblink oder URL genannt), dann fragt der Browser zuerst beim DNS nach der IP-Adresse des Domain-Names der Webseite an, z.B: tarnkappe.info. Anschließend wird die zurückgelieferte IP-Nummer vom Browser aufgerufen. Dadurch landet man beim Server, auf dem die Webseite gespeichert ist. Dem Server wird bei diesem Schritt der vollständige Weblink übergeben, wodurch dieser den Inhalt der Webseite an den Browser sendet, der ihn dann angezeigt.

Wer die Macht über das DNS hat, kontrolliert das Internet

Den BRICS-Staaten geht es bei ihrem Vorstoß allein um die Kontrolle des Internets, wobei Kontrolle bedeutet, dass Benutzer bestimmte Seiten nicht finden sollen. Entfernt man die Einträge unliebsamer Webseiten aus dem DNS, kann der Browser sie nicht mehr anzeigen. Besonders China ist Vorreiter bei dieser Art der Zensur, da es zahlreiche dunkle Flecken in der chinesischen Geschichte und Politik gibt, die man der eigenen Bevölkerung unbedingt vorenthalten möchte.

Andere Staaten wie etwa Russland unterdrücken massiv politisch unbequeme Meinungen. Auch hierbei ist die Kontrolle des DNS hilfreich. Es kann sogar genutzt werden, um gefälschte Webseiten anzuzeigen, indem man die Browser auf präparierte Server leitet, statt die echte IP-Nummer auszuliefern.

 

Auch manche deutsche Politiker haben sich in der Vergangenheit in einer Zensur des Internets versucht, wie etwa Frau von der Leyen mit ihrem Zugangserschwerungsgesetz. Das ist allerdings am allgemeinen Widerstand der Bevölkerung und durch ein Urteil des Verfassungsgerichts gescheitert. Auch viele Verfechter eines restriktiven Urheberrechts rufen gerne nach “Websperren”, was nur ein weiterer Name für Zensur am DNS ist. Ganz abgesehen von rechten, linken und korrupten Politikern, die gerne am DNS schrauben würden, wie jetzt die chinesische Diktatur, der lupenreine Demokrat Putin und seine willfährigen Mitstreiter.

DNS-StoppschildEchte Demokratien müssen unliebsame Webseiten aushalten und rechtlich problematische Webseiten auf andere Weise angehen. Zensur ist kein legitimes Mittel der Rechtspflege und in der EU funktioniert das auch ganz gut ohne. Ein zensiertes DNS lässt sich auch leicht umgehen, indem alternative DNS-Server verwendet werden oder man gibt direkt die IP-Adresse der Webseite direkt ein oder benutzt ein lokales DNS auf dem eigenen Computer in der hosts-Datei.

Wer DNS wirkungsvoll kontrollieren will, ist in einem weiteren Schritt gezwungen alle Außenverbindungen abzuschneiden, da sonst immer ein Weg zu “verbotenen” Inhalten gefunden werden kann. Letztlich endet man bei einer Mauer um die eigene Bevölkerung, die sich nicht anders in Schach halten lässt.

Wohin das führt, kennen wir schon…

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