Pharell Williams: 4.953 Euro für 98 Millionen Streams bei Pandora

Article by · 19. Dezember 2014 ·

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Bei Pandora wurden die Musikstücke von Pharell Williams sehr häufig abgespielt. Die Single “Happy” wurde 43 Millionen Mal bei Pandora gestreamed, “All Of Me” 55 Mio. Mal. Für beide zusammen wurden im ersten Quartal 2014 4.953 Euro ausgezahlt. Dort sind 60 Dollar für 1 Million Streams üblich, die allerdings zwischen dem Komponisten und Label aufgeteilt werden müssen. Ob man davon leben kann?

Pharell Williams wurde kürzlich für die Grammy Awards nominiert. Von Januar bis einschließlich März 2014 wurde “Happy” 43 Mal beim Internetradio Pandora gestreamed, “All Of Me” wurde bei Pandora hingegen 55 Millionen Mal von den zahlenden Nutzern konsumiert. Nach Angaben eines Mitarbeiters von Sony/ATV brachte “Happy” 2.700 Dollar Umsatz, der zwischen Komponist und Label aufgeteilt werden muss. Bei dem anderen Musikstück waren es für das erste Quartal immerhin 3.400 Dollar.

Martin Bandier schrieb dem Newsportal Digital Music News, dies sei eine total inakzeptable Situation, die so nicht weitergeführt werden dürfe. Ein Sprecher von Sony Music hat die Angaben zwischenzeitlich bestätigt. Der Streaming-Dienst Pandora hat auf die Anfrage unserer Kollegen nicht reagiert. Im Oktober kündigte Taylor Swift an, ihre Werke von Spotify zu entfernen. Sie ist der Meinung, weder Musiker noch Produzenten oder Labels werden von Streaming-Dienstleistern ausreichend für ihre Tätigkeit entlohnt. Es könne keine Lösung des Dilemmas sein, die Musik einfach zu verschenken.

Politik soll Musikwirtschaft mehr Gehör schenken

pharell williams concert2 pandoraKurz vor Weihnachten versucht auch die deutsche Musikindustrie auf ihre Bedürfnisse aufmerksam zu machen. BVMI-Chef Professor Dieter Gorny wünscht sich, dass die Kreativwirtschaft in 2015 wieder mehr Gehör geschenkt wird. “Es ist zwar begrüßenswert, dass die Bundesregierung unter anderem den Breitbandausbau hierzulande weiter voranbringen will. Doch ohne Achtung und Respekt vor dem zu transportierenden Content droht die Digitale Agenda, auf lange Sicht zu einem gigantischen Ausbauprogramm von Leer-Rohren zu werden.” Man produziere aufwändig kulturell hochwertige Inhalte ohne vom Gesetzgeber mit entsprechenden rechtlichen Möglichkeiten ausgestattet zu sein. Man habe es im Gegensatz dazu sogar mit “international agierenden und technologisch hochgerüsteten Gegnern” zu tun. Gemeint sind natürlich die Personen, die über die Landesgrenzen hinweg den illegalen Vertrieb von Musik und anderen digitalen Gütern organisieren. Künftig müsse die Politik für die Inhalte-Produzenten angemessene Konditionen zur Verfügung stellen, findet Prof. Gorny.

Pharell Williams: Kann man von 60 Dollar leben?

Um den Bogen zu schließen, so sind Streams sicher ein guter Weg von vielen, um die seit vielen Jahren anhaltende Urheberrechtsproblematik einzudämmen. Allerdings stehen knapp 5000 Euro in keinem Verhältnis zu 98 Millionen Streams, die der Kundschaft innerhalb von drei Monaten vermarktet wurden. Unter diesen Bedingungen wäre es kein Wunder, wenn immer mehr Musiker ihre Verträge bei den Streaming-Diensten und Internet-Radios kündigen wollen. Die Zahlen betreffen keine deutschen Nutzer, die werden bei Pandora sowieso ausgesperrt. Der Dienst ist nur in den USA, Neuseeland und Australien nutzbar. Alle anderen IP-Adressen werden ausgeschlossen. Natürlich sind nicht alle Musiker finanziell so gut ausgestattet wie ausgerechnet Taylor Swift. Swift wird nächstes Jahr im Rahmen ihrer Tournee in acht Ländern in vier Kontinenten auftreten. Sie ist laut Forbes mit 51 Millionen Euro auf Platz zwei der bestverdienenden Musikerinnen. Von daher ist unklar, warum ihr die geringen Einnahmen bei Spotify so viel bedeuten. Wenig Sorgen um ihr Einkommen muss sich auch die R’n’B-Sängerin Beyoncé Knowles machen, die letztes Jahr 92 Millionen Euro verdient haben soll. Auch der 41-jährige Pharrell Williams nagt nicht gerade am Hungertuch. Er belegt dieses Jahr den ersten Platz der “Pople With Money”-Liste mit einem geschätzten Verdienst von 75 Millionen Dollar. Das alleine ändert natürlich nichts an den mickrigen Auszahlungen mancher Anbieter.

Bildquelle: Shawn Ahmed(CC BY 2.0)

Video: Pharell Williams: “Happy”

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5 Comments

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    Julia Färber

    Ich kann ja nachvollziehen, daß Industrie, Künstler und Handel ein Problem mit der illegalen kostenlosen Verbreitung haben, aber diese Beschwerden über diesen oder jenen Dienst verstehe ich nicht ganz. Sind die Rechteverwerter nicht einen Vertrag mit z.B. Pandora eingegangen? Oder hat die Rechtsabteilung nur das Kleingedruckte zur Vergütung übersehen? Im Ernst, wie muß man sich den rechtlichen Rahmen vorstellen, gerne konkret am Beispiel Pandora. Was ist das betriebswirtschaftliche Modell? Ein Anbieter stellt Content legal zur Verfügung – die Konsumenten zahlen ein Abo, eine Flatrate oder wird das ganze über Werbung finanziert? Bei letzterem würde mich dann interessieren, wie das gelöst wird. Ich sehe nämlich keine Werbung – auch auf Tarnkappe nicht. Für was zahlt der Werbetreibende?

    Ansonsten klingen derartige Meldungen, extrem nach Jammern auf hohem Niveau. Natürlich sind 30 Dollar ein “bißchen wenig” zum Leben. Aber ist das die einzige Einnahmequelle? Ein paar Scheiben werden sicherlich auch noch verkauft und dazu kommen noch die 30 Dollar von den anderen Angeboten (ich nehme einmal an, es gibt da ein paar mehr). Oder sind das Exklusiv-Deals?

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    Hospital

    Wieso stellt er seine Lieder auch bei miesesten Streaminganbieter ein?

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    Angenommen Label und Künstler teilen zu jeweils 50%, so sind 30 Dollar für 3 Monate echt so gut wie nichts. Bei mehr als einem Komponisten geht der Beitrag noch weiter runter!

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      Esther

      Warum lässt sich der Künstler dann darauf ein? Er ist doch nicht gezwungen seine Lieder einem streaming-Dienst zur Verfügung zu stellen.

      Wahrscheinlich kommt ein ordentlicher Werbeeffekt dazu.

      Außerdem sind die Schwarzmärkte im Muskikbereich wirklich kleiner geworden. (Um die moraltheologische Diskussion vorwegzunehmen: Die sollte es mit oder ohne legale Alternative nicht geben. Es gibt sie aber und in diesem Bereich hat eine legale Alternative sie unattraktiv gemacht.)

      Insgesamt wird sich das eben doch für die Künstler lohnen, sonst ließen sie sich gar nicht erst darauf ein.

      Esther

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        Natürlich ist das auch Werbung für eigene Konzerte, Downloads oder haptische Audio-CDs. Wahrscheinlich dachte man, es käme mehr dabei rum, schwer zu sagen…


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