NSA-Ausschuss: Wikileaks-Informant gefährdet

Article by · 3. Dezember 2016 ·
wikileaks outer space flag NSA-Ausschuss

WikiLeaks flag as seen from outer space „Graphic Tribe“, thx! (CC-BY-SA 3.0)

Der Kreis der Verdächtigen kann stark eingegrenzt werden. Die Ordnerstruktur ist bis auf eine Ausnahme exakt die gleiche, wie auf den Laufwerken des NSA-Bundestags-Ausschusses. Nachdem Norbert Lammert seine Erlaubnis erteilt hat, ist die Jagd auf den Leaker eröffnet. Ein Hackerangriff auf die Bundestags-IT wird hingegen ausgeschlossen.

Der Informant, der die zahlreichen Dokumente an die Enthüllungsplattform übermittelt hat, kommt aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem Umfeld des Bundesnachrichtendienstes oder dem Verfassungsschutz. Ein Dokument fehlt in der vorgestern veröffentlichten Sammlung, womit kein Mitglied des Auswärtigen Ausschusses und des Ausschusses für die Angelegenheiten der Europäischen Union infrage kommt. Der Kreis der Personen, die als Whistleblower fungiert haben, wäre somit sehr überschaubar. Dem Leaker ist damit offenbar ein Fehler unterlaufen, der seine Identität schnell preisgeben könnte.

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die zuständige Staatsanwaltschaft mit den Ermittlungen beauftragt. Die Weitergabe könnte möglicherweise eine Verletzung von Dienstgeheimnissen durch Amtsträger nach Paragraf 353b des Strafgesetzbuchs darstellen. Weil von den Ermittlungen auch Abgeordnete betroffen sein könnten, musste Lammert den Ermittlungen im Vorfeld zustimmen.

NSA-Ausschussmitglieder sauerbnd nsaua wikileaks merkel obama latuff 2016

Ausschusschef Patrick Sensburg (CDU) beklagte, damit hätte Wikileaks ihnen einen „Bärendienst“ erwiesen. In der Vergangenheit haben die Geheimdienste immer wieder versucht, ihnen die Arbeit mit dem Hinweis auf Geheimhaltung zu erschweren. Sensburg beklagte zudem, der Bundestag habe nicht unmittelbar nach Bekanntwerden des Lecks Sicherungsmaßnahmen eingeleitet. Er geht von einem möglichen Hackerangriff aus und nannte russische Geheimdienste als mögliche Quelle der Angriffe.

Auch Martina Renner (Die Linke) äußerte sich in den Medien skeptisch. Es wäre in der Vergangenheit immer wieder behauptet worden, die Dokumente könnten von den Abgeordneten der Opposition weitergegeben werden. Die Publikation der 2.420 Dateien würde dieser Behauptung weiter Vorschub geben, so Renner. Grundsätzlich müsse bei Leaks geprüft werden, ob sie der Aufklärung nutzen und private Daten ausreichend geschützt werden, was nicht der Fall war. „Die Empörung der Koalition jedoch folgt dem Kalkül einer rigiden Geheimhaltungspolitik im Interesse der Geheimdienste.

Christian Flisek (SPD) findet es besonders „fatal“, dass die Veröffentlichung inhaltlich keinerlei neue Erkenntnisse beinhalte. Allerdings seien die Papiere für alle anderen Nachrichtendienste sehr von Interesse. Alles sonst Relevante sei längst durch die Presse und die öffentliche Arbeit des NSA-Ausschusses bekannt geworden, so Flisek. CDU-Ausschussmitglied Tankred Schipanski sieht sogar das Urteil des Bundesverfassungsgerichts bestätigt, das dem Bundestag die Einsichtnahme in die prism obama nsa surveillance latuffNSA-Suchbegriffe verweigert hatte. Die Selektorenliste hatte der US-Geheimdienst dem BND zur Filterung der weltweiten Kommunikationsströme gegeben.

Noch ist unklar, ob WikiLeaks in Zukunft weitere Dokumente aus dem NSA-Untersuchungsausschuss veröffentlichen wird, der aktuelle Leak betrifft nur ältere Papiere. Spannend wäre auch zu wissen ob geplant ist, strafrechtlich gegen den Wikileaks-Chefredakteur Julian Assange vorzugehen, selbst wenn sich dieser durch seinen Aufenthaltsort momentan dem Zugriff der Justiz entzieht.

Cartoons: LaTuff, thx!

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3 Comments

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    Russland steckt laut einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ hinter der Veröffentlichung von mehr als 2400 geheimen Akten aus dem NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags. Es gebe eine „hohe Plausibilität, dass die Akten aus dem Cyber-Angriff Russlands auf den Bundestag im Frühjahr 2015 stammen“, zitierte die Zeitung einen hohen Sicherheitsbeamten.

    Quelle:
    https://www.welt.de/newsticker/news1/article160184061/FAS-Russland-steckt-hinter-Veroeffentlichung-von-NSA-Unterlagen.html

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      Anfang Oktober machte die Obama-Administration es offiziell: Russland soll hinter dem Hack des Democratic National Commitees (DNC) im Frühjahr gesteckt haben, so NSA-Chef James Clapper und das US-Innenministerium.

      Jene nichtöffentliche IP-Adresse sei nicht nur beim DNC-Hack verwendet worden, sondern auch bei einem anderen Hacker-Angriff: dem auf den Deutschen Bundestag im April 2015.

      Auch bei Letzterem ist Rid sicher: „Wir wissen ziemlich gut, dass es der russische Militärgeheimdienst war.“

      Quelle:
      https://www.taz.de/Cyberangriffe-im-US-Wahlkampf/!5351110/

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        Einige Tage, nachdem die Hackergruppe Shadow Brokers Dateien aus dem Hack der scheinbar zur NSA gehördenen Equation Group zum Verkauf angeboten hat, bestätigen Cisco und Fortinet die Echtheit der als Beispiel gegebenen Exploits. Auf der Bitcoin-Adresse der Hacker trudeln zudem immer mehr Transaktionen ein, die mitunter rätselhafte Nachrichten enthalten – während Experten die Auktion gegen Bitcoins für ein Ablenkungsmanöver halten und Edward Snowden eine diplomatische Krise zwischend den USA und Russland hinter der Veröffentlichung der Daten wittert.

        Laut Snowden ist es nicht außergewöhnlich, dass die Hacker der NSA die Hacking-Tools und Malware von feindlichen Hackern stehlen, um sie aufzubewahren, zu manipulieren und die Hacker später dadurch zu identifizieren. Dies macht nicht nur die NSA, sondern auch die Feinde der NSA. Dass ein NSA-Malware-Server von Feinden gehackt werde, sei an sich nichts neues. Neu hingegen sei, dass dies öffentlich gemacht wird.

        Die Veröffentlichung der gehackten NSA-Malware zu diesem Zeitpunkt könnte demnach eine Warnung an die USA darstellen, sich in ihrer Reaktion auf den DNC-Hack zurückzuhalten und nicht wie geplant Sanktionen gegen Russland zu erlassen. Das Spiel der gegenseitigen Schuldzuschreibungen bei Auslands-Hacks könnte für die USA nach hinten losgehen.

        Quelle:
        https://bitcoinblog.de/2016/08/18/equation-hack-exploits-bestaetigt-hacker-erhaelt-nachrichten-in-blockchain-snowden-vermutet-russland-hinter-shadow-brokers/


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