Netzgemeinde trauert um Meinhard Starostik

Am gestrigen Dienstag verstarb der Rechtsanwalt und Verfassungsrichter Meinhard Starostik nach schwerer Krankheit im Alter von 68 Jahren. Vor allem im netzpolitischen Bereich ist er bekannt geworden, weil er sich mehrfach aktiv an der Sammelklage gegen die Vorratsdatenspeicherung beteiligt hat.

Am Dienstag verstarb Meinhard Starostik, der unter anderem für die GEMA-Alternative C3S tätig war. padeluun vom netzpolitischen Verein digitalcourage schrieb gestern als Nachruf:

Unser Freund und Mitstreiter Meinhard Starostik hat sich bis zum letztem Atemzug für Grundrechte eingesetzt. Er war Verfassungsrichter des Landes Berlin und hat als Rechtsanwalt mehrere Verfassungsbeschwerden vor dem Bundesverfassungsgericht (z.B. 2010 und 2016 gegen die Vorratsdatenspeicherung, gegen die Bestandsdatenauskunft, gegen Videoüberwachung, gegen ELENA) vertreten. So hat er das erste Gesetz zur verdachtslosen Vorratsdatenspeicherung zu Fall gebracht. Er ist gegen die Protokollierung des Surfverhaltens anhand von IP-Adressen und gegen die Geheimhaltung gerichtlicher Schriftsätze bis vor den Europäischen Gerichtshof gezogen. Auch hat er sich für die Rechte von Sexarbeiterinnen eingesetzt und mit der Verwertungsgesellschaft C3S eine Alternative zur Gema aufgebaut. Jüngst gründete er die pEp-Genossenschaft, die Werkzeuge für einfache Verschlüsselung unterstützen soll. Meinhard Starostik hat sich um die Freiheitsrechte verdient gemacht. Durch seine freundliche, kompetente und stets hilfsbereite Art hat er sich allseits Respekt und Anerkennung erworben.

Der Jurist war kein Mann der großen Worte. Er wird der Netzgemeinde und mehreren Bürgerrechtsbewegungen trotzdem oder gerade deswegen sehr fehlen. Bekannt wurde er durch seine Sammelklage gegen die Vorratsdatenspeicherung, die er gleich mehrfach durchführte. Im Jahr 2012 wurde er zum Richter am Verfassungsgericht des Landes Berlin gewählt. Starostik war einer der Vertreter, die vornehmlich damit beschäftigt waren, die Ohnmächtigen gegen die Mächtigen zu vertreten. Er hat um seine Person dennoch nie ein großes Aufhebens gemacht. Eine Eigenschaft, die in der Netzpolitik leider sehr selten vorkommt.

Meinhard Starostik sagte über seine eigene Arbeit:

Es ist eigentlich immer mein Thema gewesen, die Ohnmächtigen gegen die Mächtigen zu vertreten. Dass die technische Revolution des Internets, die ja unser aller Leben völlig umgestaltet, eben auch dazu führt, dass alte Überwachungs-wahnvorstellungen hochkommen und uns tatsächlich bedrohen in unserer Freiheit. Also ich sehe die größten Gefahren für die persönliche Freiheit darin, dass wir hinter unserem Rücken überwacht, ausspioniert und manipuliert werden können.“

 

Bildquelle: digitalcourage, thx!. Foto von Tom Kohler. (CC BY-SA)

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Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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3 Kommentare

  1. Stephan Hoehn sagt:

    Schöner Nachruf!

  2. Ich bin ihm auch mal kurz begegnet bei der C3S. Ein sehr netter Vertreter, muss ich sagen. R.I.P. !

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