Nach viralem Facebook-Clip: Härtere Bandagen gegen Deepfakes

Millionenfach geklickt, tausendfach geteilt: Während im US-Wahlkampf die Emotionen regelmäßig hochkochen, möchte Facebook Falschinformationen auf seiner Plattform rigider bekämpfen, wie die NYT berichtet hat. Im Fadenkreuz des Sozialen Netzwerks stehen Deepfakes. Videos, die durch Künstliche Intelligenz manipuliert und oft selbst mithilfe technischer Mittel kaum zu entlarven sind. Ein rufschädigender Clip mit der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, brachte den Stein ins Rollen.

Was passiert, wenn ich meinen eigenen Augen nicht mehr trauen kann? Vor dieses Problem werden Millionen Nutzer auf den Sozialen Medien gestellt. Erst kürzlich kursierte ein Videoclip der amerikanischen Politikerin Nancy Pelosi. Die 79-Jährige war augenscheinlich im betrunkenen und desorientierten Zustand. Jedoch hatte jemand das Videomaterial nachträglich bearbeitet. Vorfälle wie diese, möchte das größte Soziale Medium in Zukunft verhindern. „Unser Ansatz hat mehrere Facetten, vom Aufspüren von KI-generiertem Inhalt bis hin zum Stilllegen gefälschter Konten“, schreibt Facebook-Vizepräsidentin Monika Bickert auf dem hauseigenen Blog.


Satire oder Deepfake? Facebook in der Zwickmühle

Um Deepfakes mit politischer Dimension auszumerzen, hat sich Facebook mit der akademischen Welt und der Regierung zusammengeschlossen. Ziel dieser Allianz war ein Regelwerk zur Bekämpfung von Falschinformationen. Sind bestimmte Kriterien erfüllt, verschwindet das Video von der Plattform. Zum einen muss das Video ein authentisch wirkendes Produkt einer Künstlichen Intelligenz sein. Es führt Inhalte zusammen, ersetzt oder überlagert sie. Zum anderen muss es in einer Art und Weise manipuliert sein, dass eine durchschnittliche Person nicht mehr in der Lage ist, Fiktion von Realität zu unterscheiden.

Doppelte Absicherung gegen Fakenews

Facebook ergänzt: Videos, die diese Standards für die Entfernung nicht erfüllen, „können trotzdem von einem unserer unabhängigen Drittanbieter überprüft werden“ – und das nach bereits bekannter Art und Weise. Wenn ein Fact-Checker ein Bild oder Video als falsch bewertet, reduziert Facebook seine Verbreitung in den News Feeds erheblich. Personen, die diese sehen oder versuchen zu teilen, erhalten Warnungen. Diese weisen auf den irreführenden Inhalt hin. Facebook bewegt sich damit auf einem schmalen Grat. Denn nicht unüblich sind lustig und satirisch gemeinte Clips, die Politiker aufs Korn nehmen. Die Vizepräsidentin versucht jedoch zu beschwichtigen: „Diese Richtlinie gilt nicht für Parodie oder Satire.“ Der Nancy Pelosi-Clip hat das nicht überlebt und ist mittlerweile gelöscht.

Tarnkappe.info

Bildquelle: Alexas_Fotos, thx! (Pixabay Lizenz)

Student und schon lange im Journalismus unterwegs. In der Vergangenheit Mitarbeiter für eine Vielzahl von klassischen Printzeitungen und Newsportalen. Erst für Lokalredaktionen, dann Sport und Gaming, seit Anfang 2020 im Dienst für die Tarnkappe. Abseits davon bin ich vor allem interessiert an Geopolitik, Geschichte und Literatur.


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