Lul.to – Pirat oder Hehler? Kommentar von Spiegelbest

Spiegelbest unterscheidet unkommerzielle Buchpiraten und professionell auftretende Hehler wie Lul.to. Gibt es wirklich Unterschiede?

lul.to

Ach ja, die gute alte Zeit! Da kommt was rein per E-Mail => Kay Noa und es ist fast wie früher. Lang ist’s her … Eigentlich denk ich, es ist alles gesagt. Höchste Zeit also, den Mund zu halten. (Und damit das zu tun, was niemand erwartet.) Und doch hat die Autorin die Diskussion in eine neue Richtung gelenkt. Aber eigentlich geht es ja um lul.to.

Nehmen wir mal an, wir Ebookspender hätten ihren Titel befreit. (Haben wir nicht. War aber mehr ein Zufall.) Dann hätten wir ihn im Forum und geschlossen getauscht. Lul.to hätte ihn sich maulwurfmäßig dort geschnappt. Aber dies hätte weder in unserer Absicht gelegen noch in unserer Schuld. Gut, es ließe sich einwenden, dass klein gestohlen moralisch nicht besser ist als groß verhehlt. Ich finde aber, wir sollten diesen Unterschied machen.

lul.to

Das war auch – wenn ich daran erinnern darf – der Punkt, an dem Torboox an- und ausgezählt wurde. Als einem der Betreiber klar wurde, dass Torboox der persönlichen Bereicherung der anderen Betreiber zu dienen begann, wurde aus unbekannter Quelle das komplette Torboox-Archiv öffentlich gemacht. Da nur in diesem Archiv die Exklusivität von Torboox bestand, war die Plattform damit erledigt. Sie bestand zwar scheinlebendig noch einige Monate fort, hat aber den ersten Schritt zur Verhehlung der Dateien nicht überlebt.


Lul hat von Anfang an klar gestellt, dass sie Geld mit Warez machen – also nicht Piraten des Meeres, sondern (in der Tat) Hehler zu Lande sind. Während es sich bei Ebookspender um eine Art Mundraub handelt, ist bei Lul durchaus vorstellbar, dass sie sich über die Amazon-API (= öffentlicher Datenbankzugriff über die ASIN) nicht nur wie im Moment die Bilder, Titel und Texte, sondern auch die Preise der Titel holen. Um alles immer zu 25% des tagaktuellen Preises zu verticken.

Gibt es solche und solche Piraten?

Damit werden sie zu einer Art (Aus)putzfisch vom großen Hai Amazon. Der Ansatz von Lul ist in der Tat ausgesprochen modern. Es ist leicht vorstellbar – ich kenne die Zahlen so wenig wie ihr – dass Lul bereits in sehr großem Stil abräumt und völlig gleichwertig an die Stelle von Torboox getreten ist.

Jedenfalls sind wir Ebookspender verglichen mit dem kommerziellen Auftritt von Lul Frühromantiker. Meine Lebenserfahrung sagt mir, dass ein Anbieter, der in Service, Preis und Auftritt alle legalen Shops in den Schatten stellt, auf jeden Fall einen sehr ordentlichen Teil des Umsatzes auf sich zieht. Es würde mich wundern, wenn wir in Lul nicht die Erklärung dafür sehen, dass der legale Handel mit Ebooks nicht aus den Pantoffeln kommt.

Bücherregal

Ach ja, die Autorin …

Ich sollte ihr sagen, dass sie es nicht mit ehrlichen Piraten zu tun hat. Lul.to ist ein seelenloses Script, dass sich über die API von Amazon sein Äußeres erstellt. Ansonsten ein Nebel, ein Nichts, im wenigsten eine Idee oder ein Ideal.

Ich habe mich bei Torboox immer als Zauberlehrling gesehen. Lul aber ist ein Golem – der seelenlose Diener des Profites.

Tarnkappe.info