Lobbyarbeit pur: 228 Kreativ-Verbände für EU-Urheberrechtsreform

228 europäische Kreativ-Verbände der Bereiche Musik, Kino, Journalismus, Theater, Verlagswesen etc. versuchen Druck auf die Abgeordneten des EU-Parlaments auszuüben. In einem gemeinsamen Schreiben rufen sie dazu auf, den geplanten Änderungen des EU-Urheberrechts zuzustimmen. Sie sehen dies als eine „historische Gelegenheit“ an. Sie glauben, man könne so ein „faires und nachhaltiges Internet für alle“ erreichen.

Gestern haben 228 europäische Kreativ-Verbände, darunter die GEMA, der DJV, VDZ, BDZV etc. Lobbyarbeit pur betrieben. In einem gemeinsamen Brief appellieren sie an die Abgeordneten des EU-Parlaments, dem Gesetzesentwurf Ende des Monats zuzustimmen. Bei der Richtlinie gehe es darum, die „dringend benötigten gleichen Wettbewerbsbedingungen“ für alle zu schaffen. Die Unterzeichner glauben, dies ermögliche den Bürgern gleichzeitig „einen besseren Zugang zu einer breiteren Palette an Inhalten„. Die politischen Entscheidungsträger werden dazu aufgefordert, die Richtlinie rasch anzunehmen. Der Appell ist hier ungekürzt als PDF-Dokument verfügbar.

Journalisten und Verleger fordern Zustimmung

DJV Kreativ-VerbändeUngewöhnliche Worte vom DJV, der normalerweise für seine eher distanzierte und kritische Haltung bekannt ist. Der Deutsche Journalisten-Verband will ebenfalls eine schnelle Entscheidung herbeiführen. „Die Europaparlamentarier müssen grünes Licht für eine erfolgreiche Zukunft der Urheberinnen und Urheber in der digitalen Gesellschaft geben“, schrieb am gestrigen Montag der DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall in seiner Pressemitteilung. Den Bedenken von Digitalkonzernen wie Nutzern habe man nach seiner Ansicht hinreichend Rechnung getragen. Die Interessen Hunderttausender Urheber in Europa dürften nicht ignoriert werden. „Wir brauchen ein Internet, das fair und nachhaltig für alle ist“, heißt es in dem Schreiben wörtlich. „Damit ist klar“, so der DJV-Vorsitzende, „dass es um einen gerechten Ausgleich der Interessen von Urhebern und Nutzern gehen muss.“ Frank Überall hofft Ende März auf eine breite Zustimmung im EU-Parlament.

Leistungsschutzrecht: Warum fordert der DJV den Untergang der eigenen Branche?

google newsKommentar: Für angestellte & freiberufliche Journalisten, als auch für Verlage, werden die geplanten Änderungen mit erheblichen Einbußen einhergehen. Sobald Google jeden winzigen Ausschnitt aus den tagesaktuellen Beiträgen bezahlen soll, wird es diese News-Snippets bei Google News etc. schlichtweg nicht mehr geben. Derartige Nachrichten-Dienste stellen aber eine große Quelle für neue Besucher bzw. Page Impressions dar. Ohne ausreichend viele Seitenzugriffe, keine VG-Wort Ausschüttung für die Autoren. Doch auch die Portalbetreiber sind direkt betroffen, weil bei weniger Zugriffen die Werbeeinnahmen entsprechend sinken. Von daher ist die Forderung der Kreativ-Verbände bzw. des DJV absolut nicht nachvollziehbar.

Schon im November des Vorjahres hatte Richard Gingras, der stellvertretende Chef von Google News, gegenüber dem Guardian angekündigt, dass man im Fall der Fälle Google News wahrscheinlich EU-weit dicht machen wird. Dann hätte wirklich niemand etwas von der geforderten Anpassung des Leistungsschutzrechts, welche von den Gegnern häufig fälschlicherweise als Link Tax (Link-Steuer) bezeichnet wird.

Upload-Filter

Auch für Tarnkappe.info ist Google News eine recht wichtige Quelle neuer Besucher, die dann komplett wegfallen würde. Die Anzeige eines verlinkten Bildes mitsamt eines kurzen Textes stellt vor allem eine Aufforderung an die Leser dar, auf den Link zu klicken, um bei uns ausführlichere Informationen zu erhalten. Tut das jeder? Nein, natürlich nicht. Manchen reicht die Überschrift plus Bild schon aus. Und selbst wenn sich bei Google News bei weitem nicht jeder Nutzer dazu verleiten lässt, den Beitrag im Original zu lesen, so dürfte für die Seitenbetreiber dennoch bei weitem der Nutzen überwiegen. Man sollte News-Aggregatoren nicht als Konkurrenten ansehen, weil sie für uns Portalbetreiber jede Menge Werbung für lau machen. Oder sehe ich das falsch?

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild von Mira Cosic, thx! (Pixabay Lizenz)

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Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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Kommentare

    1. TRIGGER schreibt:

      Zitat:
      Sie sehen dies als eine „ historische Gelegenheit “ an. Sie glauben, man könne so ein „
      faires und nachhaltiges Internet für alle “ erreichen.
      Zitatende

      Also die “Historische Gelegenheit” wurde mit Sicherheit um ein paar Jahre verfehlt.
      Nachhaltiges Internet, bedeutet bei denen konkret, das “Uploadfilter” schon jede
      Menge “Material” tilgen sollen, was dieser als “illegal” einstuft und Sie glauben… !
      Nachhaltigkeit hat bei mir eine andere Definition und “Glauben” tun wir alle an etwas.

      Haben ja ziemlich viele Gruppierungen sich beteiligt, 95 % waren bis Dato bekannt, kommt auch daher das viele “Europäische Verlagsgruppen” die hier Ihre Unterschrift/Unterstützung mit reingereicht haben…

      Ich bleibe dabei, Upload-Filter werden zum “Ärgernis/Boomerang” von kreativen Köpfen,
      und wird unser Netz wie wir es kennen, langsam aber sicher einbetonieren und steiff
      werden lassen.

      Die “Umsetzung”, das ist eine “RIESEN, RIESEN, RIESEN AUFGABE” - Wer bitteschön soll dieses “Ding” am laufen bekommen, wie, wann, und wo? und vor allem “wer” hat die Kontrolle?
      Hey Simon, bastel uns einen “Uploadfilter”, hast 5 Tage Zeit… :face_vomiting:
      Dein Filter muss alle “Songs, Movies, Textbausteine, Kommentare” gescannt haben, um
      halt einen Abgleich zu machen! Nicht mosern Simon, einfach machen…:grinning:
      Das ist nach meiner Auffassung eine “unlösbare” weil zu “komplexe” Aufgabe, da
      kannste ein Programmierteam von hunderten Leuten haben. DAS WIRD NIX!

      Alle haben eine große “Backe” aber keinen Plan, wenns ins Detail geht, weichen die aus…
      Sogar der “Solmecke” wird von den “Upload-Filter” Befürworter blöd angesülzt, von
      Leuten die keinen “blassen” Schimmer von der Materie haben.

      Tschuldigung hab mich ein bisschen in “Rage” geschrieben.
      Selbst wenn die Uploadfilter kommen, bedeutet das was?
      Sharehoster haben weiterhin Bestand, und was einmal im Internet drin war,
      und interessant genug war, wird auch dort “immer” wieder auftauchen.
      Meine persönliche, ungeschminkte Meinung.

    2. duc916 schreibt:

      #NieMehrCDU #NieMehrCDU

    3. Ghandy schreibt:

      Das wird nix? Doch, das gibt es doch schon seit vielen Monaten und nennt sich bei YouTube Content ID. Wie immer geht’s um nicht weniger als um’s liebe Geld, denn diese Content ID wird nur angewendet, wenn der Rechteinhaber dafür bezahlt. Wie viel das sein soll, wollte man mir bei Google telefonisch nicht mitteilen.

      Und das ist genau der Grund, warum Google alles daran setzt, etwas gegen die Uploadfilter zu unternehmen. Denn dann müssten sie ausnahmslos die Kosten übernehmen. Machen wir uns bitte nichts vor. YouTube, Facebook & Co. sind voller Schwarzkopien und keine Sau will dafür zuständig sein. Wenn sich Rechteinhaber dagegen wehren wollen, müssen sie die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter aufwenden, also Geld. Dann werden die DMCA-Löschaufforderungen verschickt, die Sachen gelöscht, irgendwann erfolgt der erneute Upload - und das ganze Spielchen geht wieder von vorne los. Ich wäre da als Musiklabel, Verlag oder Filmstudio auch nicht gerade begeistert.

      Bitte nicht falsch verstehen: Ich bin nicht für den Gesetzentwurf in der jetzigen Form. Aber es geht halt auf beiden Seiten um nichts weiter als um Lobbyismus. Und am Ende des Tages um’s Geld.

      Bringen werden die ganzen Uploadfilter im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen eh 0,00. Warum? Weil die ganzen Szenehoster ihre Briefkastenfirmen (mit Ausnahme von Uploaded) weit außerhalb der EU bzw. Europa haben. Wie will man ein Unternehmen haften lassen, was als Hauptsitz HK (China) angegeben hat und dem ein ausländischer Strohmann als Geschäftsführer vorsitzt?

    4. TRIGGER schreibt:

      Das “Wird Nix” bezog sich auf “sämtliche” Plattformen die es inzwischen gibt, auch Instagramm, Daily Motion, sogar die Porno Kanäle etc…, nicht zu vergessen die großen und kleinen “Bilder/Picture-Portale” etc…, gibt ja schon inzwischen tausende!

      Die technische Umsetzung" ist mir noch ein Rätsel. YOUTUBE kann das für sich intern machen, aber was mit den anderen vielen anderen Portalen. Wird es nachher einen großen “UPLOAD-FILTER” namens ROBOT-DELETE geben, dessen “Algorythmen” wir allesamt hilflos ausgeliefert sind. Über die technischen Details, die Umsetzung finde ich wenig…
      Wer wird das “Ding” und von woaus leiten, das wird keinem schmecken, wenn sich jemand als “BIG BOSS” von allen Portalen aufspielt… / so mal von mir weitergedacht…
      Das wird auch zwischen den “Ländern” knistern.

      Youtube hat die Möglichkeit für für sein “YOUTUBE” eigene Regeln zu schaffen, aber selbst die werden Probleme haben “jedes” Video als illegal/legal einzustufen. Da wird es jede Menge
      “False” Meldungen geben…, und ist ein Video erstmal raus, fängt der Stress doch richtig an.
      Man muss sich authorizieren, man muss ggf. Dokumente vorweisen, das man der “Rechteinhaber” ist. Die Spontanität bei Youtube wird drastisch fallen…
      Bis ein gelöschtes Video wieder “on” ist, kann das Tage dauern!
      “Lars” erinnere dich doch bitte an das “Live-Video” vom letzten Jahr, wurde doch auch
      gelöscht. (Ein Künstler den man ohnehin nicht verstehen konnte, hat da Stress gemacht,
      oder dessen Management).

      Also für mich ist das so eine “unausgegorene” Suppe, die wollen was beschliessen, was
      technisch nicht abgeklärt ist !

      Ansonsten, lieber Lars hast du mit deinen Aussagen natürlich Recht…
      Man muss immer beide Seiten verstehen. ABER ich bezweifle sehr stark, das diese
      Lösung ein “Ideal” darstellt. Das wird eine sehr, sehr, sehr holprige “Sache” werden.

      PS. Dieser Vegleich hinkt, aber es ist meine Darstellung in Kurzform:
      Bei dieser ganzen Thematik, gibt es einfach gesagt viele “Schwarze Peter”!
      Diese “Schwarze Peter Karte” wird alle Plattformen erstmal so pauschal angereicht…,
      um Ihren “Content” in den Griff zu bekommen. Würdet ihr so ein blöde Karte
      als Unternehmer annehmen wollen. ICH NICHT!

    5. Ghandy schreibt:

      Du musst halt das Material analysieren und alles was dem zu nahe kommt, wird dann automatisch gelöscht. Klar passieren dabei auch Fehler.

      Aber bei YouTube scheint es recht gut zu laufen. Versuche doch einfach mal, RTL-Material dort zu Gesicht zu bekommen. Das meiste wurde aussortiert. Ich habe ein paar uralte Mitschnitte von DSDS gefunden, die sind aber seitenverkehrt hochgeladen worden, um den Filter der Content ID auszutricksen. :wink:

    6. TRIGGER schreibt:

      Ja @Ghandy, das stimmt die RTL Group hat das gut im Griff mit ihren Content.
      Wahrscheinlich können diese Youtube-Filter das “RTL-Logo” identifizieren und somit
      vieles aussortieren. Ist bei vielen anderen Videos wahrscheinlich aber nicht so einfach
      zu identifizieren… (Kann auch sein, das ich voll daneben liege).

      Ausserdem, wird reden von YOUTUBE, das ist eine Gelddruck-Maschine,
      die können sich solche “Suchfilter-Gimmicks” mit Prüfscan finanziell erlauben.
      Und trotzdem ist “Youtube” mit illegalem Zeug rammelvoll.

      Aber viele “Klein- Portale” konnen innerhalb kürzester Zeit finanziell einpacken, wenn
      jemand ein “illegales” Video findet… / Den Content im “Gesamten” zu kontrollieren ist
      eine ständig/permanente Mammutaktion…, schon der “Abgleich” wird mächtig
      Traffic im Netz abziehen.

      Also ich glaube, selbst wenn es “kommt”, wird es nach kurzer Zeit sehr stark unter
      Beschuss geraten, weil viele Leute/Firmen dann erst Recht klagen…
      Bin mir fast sicher, das die Klagewelle extremst zunehmen werden. Kleine Betreiber werden
      nach 1-3 Klagen die Schnauze voll haben und Ihren Service einstellen…

      Also es bleibt spannend…

      Ein Beispiel von einer “Urheberrechtsverletzung” sieht übrigens so aus…
      Der nachfolgende Link hat bis gestern noch das Video “Die Höhner - Viva Colonia”
      enthalten…

      https://www.youtube.com/watch?v=Xea94WusnV0

      Ruft heut mal das Video auf, und seht was passiert… !
      “Da sind wir dabei, dat ist prima Viva Colonia” kannste vergessen.:thinking:

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