Live-Stream.tv: Ist die Nutzung der Webseite legal?

Die Webseite Live-Stream.tv vereinigt die Streams diverser privater und öffentlich-rechtlicher Fernsehsender unter einem Hut. Ist die Nutzung legal?

live-stream.tv, LSTV

Live-Stream.tv vereinigt die Streams diverser privater und öffentlich-rechtlicher Fernsehsender unter einem Hut. Obwohl sich das Angebot ausschließlich an deutschsprachige Nutzer wendet, gibt es kein ladungsfähiges Impressum oder einen Domaininhaber, den man abmahnen oder vorladen könnte. Ist die Nutzung tatsächlich legal?

Live-Stream.tv: unbegrenztes Fernseh-Streaming

Bei der Web-App Live-Stream.tv (LSTV) wird den Nutzern tagtäglich ein übersichtliches Fernsehprogramm angeboten. Wer sich die TV-Sendungen anschauen möchte, der kann auf diese ohne jede Weiterleitung mit dem Adobe Flash Player zugreifen. Wir haben schon bei den Recherchen zu Schoener-Fernsehen.com festgestellt, dass die Privaten ihr Programm grundsätzlich nicht kostenlos ins Internet stellen. RTL, Pro7, Kabel1 & Co. kann man als Deutscher (ohne VPN über die Schweiz) nur per Monatsabo bei Zattoo oder MagineTV anschauen. Dafür fallen nach der Testphase Gebühren an, das ist bei Live-Stream.tv anders. Dort ist das Angebot von Anfang an kostenlos. Anders als bei Schoener-Fernsehen.com wird man beim Konsum aber nicht zum P2P-Tauschpartner, die Daten der Streams werden nur empfangen und niemandem hochgeladen. Die Gefahr von Abmahnungen ist von daher gleich null.


Trotzdem wird den betroffenen TV-Sendern jede Möglichkeit genommen, sich juristisch gegen dieses Angebot zu wehren. Eigentümer ist laut Impressum die LSTV Entertaimend IBC. auf den Seychellen. Auch das Whois der Domain ist nicht sonderlich auskunftsfreudig. Die Namen und Anschriften des Domaininhabers und des Admins werden von der Firma WhoisGuard Inc. geschützt. Bei einem Sitz der Firma in Panama würde auch von dieser Seite aus jeder Kläger oder Rechteinhaber auf Granit beißen, will er sich gegen die unerlaubte Ausstrahlung wehren.

Das Angebot funktioniert in der Regel ziemlich gut. Die meisten Streams laufen flüssig und ohne Aussetzer. Trotzdem ist einigen Mitgliedern der Szene die Webseite schon zu langweilig. Ohne Pay-TV-Streams im Angebot wäre das nichts Besonderes, schreiben sie. So gut wie jeder Programmierer könne die übertragenen Daten klauen, um sie wie Nydus.org bei sich selbst als vermeintlich eigenen Stream anzubieten.

Ist die Nutzung eigentlich legal?

live-stream.tv logoIm Gegensatz zum illegalen Anbieter Stream4k.net befindet man sich als Besucher im rechtlichen Graubereich, über den in Deutschland noch höchstrichterlich entschieden werden muss. Bei Live-Stream.tv werden keine kostenpflichtigen Kanäle angeboten. Bei Stream4k.net hingegen bezahlt man den TV-Piraten, um sich bei Sky, EuroSport & Co. die Gebühren zu sparen. Kostenlos ist bei Stream4k nur der Zugang zum Forum, ansonsten fallen für die internationalen Sportübertragungen, Spielfilme und mehr monatlich mindestens fünf Euro Gebühren an. Damit ist dies ein offensichtlich rechtswidriges Angebot. Die Nutzer von Stream4k sind aber reine Konsumenten der Streams, Filesharing kommt auch dort nicht zur Anwendung. Die Frage der Rechtswidrigkeit spielt beim reinem Streaming von Live Stream keine Rolle. Nur bei einem Download ist die Frage offen, ob dieser von der Privatkopie abgedeckt ist. Außer man folgt der Mindermeinung und sagt, auch die notwendige Zwischenspeicherung beim Streaming stellt eine urheberrechtswidrige Kopie dar.

Kein kleiner Vertreter

Der weniger illegale Mitbewerber wird für die Nutzer (bis auf die ganze Werbung) sicher keine Nachteile mit sich bringen. Zivil- oder strafrechtliche Konsequenzen sind momentan nicht zu erwarten. Das gilt auch für Anwender der Android-App, die auf der Hauptseite von LSTV heruntergeladen werden kann. Sicherheitshalber sollte man diese vor einer Installation auf Schadsoftware untersuchen.

Auch wenn die Anzahl der Follower bei Twitter oder Google Plus eher mager ausfällt, LSTV ist wahrlich kein kleiner Anbieter. Monatlich werden dort zwischen 750.000 und 1.5 Millionen Seitenzugriffe generiert. Damit liegt man natürlich weit hinter Schöner Fernsehen, von den bekannten illegalen Streaming-Portalen wie KinoX oder Movie4k einmal ganz abgesehen.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.