Jacob Appelbaum verlässt Tor wegen der Missbrauchsvorwürfe

Der Aktivist Jacob Appelbaum verlässt das Tor Project aufgrund neuer Vorwürfe wegen sexueller Nötigung, psychischer Manipulation und Plagiarismus.

Jacob Appelbaum
Jacob Appelbaum auf der re:publica. Foto: Lars Sobiraj.

Auf der Webseite JacobAppelbaum.net werden gegen den früheren Wikileaks-Vertrauten und Ex-Mitarbeiter des Tor Projects schwere Vorwürfe erhoben. Jacob Appelbaum habe sich wegen sexueller Nötigung, psychischer Manipulation und Plagiarismus schuldig gemacht, heißt es dort. Als Reaktion hat Appelbaum nun seine bezahlte Stelle beim Tor Projekt aufgegeben.

Der freie Journalist und Fotograf Jacob Appelbaum war einer der frühen Unterstützer von Wikileaks und half u.a. den Nachrichtenmagazinen Der Spiegel und dem Guardian bei ihren Recherchen in Sachen Edward Snowden. Er arbeitete in den vergangenen Jahren auch eng mit der Dokumentarfilmemacherin Laura Poitras zusammen. Aus Angst vor staatlichen Repressalien lebt der Aktivist seit mehreren Jahren in Berlin. 2013 drangen Unbekannte in Appelbaums Berliner Wohnung ein. Wahrscheinlich, um den Inhalt seines Computers zu kopieren.


Auf JacobAppelbaum.net werden schwere Vorwürfe gegen den Wahl-Berliner erhoben. Die Opfer sollen aus seinem Umkreis kommen. Die anonymen Autorinnen und Autoren behaupten, er habe sie manipuliert, gedemütigt und sogar sexuell missbraucht. Sie schreiben:

Jake enjoys manipulating people through his built-up social capital, influence, and power, in order to get what he wants.“

Leitung versuchte auf ihn einzuwirken

Man habe in den letzten Jahren mehrfach versucht, auf Appelbaum als auch auf leitende Mitarbeiter des Tor Projects einzuwirken, um sein Fehlverhalten abzustellen oder dafür zu sorgen, dass von der Projektleitung die überfälligen Konsequenzen gezogen werden. Seine Vorgehensweise sei seit Jahren in manchen Zirkeln ein offenes Geheimnis.

Bisher ist allerdings unklar, ob die Anschuldigungen der Wahrheit entsprechen. Zumindest hat der 33-Jährige deshalb seine Stelle beim Tor Project aufgegeben. Dort seien die Vorwürfe nichts Neues. Man habe schon seit einiger Zeit derartige Gerüchte vernommen. Die neuesten Anschuldigungen seien aber sehr viel konkreter und gravierender als alles, was zuvor bekannt wurde, schreibt Shari Steele vom Tor Project im Blogbeitrag. Man sehe sich allerdings nicht als Untersuchungsbehörde an. Wer sich zum Kreis der Opfer zählt, solle sich an die Polizei wenden.

Appelbaum selbst hat sich auf seinem Twitter-Account bislang nicht zu den Gerüchten geäußert. Seine eigene Webseite unter appelbaum.net ist nicht erreichbar.

Update: Jacob Appelbaum hat jetzt bei Twitter auf die Vorwürfe reagiert. Aus seinem Statement geht leider nicht völlig klar hervor, warum er das Tor Project verlassen hat, obwohl er die Beschuldigungen als gänzlich unwahr bezeichnet.

Tarnkappe.info

Über den Autor

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.