Jacob Appelbaum verlässt Tor Project wegen schwerer Missbrauchsvorwürfe

Jacob Appelbaum auf der re:publica. Foto: Lars Sobiraj.

Jacob Appelbaum (links) nach seinem Vortrag auf der re:publica 2012. Foto: Lars Sobiraj.

Auf JacobAppelbaum.net werden gegen den früheren Wikileaks-Vertrauten und Ex-Mitarbeiter des Tor Projects schwere Vorwürfe erhoben. Jacob Appelbaum habe sich wegen sexueller Nötigung, psychischer Manipulation und Plagiarismus schuldig gemacht, heißt es dort. Als Reaktion hat Appelbaum nun seine bezahlte Stelle beim Tor Projekt aufgegeben.

Der freie Journalist und Fotograf Jacob Appelbaum war einer der frühen Unterstützer von Wikileaks und half u.a. den Nachrichtenmagazinen Der Spiegel und dem Guardian bei ihren Recherchen in Sachen Edward Snowden. Er arbeitete in den vergangenen Jahren auch eng mit der Dokumentarfilmemacherin Laura Poitras zusammen. Aus Angst vor staatlichen Repressalien lebt der Aktivist seit mehreren Jahren in Berlin. 2013 drangen Unbekannte in Appelbaums Berliner Wohnung ein. Wahrscheinlich, um den Inhalt seines Computers zu kopieren.


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Auf JacobAppelbaum.net werden schwere Vorwürfe gegen den Wahl-Berliner erhoben. Die Opfer sollen aus seinem Umkreis kommen. Die anonymen Autorinnen und Autoren behaupten, er habe sie manipuliert, gedemütigt und sogar sexuell missbraucht. Sie schreiben:

Jake enjoys manipulating people through his built-up social capital, influence, and power, in order to get what he wants.“

Man habe in den letzten Jahren mehrfach versucht, auf Appelbaum als auch auf leitende Mitarbeiter des Tor Projects einzuwirken, um sein Fehlverhalten abzustellen oder dafür zu sorgen, dass von der Projektleitung die überfälligen Konsequenzen gezogen werden. Seine Vorgehensweise sei seit Jahren in manchen Zirkeln ein offenes Geheimnis.

Bisher ist allerdings unklar, ob die Anschuldigungen der Wahrheit entsprechen. Zumindest hat der 33-Jährige deshalb seine Stelle beim Tor Project aufgegeben. Dort seien die Vorwürfe nichts Neues. Man habe schon seit einiger Zeit derartige Gerüchte vernommen. Die neuesten Anschuldigungen seien aber sehr viel konkreter und gravierender als alles, was zuvor bekannt wurde, schreibt Shari Steele vom Tor Project im Blogbeitrag. Man sehe sich allerdings nicht als Untersuchungsbehörde an. Wer sich zum Kreis der Opfer zählt, solle sich an die Polizei wenden.

Appelbaum selbst hat sich auf seinem Twitter-Account bislang nicht zu den Gerüchten geäußert. Seine eigene Webseite unter appelbaum.net ist nicht erreichbar.

Update: Jacob Appelbaum hat jetzt bei Twitter auf die Vorwürfe reagiert. Aus seinem Statement geht leider nicht völlig klar hervor, warum er das Tor Project verlassen hat, obwohl er die Beschuldigungen als gänzlich unwahr bezeichnet.

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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14 Kommentare

  1. Simon sagt:

    Danke Ewald, super Kommentar, habe nichts hinzuzufügen.

  2. Simon sagt:

    Na klar Annika, das kommt bestimmt von den Diensten und sonstwo…

    • Nun, ich habe niemals gesagt, dass es auf jeden Fall so ist. Woher sollte ich das wissen? Aber es ist nicht so, als wären diese Akteure grundsätzlich darüber erhaben, Desinformation zu verbreiten und den Ruf von Menschen, die ihnen allzu lästig werden, gezielt in den Schmutz zu treten. Noch lieber genommen, wenn Appelbaum tatsächlich (wie hier angedeutet, ich wusste das nicht) irgendwas mit LGBT sein sollte…

  3. Ewald sagt:

    Und bei Assange waren das bestimmte nur Lockvögel der CIA, sie mal eben Strafanzeigen gestellt haben…

    Natürlich haben beide als unschudlig zu gelten solange sie nicht verurteilt sind. Bei Appelbaum fehlt allerdings eine Anzeige. Anonyme Anschuldigungen sind halt so eine Sache. Vielleicht überdenkt er jetzt seine Auffassung zu Anonymität?
    Wenn das alles nur böswillig ist, dann trete ich nicht zurück sondern bleibe, Gerade wenn ich das Gefühl haben, dass es eine Intrige ist.

    • Anonyme Anschuldigungen kann jede_r vorbringen, muss nichts dran sein. Es gibt viele legitime Gründe, auf eine Anzeige zu verzichten, aber eben auch nicht so legitime. Dass Appelbaum „jetzt seine Auffassung zur Anonymität überdenkt“, bezweifle ich aber. Jeder, der sich für gewisse Freiheiten einsetzt, weiß, dass diese auch missbraucht werden können, und kämpft trotzdem dafür, weil er diese Freiheiten wichtig findet und weiß, dass ihre positiven Auswirkungen überwiegen. Dass Appelbaum jetzt Opfer anonymer Anschuldigungen wird, ist vielleicht eine böse Ironie, aber wohl kaum eine Widerlegung seiner Position.

      Bezüglich Rücktritt: Klar kann man auch wegen unbegründeten Vorwürfen zurücktreten. Dann nämlich, wenn man merkt, dass man die Vorwürfe nicht (sofort) entkräften kann (einen negativen Sachverhalt zu beweisen ist ja auch nunmal schwierig bis unmöglich) und weiteren Schaden von einem Anliegen oder einer Organisation abwenden will, die einem wichtig sind.

  4. Annika sagt:

    Also, ich hatte auf der FsA einen komplett anderen Eindruck von ihm. Natuerlich kann man Menschen nur vor den Kopf schauen, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es sich tatsächlich um eine Diffamierungskampagne gegen ihn handelt. Man engagiert sich nicht so lange in diesem Masse fuer die Buergerrechte, ohne sich Feinde zu machen, bestimmt auch einige bei den Diensten und sonstwo…

    • Rita sagt:

      Muss wohl wirklich sehr wehtun, wenn das eigene Idol unter Verdacht gehört, oder Annika?
      Und dann wird mal eben eine Verschwörung der „Dienste“ vermutet.

      Die Süddeutsche Zeitung jedenfalls hat in der Berliner Netzszene etwas recherchiert und siehe da, die ersten melden sich: „“Ich spüre ein enormes Aufatmen, dass das Schweigen endlich gebrochen wurde.“

      https://www.sueddeutsche.de/kultur/internet-vorwuerfe-gegen-hacker-1.3022104

      • Mach mal halblang, „Idole“ hat man mit 13 und Herrn Appelbaum habe ich einmal bei der FsA getroffen (wobei ich seine Arbeit tatsächlich sehr respektiere und er mir, wie gesagt, auch einen sehr sympathischen Eindruck machte). Wenn es tatsächlich so ist, wie in dem Artikel beschrieben, fände ich das natürlich einerseits eine große Sauerei, die aufgedeckt gehört, und andererseits sehr schade, weil es eine gute Sache mit beschmutzt. Aber überzeugt bin ich noch nicht. Von „Verschwörung“ war nie die Rede – für die Dienste ist sowas schlichtweg Tagesgeschäft. Desinformation ist eins von deren Haupt-Aufgabengebieten. Das ist doch x-tausendfach belegt. Mal eben missliebige Personen zu diskreditieren machen die ganz ohne „Verschwörung“ zwischen Arbeitsbeginn und Mittagspause.

        • Ewald sagt:

          Bei allem Respekt, er beschmutzt allenfalls sich selbst, denn mit seiner Arbeit hat das sehr wenig zu tun. Ich wundere mich aber, wie dünnhäutig einige sind.

          „Von Verschwörung war nie de Rede…“ und im gleichen Atemzug zu schreiben, für die „Dienste“ sei das Tagesgeschäft,
          Annika, darf ich mal fragen, woher Deine Informationen und Kenntnisse zu den „Diensten“ stammen? Hast du berufliche Berührungen zu Geheimdiensten?
          Oder stammen die Erkenntnisse woanders her? Gar aus dem Internet?

          Löblich ist doch schon mal, dass Tarnkappe sich des Themas angenommen hat.
          Blogs wie Netzpolitik schweigen sich noch aus dazu.
          Könnte sein, dass denen die Faktenlage noch zu dünn ist (obwohl denen schon weit weniger Fakten gelangt haben für Artikel) oder einfach der Buddy geschützt werden soll.

          Ja, in der Tat böse Ironie, dass eine anonyme Seite ihn jetzt zur Aufgabe gezwungen hat.
          Was die da machen ist momentan noch üble Nachrede und somit eine Persönlichkeitsrechtsverletzung. Eines der vielen Rechte, die im Netz mit Füßen getreten werden. Herr Applebaum erlebt das jetzt mal hautnah.
          Stellen wir uns mal für eine Sekunde vor, er hätte die Möglich die Betreiber zu identifizieren….

          Spannend, wie das wohl weitergeht.

          • Klar „beschmutzt er sich nur selbst“ – eigentlich. Aber manche Ignoranten oder Opportunisten werden das leider wieder mit seiner Arbeit für Tor und seinem Einsatz für Bürgerrechte in einen Topf werfen – eigentlich.

            Bezüglich Arbeitsweise der Geheimdienste muss man doch nur das ganze Zeug lesen, das mittlerweile öffentlich ist. Deklassifizierte Dokumente von vor 50 Jahren, Cablegate, Snowden-Dokumente, steht doch genug drin.

            • Ewald sagt:

              Also sekundäre Informationen oder Informationen des Internets vor 50 Jahren…
              Danke, genau diese Aussage hatte ich mir gedacht.
              Jeder ist ein Experte, es gibt ja das Internet.
              Und in den Snwoden Dockumenten standen tatsächlich Methoden wie gegen einzelnde unliebsame Menschen vorgangen wird? Ich muss mir mein Glenn Greenwald Buch noch mal zu Hand nehmen. Das muss ich überlesen haben.

              Nein, Annika, die Quintessenz ist eine andere. Applebaum ist ein ganz normaler analoger Mensch, mit allen Stärken und Schwächen. Er ist nicht besser oder schlechter als andere, außer, dass er etwas strafbares gemacht haben könnte.
              Und er darf jetzt mal am eigenen Leib spüren was Anonymität im Netz bedeutet.
              Nicht auf der Nutzerseite sondern auf der Anbieterseite.
              Sein Persönlichkeitsrecht wird gerade massiv angegriffen, sein zukünftiges Leben möglicherweise zerstört. Eines der vielen Rechte, die tagtäglich in gleicherweise angegriffen werden.
              Einziger Unterschied zu anderen Fällen, seine Netzfreunde schweigen das Thema besser tot.

              • bekannt sagt:

                @Ewald … *lacht* Welche Firma stellt denn ihren Gehaltsscheck aus wenn man fragen darf? Dienste die Unschuldige in Gefängnissen foltern (US Geheimdienste) haben also Diffamierung nicht auf ihrem Methodenzettel? Ach ist schon drollig was sich hier so rumtreibt.

                • Ewald sagt:

                  @bekannt: Genau drollig. In etwa so drollig wie Sie.
                  Glauben Sie echt, dass ein „Dienst“ hier Leute vorbeischickt, um in diesem Blog hier Meinungsmache zu schüren? Irre.

                  Schicken Sie mir doch einfach mal ein Foto, wenn Sie das nächste Mal bei einer Folterung der „Dienste“ dabei sind.
                  Eigentlich lernt man in der Schule den Unterschied zwischen primären und sekundären Quellen. Und auch wie man sie zu verifizieren hat.
                  Da machen die „Dienste“ keine Ausnahme.
                  Und weil mir allenfalls sekundäre Quellen zur Verfügung stehen, reiße ich den Mund nicht so weit auf wie andere, die halt alles, was sie irgendwo im Internet gelesen haben für die reine Wahrheit halten.
                  Ich verteidige die „Dienste“ nicht. Ich weiss nur, dass ich sehr wenig von deren Arbeit kenne, Sie allerdings auch nicht viel mehr.

                  Der Ausgangspunkt war übrigens nicht ein „Dienst“ sondern die Vorwürfe gegen Jacob Applebaum. Die Sache mit den „Diensten“ haben hier andere kolportiert. Die, wie gesagt, genauso wenig Ahnung haben wir vermutet 99,99% der Bevölkerung (mich eingschlossen).

                  • Imas Rehmann sagt:

                    Ich bin zum ersten mal auf tarnkappe.info und das ist mein erster gelesener Artikel plus Kommentare.
                    Was du Ewald hier abläßt zeigt nur die Unfähigkeit des Menschen zu denken und recherchieren. Eine Google Suche mit den richtigen Begriffen wie zb BND Geheimgefängnisse Folter ergibt über 15000 Einträge. Keine Verschwörungsseiten. Betroffene, Mitarbeiter, der Senat und Gerichte um einmal primäre Quellen zu nennen. Du beweist die Unfähigkeit der Netzgemeinde und dem Rest Deutschlands einfachste Dinge zu recherchieren und zu begreifen.

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