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Tarnkappe.info wurde heute 8 Jahre jung!

Glückwunsch zum Geburtstag, Tarnkappe.info !!! Wir schauen gemeinsam zurück, was in der Vergangenheit eigentlich so alles passiert ist.

Unser Blog Tarnkappe.info zelebriert heute erneut seinen Geburtstag. Leute, wie die Zeit vergeht! Heute vor exakt acht Jahren wurde der erste Blogbeitrag zum Thema Xing-Abmahnungen veröffentlicht. Es folgten viele zu den Themenbereichen Datenschutz, IT-Security, Netzpolitik, Urheberrecht etc.

Tarnkappe.info entstand aus einer Notlage heraus

Wie kommt man eigentlich dazu, eine eigene Webseite zu gründen? Nun, das kann man nicht mal eben erklären. Eigentlich fing alles schon vor dem Jahr 2000 an, als ich per Zufall Mitglied der Redaktion der AMIGAplus wurde. Dies war damals für den Computer Amiga eines der letzten Magazine, welches man noch im Kiosk kaufen konnte.

Nach ca. 50 Artikeln, Softwarerezensionen und Interviews folgten für den gleichen Verlag noch ein paar wenige Artikel für deren Zeitschrift für Mac-User. Der Markt für unseren Lieblingscomputer von Commodore ist dann leider komplett kollabiert.

Ein wenig zu meiner beruflichen Vergangenheit

Im Jahr 2006 war ich im rheinischen Leichlingen (bei Leverkusen bzw. Köln) mit einer halben Stelle bei einer Außenwohngruppe für geistig- und körperlich behinderte Menschen tätig. Ein Bekannter aus Szenezeiten fragte mich, ob ich das Inserat von gulli.com gelesen hätte. Nein, das kannte ich noch nicht. Und ehe ich mich versehen konnte, wurde ich zum freien Redakteur von gulli. Für Zeitschriften zu schreiben war toll. Aber mir fehlte es dort stets an Feedback. Print-Journalismus ist halt eine Einbahnstraße. Man weiß nie, ob den Lesern eventuell Fehler auffallen und wie ihnen der Beitrag gefällt.

Wer keine Rückmeldung bekommt, kann seine Arbeit nicht ohne weiteres optimieren. Auch wenn manche Mecker-Köppe im gulli:board (g:b) nervig waren, so sorgten sie immerhin dafür, dass wirklich jede Kleinigkeit korrigiert werden konnte, die ihnen aufgefallen war. Über ehrliches Feedback bin ich auch heute bei Tarnkappe.info dankbar. 2008 übernahm ich die Redaktionsleitung bei gulli.com und gab dafür meine halbe Stelle im erzieherischen Bereich auf.

Käufer ruinierten gulli.com in kürzester Zeit

Im Sommer 2013 verkaufte der Wiener Eigentümer das Forum und Portal von gulli an die gamigo Advertising GmbH. Dies ist eine Tochterfirma der gamigo AG mit Hauptsitz in Hamburg. Die haben ihr Geld mit eigenen Online-Browserspielen verdient. Wie man eine derart große Community mit ehemals 40 Moderatoren leitet, davon hatte man in Hamburg aber wohl noch nichts gehört.

Und so entstand kurze Zeit nach der Übernahme aufgrund der Frustration vieler Nutzer und Moderatoren das new gulli board, besser bekannt unter der Domain ngb.to. Mehrere Monate vor dem Verkauf der Rechte an gulli.com hatte ich meinen Posten als Chefredakteur freiwillig geräumt.

Der Grund dafür ist einfach. Es gab immer wieder Differenzen, weil die Betreiber keine Zeit und somit auch keinen einzigen Cent mehr in ihr Projekt stecken wollten. Was genau los war, teilte man mir nicht mit. Aber es war mir irgendwann klar, dass die Geschäftsführung der Wiener Inqnet GmbH schon längere Zeit nach einem Ausweg aus dem Gulli gesucht hatte.

Tarnkappe.info – unter dem Radar!

tarnkappe.info Maske gegen Corona

Am Tag als die DSGVO 2018 in Kraft getreten ist, gingen im g:b auf einen Schlag fast 900.000 Beiträge von fast 10.000 Benutzern verloren. Der Käufer schloss Forum und Portal einfach ohne vorherige Ankündigung und verkaufte das Projekt später an den ehemaligen Betreiber Randolf Jorberg.

Leider hat sich seitdem nichts mehr getan. Die Suche nach einem neuen Geschäftsmodell war bisher offenbar vergebens. News-Portal und Forum bleiben auf mehreren Backup-Servern verschollen. Mit der Löschung der ganzen News war damals ein Großteil meiner digitalen Visitenkarte verloren gegangen. Und auch so etwas wie meine Heimat im Netz, dafür hatten die Gamigos gesorgt!

Von 5 Euro brutto kann niemand leben!

In den Monaten danach war ich bei den verschiedensten News-Portalen auf freiberuflicher Basis tätig. Doch davon leben zu wollen, war mehr als mühselig. Die Artikel forderte man zu einem festen Zeitpunkt ein. Gezahlt wurde bis zu sechs Wochen später. Nicht nur weil man die Artikel stets unter seinem eigenen Namen veröffentlicht, ist es wichtig, alles korrekt darzustellen. Dieser Hang zum Perfektionismus führte dann zu einem Stundenlohn von etwa 5 Euro brutto. Davon abziehen muss man dann noch die Steuer, Sozialversicherungsbeiträge und die Rentenvorsorge. Nur von was? Wie soll das bei fünf Euro funktionieren? Das war unmöglich. Doch das war meinen Auftraggebern herzlich egal.

lars sobiraj

Freiberuflich tätig zu sein, war eigentlich klasse. Doch als Freier bist Du auch stets der Erste, der gehen muss, wenn das Geld knapp wird. Oder wenn der Chef wechselt oder es zu juristischen Problemen kommt. Mich haben dann in kurzer Abfolge ein Anwalt und der Stern vor die Tür gesetzt. Ohne Vorwarnung, versteht sich.

Dazu kommt: Wer es wagt sich tatsächlich wegen der miesen Bedingungen zu beschweren, ist direkt draußen. Egal wo. Die Portale haben an jedem Finger fünf Bewerber, die nur darauf warten, für sie tätig zu werden. In der Position kann man keine Forderungen stellen.

Noch eine Baustelle aufmachen, ernsthaft?

Ein Freund aus Jugendtagen schlug mir dann vor, ich müsse doch etwas mit meinem Namen anstellen. In meiner Nische hatte ich ein wenig Bekanntheit erlangt. Ein eigenes Portal müsse her, was thematisch zu meinen Kernthemen passen würde, meinte er. Meine Motivation neben dem Hamster-Rad Online-Journalismus zusätzlich noch eine Baustelle zu eröffnen, hielt sich extrem in Grenzen. Mir war klar, dass ich sowieso beruflich wieder im sozialen Bereich Fuß fassen musste, um finanziell über die Runden zu kommen. Okay, dachte ich damals, dann probiere ich es einfach. Immer noch besser, als das Schreiben ganz an den Nagel zu hängen.

Auf der Suche nach der besten Rechtsform

Benny in Bergisch Gladbach
Redaktionshund Benny

Bevor Tarnkappe.info online gehen konnte, haben wir uns gemeinsam nach einem Webmaster und der geeigneten Rechtsform für die Betreibergesellschaft umgesehen. Doch die UG (haftungsbeschränkt) stellte sich bald als zu teuer und ohne jeden Sinn heraus. Denn alleine die Rechnungen des Steuerberaters waren höher, als unsere damaligen Einnahmen. Damals waren die meisten Artikel eh von mir selbst, weswegen man mich als Autor in Haftung nehmen konnte. Das juristische Konstrukt einer Mini-GmbH hätte mich in dem Punkt nicht geschützt.

Versicherungen, die einen effektiv vor den Folgen unbegründeter Abmahnungen schützen, gibt es nicht. Es gibt zwar welche für Unternehmer, die auf den ersten und zweiten Blick gut klingen. Doch als Tarnkappe.info tatsächlich abgemahnt wurde, teilte uns die Versicherung direkt mit, man sei nicht zuständig. Die Anwaltskosten zur Abwendung der Abmahnung oder einer möglichen Klage müssten wir selbst zahlen. Das hatte dann die sofortige Kündigung der Versicherung zur Folge.

Schade um das Geld, was wir dort sinnfrei hinein gesteckt hatten. Doch als Unternehmer wird man manchmal erst aus Schaden klug, wie der Spruch schon so schön heißt.

Clemens = der Mann aus der Stadt, die es nicht gibt.

Unsere Techniker wechselten wir in den ersten Jahren recht schnell, weil die recht wenig für ihre Bezahlung tun wollten. Stabilität trat erst ein, als Clemens Knost aus Bielefeld als neuer Techniker dazu gestoßen ist.

Seit vielen Jahren ist er fester Bestandteil des Teams und hat mittlerweile als CTO auch eine klare Führungsposition inne. Große Umwälzungen oder Innovationen besprechen wir im Team, wo er seine Meinung einbringt. Kleinere Entscheidungen trifft er völlig unabhängig.

Die Redaktion von Tarnkappe.info kurz vorgestellt

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Autonom arbeiten auch unsere Redakteure. Die dienstälteste Redakteurin ist ohne Frage Antonia, die einst vom E-Book-Piraten Spiegelbest auf unseren Blog aufmerksam gemacht wurde. An unserem noch recht neuen Podcast aktiv beteiligt ist Sunny. Der moderiert nicht nur. Nein, er schreibt in regelmäßigen Abständen die Lesetipps und Artikel über Hacking- und Datenschutz-Themen.

Honeybee hingegen kam über die Moderation der Telegram-Gruppe zur Redaktion. Sie ist bei uns für techniklastige bzw. sehr nerdige Themen zuständig. Aktiv in der Redaktion ist derzeit last, but not least Kump, dessen Bruder ich noch aus grauer Vorzeit aus dem Web kenne. Tja, so schließt sich der Kreis.

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Pressespiegel gibt Auskunft über unsere Aktivitäten

Wer sich unseren Pressespiegel anschaut, stellt fest, dass die Konkurrenz uns schon recht häufig erwähnt und im Idealfall auch verlinkt hat. Leider gibt es immer wieder „Spezialisten“ wie unsere Freunde von Gollum (Golem.de), die sich zwar gerne von uns inspirieren lassen und sogar ganze Sätze übernehmen. Aber im Gegenzug geben sie Tarnkappe.info keine Credits dafür. Natürlich ist nicht jeden Monat das Hammer-Thema dabei. Doch wir bemühen uns, auch bei den Wettbewerbern im Gespräch zu bleiben. Und wir bemühen uns, euch News und Interviews zu bringen, die ihr sonst nirgendwo findet. Oder halt erst viel später.

Tarnkappe.info – Wie geht es weiter?

Wie geht es weiter? Sensationelle Ankündigungen haben wir derzeit keine zu machen. Die Bezahlung für Online-Werbung ist in den letzten Jahren immer weiter gesunken. Wir sind trotzdem noch da. Das kann wahrlich nicht jedes Online-Projekt von sich sagen, was zusammen mit uns angefangen hat.

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Mit dem Blog Tarnkappe.info, Forum, der Telegram-Gruppe und dem Podcast haben wir uns für verschiedene Zielgruppen sehr breit aufgestellt. Natürlich kostet das trotz der Unterstützung durch ehrenamtlicher Helfer viel Zeit.

Das und der ganze administrative Aufwand nimmt einen immer wieder in Beschlag. Das gilt auch dann wenn es deutlich mehr Spaß macht, weitere Artikel zu schreiben als E-Mails zu beantworten, die Bezahlung von Rechnungen zu überprüfen oder die vorbereitende Buchführung zu machen.

Was machen die früheren Kollegen?

Und wenn ich mich bei Xing oder Linkedin umschaue, fällt auf: Keiner der früheren Kolleginnen oder Kollegen ist heute noch als Journalist tätig. Wirklich niemand, den ich von damals kenne. Die haben mit einer einzigen Ausnahme alle umgesattelt auf andere Berufe, wo man bei besseren Arbeitsbedingungen sogar noch weniger Angst haben muss, am nächsten Tag vor die Tür gesetzt zu werden.

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Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.