GVU: Insolvenzverwalter gibt fehlende Masse bekannt

Der Insolvenzverwalter der GVU musste gegenüber dem AG Charlottenburg die fehlende Masse des Vereins anzeigen. Ist das Verfahren bald vorbei?

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Foto Jack Anstey, thx!

Der Insolvenzverwalter der GVU hat gegenüber dem Amtsgericht Charlottenburg kürzlich angezeigt, dass der Verein nicht dazu in der Lage sein wird, die sonstigen Verbindlichkeiten zu begleichen. Einige Insolvenzgläubiger werden folglich unter Umständen völlig leer ausgehen.

Unter dem Aktenzeichen 36g IN 1933/20 gab das Amtsgericht Charlottenburg bekannt, dass die vorhandenen finanziellen Mittel der GVU wohl nicht ausreichen werden, um alle Verbindlichkeiten zu begleichen. Der Insolvenzverwalter zeigte dem Gericht die sogenannte Masseunzulänglichkeit an.

Erklärung: Im Fall einer Masseunzulänglichkeit kann die GVU zwar die Verfahrenskosten begleichen. Nicht aber die sonstigen Masseverbindlichkeiten, die während des Insolvenzverfahrens entstanden sind. Das können z. B. Gehälter, Löhne, Mietkosten oder Zahlungsverpflichtungen aus anderen Verträgen sein, die der Insolvenzverwalter abgeschlossen hat, um den insolventen Verein vorübergehend fortzuführen. Zu den Verfahrenskosten zählen die Gerichtskosten, die Vergütung des Insolvenzverwalters und seine Auslagen.


Verfahren der GVU auf der Zielgeraden?

Hintergrund: Wir berichteten im Dezember 2018, dass damals der ehemals größte Geldgeber, die MPA, als Finanzier ausgestiegen ist. Das brachte die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V. (GVU) mittelfristig in arge Probleme. Die Folge war das am 1. April 2020 eröffnete Insolvenzverfahren. Wir hatten den Gang zum Gericht schon vorher angekündigt.

Die noch verbliebenen Mitarbeiter musste man dem freien Arbeitsmarkt zuführen, wie es so schön heißt. D.h. sie wurden entlassen. Einen direkten Nachfolger der GVU gibt es nicht. Andere Organisationen führen die Tätigkeit weiter. Allerdings haben sie ihr Tätigkeitsfeld um zivilrechtliche Maßnahmen erweitert. So werden die Portalbetreiber illegaler Download- oder Streaming-Angebote regelrecht mit hohen Schadenersatzforderungen erpresst, sollte man ihre Identität herausfinden. Die Aufdeckung der Betreiber gelingt überraschend häufig, weil diese ihre Realdaten beim Webhoster angegeben haben. Wer sich unsere Berichterstattung der letzten Monate in Ruhe anschaut, wird sehr schnell entdecken, wen wir damit meinen.

 

gvu, schutz vor digitaler Ausbeutung

Wie dem auch sei. Das Insolvenzverfahren der GVU befindet sich jetzt auf der Zielgeraden. Es dürfte schon bald abgeschlossen sein. Die beiden Vorstände Ronald Schild und Nikolaus Sieveking werden sicherlich froh sein, wenn alles vorbei ist.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.