Gesichtserkennungssoftware identifiziert Abgeordnete als Kriminelle

Bei einem Test der Bürgerrechtsorganisation ACLU schlug die Gesichtserkennungssoftware bei rund einem Fünftel der Abgeordneten der Parlamentskammer von Kalifornien an. Allerdings wurden die Politiker trotz ihrer biometrischen Daten verwechselt. Die Software glaubt, es mit einschlägig bekannten Kriminellen zu tun zu haben, wie die Los Angeles Times berichtet.

Gesichtserkennungssoftware: Fehlerrate bei 20 Prozent!

Schon im Januar dieses Jahres schlug die Bürgerrechtsorganisation ACLU Alarm. Anfang des Jahres gab Kalifornien bekannt, dass ihre Polizisten auf der Straße tragbare Kameras, besser bekannt als Bodycams, einsetzen sollen. Später kamen Pläne auf, diese mit einer Gesichtserkennungssoftware zu kombinieren. Um die Verwendung der Software zu verbieten, führte man kürzlich einen Test durch. Dabei fütterte man die Datenbank mit 25.000 öffentlich zugänglichen Verbrecherfotos. Diese Daten wurden mit den Bildern aller Abgeordneten der kalifornischen Parlamentskammer abgeglichen. Bei zwanzig Prozent der Bilder glaubte die Software einen der Kriminellen zu erkennen, weswegen sie anschlug.


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Das Ergebnis sollte unterstreichen, wofür sich unter anderem der kalifornische Abgeordnete Phil Ting einsetzt, der ebenfalls mit einem Verbrecher verwechselt wurde. Der Test zeigt, wie wenig zuverlässig diese Software ist. Der Demokrat Ting will, dass die Strafverfolgungsbehörden die Kameras nicht im Dienst tragen dürfen. Ting glaubt, weder die Hard- noch die Software sei bereit für den Einsatz auf der Straße. Fälschlicherweise angeklagt zu werden, sorge vielleicht anfangs für Erheiterung. Doch wenn man verhaftet wird und solche Dinge dann in der eigenen Akte stehen, so habe dies katastrophale Auswirkungen. Es dürfte anschließend schwer sein, eine Mietwohnung zu erhalten oder einen neuen Job zu finden. Ting meint, man müsse diese Technologie zum jetzigen Zeitpunkt auf jeden Fall auf Eis legen.

Datenschutz: Jeder Bundesstaat erlässt eigene Gesetze

Gesichtserkennung

Biometrie in Aktion. Grafik von geralt, thx! (CC0 1.0)

Bezüglich des Datenschutzes der Gesichtserkennungssoftware fehle es noch immer an Verordnungen, die in den ganzen USA gültig seien. Ob Bodycams eingesetzt werden dürfen, bzw. ob man sie mit weiteren „Features“ wie einer Gesichtserkennungssoftware verknüpft: Über derartige Entscheidungen müssen derzeit die Gremien der Bundesstaaten entscheiden, in diesem Fall die kalifornische Staatsversammlung in Sacramento. Da kocht jeder Bundesstaat sein eigenes Süppchen.

Felix von Leitner aka Fefe weiß gar nicht, welche Variante er bevorzugen bzw. über welche er mehr lachen soll. Darüber, dass die Software kaputt ist, oder weil sie eben nicht kaputt ist und man die Politiker als Straftäter erkannt hat. Zugegeben: Bei näherer Betrachtung ist der Unterschied zwischen Kriminellen und einigen Berufspolitikern gar nicht so groß. Vielleicht sollte man den Test einmal in Deutschland wiederholen und prüfen, wie viele MdBs hierzulande durch das Raster fallen würden…

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild teguhjatipras, thx! (Pixabay Lizenz)

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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